Verliebt wie vor 65 Jahren

Er strahlt im schicken blauen Anzug übers ganze Gesicht – wie ein Marienkäfer. Mit glänzenden Augen wirft er im Garten ihres Hauses an der St.

Max Eichenberger
Drucken
Teilen
Margrith und Kurt Henauer feiern eiserne Hochzeit: Ihre Liebe rostet nicht. (Bild: Max Eichenberger)

Margrith und Kurt Henauer feiern eiserne Hochzeit: Ihre Liebe rostet nicht. (Bild: Max Eichenberger)

Er strahlt im schicken blauen Anzug übers ganze Gesicht – wie ein Marienkäfer. Mit glänzenden Augen wirft er im Garten ihres Hauses an der St. Gallerstrasse in Arbon seiner Margrith über die Schulter einen glückseligen Blick zu – mit der Verliebtheit von damals, als Kurt Henauer um ihre Hand gebeten hatte. Das war vor genau 65 Jahren.

Regen stoppt Kutsche

Eigentlich hätte die Kutsche vorfahren sollen für eine Blueschtfahrt am Tag ihrer eisernen Hochzeit. Doch das Wetter macht an diesem Samstag nicht mit. Eben ist ein prasselnder Strichregen vorübergezogen. Jetzt schont es immerhin für das Erinnerungsfoto. Galant führt Kurt Henauer seine gepflegte bald 95jährige Gattin die Treppe hinterm Haus hinunter in den grünen Garten. Tochter Jolanda und Enkelin Chantal werden die Kutschenfahrt nachholen. Gefeiert wird trotzdem in kleinem Kreis.

«Auf dem Schwof» funkte es

Es war an einem Anlass der Kunstturner in den späten Vierzigern, als sich die beiden kennengelernt hatten. Am Wettkampf selber war der heute 93jährige Kurt konzentriert, beeindruckte die Wertungsrichter und sammelte für seine tadellos geturnten Übungen viele Punkte. Am Tanzfest danach in der Amriswiler Festhütte hatte der stramme Turner dann nur noch Augen für Margrith. Mal für Mal holte er sie «auf dem Schwof», wie er verschmitzt sagt, zum Tanz. Die liebenswürdige junge Frau unterstützte damals ihre Familie im Restaurant Krone tatkräftig. Auch packte sie auf dem eigenen Bauernhof an.

Mit dem Solex westwärts

Die Konstellation war klassisch: Bei solchen Tanzveranstaltungen und auch in Kinosälen waren zu jener Zeit viele Liebschaften und spätere Ehen begründet worden. Die geschmeichelte Margrith erwiderte, wie Kurt ihr den Hof machte. So oft er konnte, hockte er auf den Solex-Sattel, fuhr von Arbon nach Amriswil und besuchte seine Auserwählte. Am 2. Mai 1950 vollzogen sie den Bund der Ehe. Die Kutsche führte sie durch den Oberthurgauer Blueschtgarten zur Trauung nach Amriswil. Gefeiert wurde dann im Schlössli in Bottighofen.

Mit 93 ältester Turner

Seitdem lebt das Ehepaar in Kurts Elternhaus an der St. Gallerstrasse 93a in Arbon. Tochter Jolanda schwärmt von der Kochkunst ihrer Mutter: «Aus der eigenen Gartenernte zaubert sie einen leckeren Salat, gefüllte Zucchini, einen Apfelfladen und noch viel mehr.» Mit Turnübungen hält sie sich fit. Kurt, früherer Werkmeister bei Saurer und dann Geschäftsstellenleiter der Betriebskrankenkasse, ehemaliger Schweizer Meister mit den Faustballern turnt heute noch wöchentlich bei den Seniorenturnern. Mit 93 ist er der Methusalem – aber noch schlank und rank. Wie eh. Körperliche Aktivität ist sein Rezept, im Alter fit zu bleiben.

Aktuelle Nachrichten