Versöhnen statt verhöhnen

Was der eine sagt, ist noch lange nicht dasselbe, was beim Gegenüber ankommt. An dieser Erkenntnis scheitern die Kreuzlinger Katholiken derzeit.

Urs Brüschweiler
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Was der eine sagt, ist noch lange nicht dasselbe, was beim Gegenüber ankommt. An dieser Erkenntnis scheitern die Kreuzlinger Katholiken derzeit. Bischofsvikar Ruedi Heim versuchte am Montag mit Aufklärung und Fakten den schon zu lange schwelenden und zermürbenden Streit um Pfarradministrator Alois Jehle einzudämmen. Der Versuch ist löblich und ein richtiger Schritt. Zum ersten Mal sassen die Kritiker des konservativen Seelsorgers und jene, die seinen Weg befürworten, gemeinsam in einem Saal. Das Gesprächsklima war in Anbetracht der Umstände anständig. Man hörte einander zu.

Wirklich verstanden haben sich beide Seiten aber noch nicht. Loyalitätsbekundungen folgten auf Angriffe. Emotionale Schilderungen von Personen, die offensichtlich enorm unter dem Konflikt leiden, schienen wirkungslos zu verpuffen, statt bei ihren Adressaten einen Denkprozess auszulösen. Wer sich unwohl fühlt in seiner Kirchgemeinde, dem helfen keine theologischen Erwägungen. Auch die mehrfach angebrachte Medienschelte des Bischofsvikars bringt die gespaltene Pfarrei kein bisschen vorwärts.

Ist ein Konflikt festgefahren und die Fronten dermassen verhärtet, muss sich mindestens eine der Parteien von sich aus bewegen. Noch besser ist es, wenn sich beide bewegen. Die Dialoggruppe könnte von ihrer Forderung abrücken, dass Pfarrer Alois Jehle gehen muss. Sie könnten ihm einen Neuanfang anbieten. Der Pfarreirat und die Kirchenvorsteherschaft könnten ihre Nibelungen-Treue zum Seelsorger etwas aufweichen. Und Pfarrer Jehle würde mit einer Charme-Offensive vielleicht seinen Gegnern viel Wind aus den Segeln nehmen. Aller Anfang ist schwer, aber Aussöhnung sollte eine Kernkompetenz von Kirchenleuten sein.

urs.brueschweiler @thurgauerzeitung.ch