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VERZUG: Strom auf Raten

Weigern sich Kunden, ihre Stromrechnung zu bezahlen, hat das irgendwann Konsequenzen. Ein Prepaid-Automat zwingt dann zur Vorauszahlung – oder kappt die Stromversorgung.
Tobias Bolli
Zahlungssäumige Stromkunden werden irgendwann mit einem solchen Prepaid-Automaten konfrontiert. (Bild: Donato Caspari)

Zahlungssäumige Stromkunden werden irgendwann mit einem solchen Prepaid-Automaten konfrontiert. (Bild: Donato Caspari)

Tobias Bolli

tobias.bolli@thurgauerzeitung.ch

Strom ist dieser Tage etwas Selbstverständliches: Beliebig verfügbar, wie die Luft, die wir atmen. Man hat sich so daran gewöhnt, dass das Wegbleiben fast undenkbar scheint; ähnlich undenkbar, wie im Freien zu er- sticken. So mögen gewisse Leute versucht sein, es darauf ankommen zu lassen – und die Begleichnung der Stromrechnung aufzuschieben. Doch im Gegensatz zur Luft muss Strom bezahlt werden. Bleibt die Zahlung aus, bleibt irgendwann auch der Strom weg.

Um Problemkunden sanktionieren zu können, verfügen viele Stromanbieter über so genannte Prepaid-Automaten. Diese können in Ausnahmefällen – wenn auch die dritte Mahnung keine Wirkung zeigt – vor den Stromzähler eines Kunden installiert werden. Plötzlich herrscht dann ein anderes Regiment. Fortan gibt es nur noch dann Strom, wenn im Voraus dafür bezahlt wurde. Der Kunde muss beim Betreiber eine Karte aufladen und eigenständig darauf achten, dass sein Kredit nicht unterschritten wird. Ein älterer Automat verlangt für die Stromzufuhr gar, mit Münzgeld gefüttert zu werden.

Tatsächlich kommt es aber nur in wenigen Fällen so weit. Laut Thomas Hirt, Geschäftsleiter der Technischen Gemeindebetriebe Bischofszell (TGB), hat man vergangenes Jahr neun Prepaid-Automaten installiert. Das Versorgungsgebiet der TGB erstreckt sich über die Stadtgrenze hinaus und schliesst neben Bischofs- zell auch Teilgebiete der umliegenden Gemeinden ein. «Wir bedienen rund 4750 Kunden; da sind neun Automaten relativ wenig», sagt Hirt.

Die Installation der Auto- maten erfolgt nicht gratis. Zumindest in Bischofszell müssen Zahlungssäumige künftig tief in die Tasche greifen. So wurde die Montagegebühr nach einem Beschluss des Stadtrats von 50 auf 250 Franken erhöht. Zudem werden monatlich neu 25 Franken für den Unterhalt verrechnet.

Laut Karl Spiess, Leiter der Regio Energie Amriswil, gestaltet sich die Situation in Amriswil schwierig. «Viele Debitoren ziehen in einen anderen Kanton oder ins Ausland – und hoffen, dass sie da nicht mehr belangt werden können.» Zumindest im letzten Fall habe man tatsächlich keine Handhabe, sagt Spiess.

Kollateralschäden sollen minimiert werden

«Zahlt ein Kunde auch mit installiertem Automaten nicht, greifen wir auf sogenannte Breaker zurück. Diese kappen dann die Stromzufuhr», erklärt Spiess. In solchen Fällen sei man bemüht, Kollateralschäden zu minimieren. «Wir wollen natürlich vermeiden, dass jemand zu Schaden kommt und etwa ein Mitbewohner aufgrund eines nicht funk- tionierenden Lichts die Treppe hinunterfällt.» Deshalb werde der Strom lediglich tagsüber sistiert, sagt Spiess.

In Amriswil kostet die Installation eines Automaten 100 Franken. Der Stromtarif bleibt gleich. «Er kann aus juristischen Gründen nicht einfach schuldenabhängig in die Höhe geschraubt werden», erklärt Spiess. Die veröffentlichten Tarife behielten auch für eine zahlungsunwillige Kundschaft ihre Gültigkeit.

Nichtsdestotrotz gibt es Anbieter, die zum Grundtarif einen Amortisationsteil addieren, etwa die Elektra Muolen, wie Verwalter Erwin Hug bestätigt. Gleich verfahren nach Manuela Traber die Technischen Gemeindebetriebe Sulgen. Auch in Kradolf-Schönenberg, wo neun Automaten im Einsatz sind, wird laut Sonja Gysel eine solche Strategie zum Schuldenabbau gefahren.

Die Elektra Auenhofen in Hefenhofen hat als einziger der angefragten Betreiber noch nie einen Prepaid-Automaten eingesetzt. «Wir setzen bei Zahlungs- verzug auf individuelle Lösungen, etwa Monatszahlungen» sagt Alfred Eberhardt, Leiter der Elektra Auenhofen. In einem Fall hätten indes auch Gespräche nichts gefruchtet.

Ein Kunde habe mehrere tausend Franken Schulden angehäuft und auf Kontaktversuche nur noch mit Beleidigungen reagiert. Schliesslich habe man seine Stromverbindung gekappt. «Einen Prepaid-Automaten hatten wir damals noch nicht. Immerhin sind die Anschaffungskosten von 2500 Franken beträchtlich», sagt Eberhard. Heute und nach dieser Erfahrung verfügt auch die Elektra Auenhofen über einen Prepaid-Automaten.

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