Vernarrt in schöne Landschaften

WEINFELDEN. Filmemacher Daniel Felix hat sich spezialisiert auf volkstümliche Dokumentarfilme. Auf seinen DVDs trägt er Eisenbahnromantik und Schweizer Idyll auf die Mattscheiben der Käufer. Das Film-Handwerk hat der 47-Jährige von seinem Vater Kurt Felix gelernt.

Mario Testa
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Daniel Felix schneidet die Filme über Schweizer Eisenbahnstrecken in seinem Studio zu Hause im Burgquartier von Weinfelden. (Bild: Mario Testa)

Daniel Felix schneidet die Filme über Schweizer Eisenbahnstrecken in seinem Studio zu Hause im Burgquartier von Weinfelden. (Bild: Mario Testa)

«Schöne Landschaften kann ich ohne weiteres stundenlang bewundern», sagt Daniel Felix. «Und natürlich filme ich sie auch gerne.» Zu Hause im Burgquartier von Weinfelden hat Felix einen grossen, hellen Raum in ein Videostudio verwandelt. In den Gestellen an den Wänden stapeln sich Kassetten, DVDs und Ordner. Bildschirme, Fernsehgeräte und diverse Abspielgeräte prägen das Bild am aufgeräumten Arbeitstisch. Schon als Kind in Frauenfeld habe es einen solchen Raum im Elternhaus gegeben, wenn auch mit älteren Geräten. «Die Technik hat sich natürlich stark gewandelt seit ich das Filmhandwerk von meinem Vater Kurt gelernt habe», sagt der 47-Jährige mit einer Stimme, die der des verstorbenen, beliebten Entertainers sehr ähnelt.

Während Kurt Felix sich auf die Volksmusik spezialisierte, sind es bei Daniel Felix Filme aus den Sparten Landschaften und Eisenbahnen. «Mein Vater war sehr akribisch bei seiner Arbeit und hat mir seine Arbeitsweise weitergegeben. Auch inhaltlich habe ich viel von ihm übernommen, nur dass ich mich statt auf Volksmusik auf volkstümliche Dokumentarfilme spezialisiere.» Daneben übernimmt Felix auch Auftragsproduktionen für die Industrie und Private.

Alle Bahnstrecken auf 55 DVDs

Mit seinem neuesten Projekt wagt Daniel Felix den ganz grossen Wurf. «Mit dem Frauenfelder Filmer Andreas Perren als Partner dokumentiere ich sämtliche Bahnstrecken der Schweiz aus dem Führerstand», sagt er. 90 Prozent aller Strecken haben sie bereits neben den Lokomotivführern gefilmt, etwa die Hälfte davon hat Felix bereits bearbeitet und als DVD auf den Markt gebracht. «Es ist erstaunlich, wohin wir diese Filme verkaufen. In Asien sind sie sehr interessiert an diesen Filmen, die die abwechslungsreiche Schweiz zeigen.» Schliesslich werden es 55 DVDs sein, bei deren Betrachtung sich die Zuschauer auf eine tagelange Reise durch die Schweiz begeben, immer den Schienen entlang.

«Die Schweiz ist landschaftlich so abwechslungsreich. Vom hügeligen Thurgau über die Seenlandschaften bis in die Hohen Berge der Alpen», er sei ein Landschafts-Fanatiker gesteht Felix. Deshalb filme er auch nur bei gutem Wetter. «Die Zuschauer sollen die schönen Landschaften in den Filmen ja auch sehen. Wenn es regnet, packe ich die Kamera erst gar nicht aus.»

Schrammen im Heimatbild

«Heimat ist wo ich wohne, wo es mir gefällt, und wo ich mich auskenne.» So schön die Schweiz auch sei, sein Heimat-Begriff habe Schrammen abbekommen, sagt Daniel Felix etwas nachdenklich. «Mein Bild der Heimat habe ich mir als Kind gemacht, es hat sich eingeprägt. Seither hat sich vieles verändert.» Das Schweizer Mittelland beispielsweise sei zugepflastert, dass er es nicht mehr schön finde. Und es gebe immer mehr identitätslose Gegenden. «Wenn ich beispielsweise im Einkaufs- und Industriegebiet im Westen von Weinfelden bin und umher schaue, könnte ich gerade so gut in irgendeinem Ort in Argentinien, den USA oder Russland stehen.»

Man könne die Vergangenheit nicht zurückholen, «auch wenn ich mir oft wünschte, etwas wieder zurücksetzen zu können.» Den Wandel der Landschaft und der Gesellschaft betrachtet Felix mit Skepsis. «Die Schweiz wandelt sich in eine Richtung in der ich denke, dass sie für mich als Heimat langsam kaputtgehen könnte.» Er sehe aber auch Tendenzen die dagegenhalten. «Gerade im Bereich des Brauchtums und der Volksmusik beobachte ich eine positive Entwicklung. Ich kenne viele Leute, die sich wieder auf diese Werte zurückbesinnen.»

«Ich setze voll auf Unterhaltung»

Daniel-Felix-Filme sind nicht tiefgründig. Sie befassen sich nicht mit gesellschaftlichen Fragen oder Schicksalen. «Ich will unterhalten, die Betrachter sollen während einer Stunde eintauchen können in das Schöne.»

Inspiration für Filme sammelt Felix beim Reisen. Sei es auf Velotouren oder während Bahnfahrten. «Ich habe mir wieder ein GA gegönnt. Einmal Genf retour und ein neues Drehbuch steht.»

Bild: MARIO TESTA

Bild: MARIO TESTA