Verstaubtes Philatelisten-Image

ARBON. Im kommenden Jahr feiern die Mitglieder des Philatelistenvereins Arbor Felix ihr 25-Jahre-Jubiläum. Trotz den nahenden Festlichkeiten blickt der Vorstand skeptisch in die Zukunft. Die Sammelleidenschaft geht zurück, der Nachwuchs fehlt.

Fritz Heinze
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Märkler unter sich: Präsident Ruedi Strasser (r.) und Aktuar Kurt Ehinger sind ganz in ihre Markensammlungen vertieft. (Bild: Fritz Heinze)

Märkler unter sich: Präsident Ruedi Strasser (r.) und Aktuar Kurt Ehinger sind ganz in ihre Markensammlungen vertieft. (Bild: Fritz Heinze)

Ordner und Bücher liegen auf dem Tisch, und alles dreht sich um die Briefmarke. In der Freizeit sind sie die zentralen Themen: die Papierrechtecke mit dem gezackten Rand, die Briefmarken. Vereinspräsident Ruedi Strasser aus Arbon und der Steinacher Kurt Ehinger stehen in konsequentem Einsatz für den Verein.

Markensammeln ist ihre Leidenschaft, auch wenn diese gewisse Leiden schafft, denn wohin der Weg für die «Märkler» führt, ist mehr als ungewiss. Die beiden Sammler sind sich dieser Tatsache auch bewusst. «Jammern hat keinen Sinn, wir müssen uns in unserem Vereinsalltag öffnen und so auch jungen Sammlern die Chance geben, bei uns mitzumachen», sagt Präsident Strasser. Denn er ist sich bewusst, dass das Image der Philatelisten angekratzt ist.

Mitgliederzahl halbiert

Die Gründung des Arbon Philatelisten Vereins geht auf das Jahr 1990 zurück und erfolgte im Restaurant Blume in Steinach. Die Vereinsleitung wurde Initiant Kurt Ehinger anvertraut. Die Gründung des Vereins geht auf Unstimmigkeiten mit den Philatelisten in Rorschach zurück. Doch Ehinger versichert: «Diese Wogen haben sich inzwischen geglättet.» Schon bald nach der Gründung verzeichnete der Verein 100 Mitglieder. Bis heute hat sich der Bestand jedoch halbiert.

Philatelisten im Stich gelassen

Tatsächlich gibt es von der Briefmarkensammlerfront nicht viel Positives zu berichten. Doch auch andere Vereine kämpfen. Aber neben dem gesellschaftlichen Problem sehen die beiden Vorstandsmitglieder noch andere Aspekte. «Früher war die Briefmarke noch ein Kunstwerk», stellt Kurt Ehinger fest, während Mitte der 60er-Jahre die von der damaligen PTT herausgegebene Markenflut zu einer wahren Inflation führte und heute viele Marken nicht einmal den nominalen Wert hätten. Es tönt denn auch etwas vergrämt, wenn der Vereinsgründer formuliert: «Die Post hat uns Philatelisten im Stich gelassen.»

«Es geht nidsi»

Präsident Ruedi Strasser sieht die Zukunft der Briefmarke und der Philatelistenvereine düster. «Es gibt gegenüber den Markensammlern viele Vorurteile, altmodisch, verstaubt und verbohrt. Wir müssen in den Vereinen offener werden.» Er erinnert sich an vergangene Zeiten und erzählt, vor zwanzig Jahren mit dem Thema Marken Schulbesuche gemacht zu haben. Einschränkend ergänzt er, dass heute die Lehrpersonen natürlich auch andere Probleme hätten. «Es geht nidsi», sagt Kurt Ehinger kurz und bündig. Neben anderen Problemen müsse man festhalten, dass Briefmarkensammeln eine ideologische Angelegenheit sei, das Sammeln verteile sich heute auf verschiedene Themen und sei keine Kapitalanlage. Diese Erfahrung hätten schon etliche Sammler gemacht.

Öffnen für Neues

Und trotz der eher pessimistischen Stimmung sind die beiden Vorstandsmitglieder in ihren Betrachtungen zukunftsorientiert. «Wir leben gut mit der heutigen Mitgliederzahl und der finanziellen Situation», erklärt Kurt Ehinger. Doch Synergien müssten gebündelt werden. So sei bei einer Briefmarkenbörse eine Zusammenarbeit mit anderen Vereinen gefragt. Ebenso wird in Betracht gezogen, Marken, Münzen und Mineralien im Rahmen einer einzigen Ausstellung zu präsentieren. «Für diesen Schritt müssten wir uns für Neues öffnen, und diese Massnahme würde Publikum an die Ausstellungen bringen», erklären die beiden Sammler übereinstimmend.

Die Hauptversammlung 2013

Die HV vom 8. März 2013 hatte für den Philatelistenverein Arbor Felix keine Veränderungen gebracht. Weder im Vorstand, er wurde in globo bestätigt, noch im finanziellen Bereich gab es Veränderungen. Präsident Ruedi Strasser erinnerte aber die Mitglieder daran, dass im Hinblick auf das 25-Jahr-Jubiläum im nächsten Jahr mit den Finanzen etwas sparsam umgegangen wird.

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