Verwirrung um Bundesgelder

Die Stadt verfolgt für die neue Schwimmhalle nur noch den Standort beim Hallenbad Egelsee weiter. Über die Gründe für diesen Entscheid gibt es widersprüchliche Aussagen. Die Frage nach einem Ausschwimmbecken wirkt diffus.

Urs Brüschweiler
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Hier ist der Bau der Schwimmhalle geplant: Blick von der Hauptstrasse 90 Richtung Egelsee. (Bild: Urs Brüschweiler)

Hier ist der Bau der Schwimmhalle geplant: Blick von der Hauptstrasse 90 Richtung Egelsee. (Bild: Urs Brüschweiler)

KREUZLINGEN. Die FDP macht Druck. Sie will die neue Schwimmhalle dem Stadthaus vorziehen. Die Parteiexponenten wirken bisweilen sogar etwas frustriert, weil es mit den Planungen nicht recht vorwärts gehe.

Am Donnerstagabend im Gemeinderat scheiterte die FDP zwar mit allen Versuchen, das Stadthaus zugunsten der Schwimmhalle zu blockieren, doch aufgeben will sie nicht. Nun will man das Tempo hochhalten, damit die Frist zur Abholung der Bundesgelder aus dem nationalen Sportanlagenkonzept (Nasak) bis Ende 2012 noch eingehalten werden kann. Bereits 13 von 15 benötigten Unterschriften hat die FDP beisammen, um für den 23. Februar eine ausserordentliche Gemeinderatssitzung zum Projekt einzuberufen.

Ausschwimmbecken als «Killer»

Unerwartet kam am Donnerstag die Information von Stadtammann Andreas Netzle, dass sich der Stadtrat für eine Schwimmhalle beim Hallenbad Egelsee ausgesprochen hat. Man habe den Standort Campus – neben der Dreispitz-Halle – ernsthaft verfolgt. Doch habe man kürzlich erst von einem «Killer-Kriterium» erfahren. Um die viel diskutierten Nasak-Gelder zu erhalten, sei ein zusätzliches Ausschwimmbecken nötig. Beim Standort Campus sei dies aus Platzgründen nicht realisierbar, während beim Egelsee dazu das bestehende Becken dienen kann. Diese Information zu den internationalen Standards hätte man von Leuten erfahren sollen, welche es hätten wissen müssen, so Netzle. In der Steuerungsgruppe seien alle relevanten Gruppen vertreten gewesen.

FDP-Gemeinderat Andreas Zuber war in der Gemeinderatssitzung überrascht über die neuen Informationen. Er habe sich sogar überlegt, deshalb eine Vertagung der Sitzung zu beantragen. Die Aussage, die Stadt hätte von dem Ausschwimmbecken nichts gewusst, lässt Zuber nicht gelten. Er sagt: «Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass diese Fakten schon vor zwei Jahren auf dem Tisch lagen.» Dass es ein solches Ausschwimmbecken braucht, sei von Anfang an bekannt gewesen.

Doch keine Bedingung

«Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Stadt die Schwimmhalle nur mit sekundärer Priorität plante und nicht mit aller Vehemenz vorangetrieben hat», sagt Zuber.

In dieser Aussage folgt ihm auch Reto Oberhänsli, Präsident des Kreuzlinger Sportnetzes: «Vieles hätte schneller gehen können.» Doch betreffend des Ausschwimmbeckens sagt er noch einmal etwas anderes: «Für die Bundesgelder ist es keine Bedingung». Das Becken brauche es nur für internationale Wettkämpfe und auf die könne man auch verzichten. «Die Nasak-Gelder gibt es für den Aufbau eines regionalen Schwimmsport-Zentrums.»

Oberhänsli glaubt, der wahre Grund, weshalb der Standort Campus verworfen wurde, seien die höheren Kosten (siehe Kasten). Das Sportnetz könne sehr gut mit dem Standort Egelsee leben. Aber jetzt müsse man Gas geben und dürfe keine weitere Zeit mehr verlieren.

Dass im letzten Jahr zu wenig über den Projektstand informiert wurde und nicht vorwärts gemacht wurde, bestreitet Stadtammann Andreas Netzle vehement. Dauernd Zwischenstände herauszugeben stifte nur Verwirrung. «Wir informieren dann, wenn es neue Erkenntnisse gibt.»

Er warnt denn auch vor Schnellschüssen. Man führe jetzt wichtige Gespräche mit dem Bundesamt für Sport, um herauszufinden, was man genau machen müsse, um die Bundesgelder zu erhalten. Dann könne man den genauen Zeitplan definieren und sehen, ob eine Volksabstimmung noch 2012 nötig und überhaupt machbar sei.