Verseschmied machte Mundartpoeten Mut

In einem ersten Konzertprogramm sang der Liedermacher Heinrich Schlegel Mundartlieder, von ihm selber getextet, gesungen und am E-Piano begleitet.

Trudi Krieg
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Heinrich Schlegel präsentierte seine Mundartlieder. (Bild: Trudi Krieg)

Heinrich Schlegel präsentierte seine Mundartlieder. (Bild: Trudi Krieg)

Vor einem Jahr habe er seine Verse im Romanshorner Museum aufhängen dürfen, erzählte der ehemalige Lehrer, Redaktor und Sozialarbeiter Heinrich Schlegel. Dass dem Verseschmied Christoph Sutter diese gefielen und er spontan einen Vortragsabend zusammen mit Schlegel organisierte, habe ihn ermuntert, weiterzumachen. Da ihn die Kulturveranstalter noch nicht entdeckt haben, so wie es jeder Sänger heimlich hoffe, habe er jetzt selber Konzertabende organisiert.

Schnitzelbank und Verse

Das Schöne am Pensioniertsein sei, dass man nicht mehr so viel müsse, man dürfe das tun, was einem Spass mache. Sein Gärtchen pflegen etwa. Davon zeugte der prächtige Blumenstrauss auf der Bühne. Oder eben Verse schmieden und singen. Angefangen habe alles schon mit 15, als er für einen Klassenabend eine Schnitzelbank verfasste und vortrug, dann wieder für den Kompanieabend im Militär, und später sei er als Schnitzelbänkler an der Fasnacht durch Bischofszells Beizen gezogen.

Lange Nase drehen

Mal spitzbübisch, wenn er besang, wie er als verliebter AHV-Teenager erst als es tagte heimwärts fand, dann wieder wie ein alter Mann, wenn ihn die besungene Liebste im Regen stehen liess, wirkte der Einzelgänger. Das streikende Pedal seines E-Pianos brachte ihn kurz aus dem Konzept, aber mit etwas Improvisation ging's weiter.

Auswandern sei auch ein Thema, das immer wieder aufgetaucht sei in seinem Leben, einfach Steuerbehörde und Vermieter eine lange Nase machen und als Fahrender durch die Lande ziehen, oder richtig auswandern, nach Spanien etwa, wie es eine Zeitlang viele Pensionierte machten. Doch es blieb bei Gedankenspielen: «D' Grenze sind offe» sang er, «denn stohni a de Grenze und es isch chalt, wen i denk wer i ali würd verloh. Denn kämpft i miner Bruscht es künftigs Heiweh mit de Reiseluscht.

» Er wagte es nicht, aber «Neui Wege chan i au deheime go.»

Heinrich Schlegel tritt nochmals mit seinem Programm auf. Dies am kommenden Samstag, 9. Oktober, um 20 Uhr im Bürgersaal des Rathauses von Bischofszell.

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