Verkauf soll Finanzen aufpolieren

ARBON. Das ebenso kostbare wie kostspielige Erbe wird zur untragbaren Hypothek für die Stadt Arbon. Der Stadtrat will die Jugendstilvilla «Zur Sonnenblume» zum Verkauf ausschreiben – und den städtischen Finanzhaushalt damit aufbessern.

Max Eichenberger
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Das Burkhardt-Haus an der Rebenstrasse. Der Stadtrat beantragt dem Parlament den Verkauf. 2006 war die Villa der Stadt vermacht worden. (Bild: Max Eichenberger)

Das Burkhardt-Haus an der Rebenstrasse. Der Stadtrat beantragt dem Parlament den Verkauf. 2006 war die Villa der Stadt vermacht worden. (Bild: Max Eichenberger)

Im Künstlerhaus an der Rebenstrasse 33 hat der Fotograf und Maler Max Burkhardt jahrzehntelang gewirkt. Über eine letztwillige Verfügung war die Liegenschaft 2006 der Stadt vermacht worden. Das Haus konnte zweimal vermietet werden. Seit Sommer 2011 steht es leer.

Eine Veräusserung brächte der Stadt einen Mindesterlös von 1,25 Millionen Franken. Diesen Verkehrswert hat eine Schätzung der Kantonalbank ergeben. Das Parlament muss allerdings dem Verkauf noch zustimmen. Es dürfte am 9. Dezember eine Kommission einsetzen.

Im Budget bereits aufgenommen

Dass die schuldengeplagte Stadt das Vermächtnis abstossen will, kommt nicht überraschend. «Wir wollen uns entlasten vom Objekt. Die Stadt ist keine Immobilienverwalterin und -entwicklerin», sagt Stadtammann Andreas Balg. Zudem habe die Parzelle für die Stadtentwicklung keine strategische Bedeutung.

Seit dreieinhalb Jahren ist das denkmalgeschützte blaue Haus mit der besonderen Form eines Kubus unbewohnt. Die Stadt findet keine geeigneten Mieter für das Liebhaberobjekt mehr. In dieser Zeit musste sie 15 Absagen von Interessenten hinnehmen.

Die eigenwillige Innenraumgestaltung mit sehr beschränkten Möglichkeiten, die kleinen und düsteren Zimmer individuell einzurichten, erwiesen sich als Handicap. «Für eine standardmässige Wohnnutzung ist die Jugendstilvilla schlicht nicht geeignet», betont Balg.

Finanzen aufpolieren

Ein Hauptgrund für den Entscheid, sich vom Haus zu trennen, ist «die angespannte finanzielle Lage der Stadt», räumen Balg und Vize Patrick Hug ein. Damit könnte «eine gewisse Entspannung» herbeigeführt werden. Der Druck ist so gross, dass im Budget 2015, das am 9. Dezember durch das Parlament behandelt wird, ein entsprechender Buchgewinn (1,1 Millionen Franken; vor der TKB-Schätzung) bereits auf leisen Sohlen aufgenommen worden ist.

Könnte der Verkauf 2015 nicht realisiert werden, würde sich das Budgetdefizit von 1,2 Millionen Franken praktisch verdoppeln.

Eine Perspektive für eine anderweitige Eigennutzung gibt es – auch nach längerem Evaluieren – keine. Die laufenden Unterhaltskosten sind laut Finanzressortchef Patrick Hug nun aber «eine kaum mehr verantwortbare Belastung für den angespannten städtischen Finanzhaushalt».

Investitionen wären untragbar

Bevor der Stadtrat im Juni 2006 das Vermächtnis von Margreth Burkhardt-Rohlin angenommen hatte, liess er einen Zustandsbericht sowie eine Kostenschätzung über den kurz- bis langfristigen Investitionsbedarf beim Gebäudeunterhalt erstellen. Der Experte bezifferte diesen auf eine halbe Million Franken. Hinzu errechnete ein Landschaftsarchitekt einen Betrag von 160 000 Franken, um den grossen Umschwung mit Garten in Schuss zu halten. Das ganze Grundstück ist 1715 Quadratmeter gross.

Mehr als der nötige Unterhalt ist nicht gemacht worden. Mehr wäre aus Sicht der Stadt ebenso unverhältnismässig wie untragbar. Bis 2011 habe die Liegenschaft einen Nettoertrag von 90 000 Franken abgeworfen (Vermietung Haus und der zehn Garagen an der Seilerstrasse). Seit 2012 sei der Saldo negativ.

Frei, zu verkaufen

Naheliegend ist für die Stadt also ein Verkauf. Über diese Absicht hat Patrick Hug am Montag einen Vertreter der Erbengemeinschaft informiert. In der letztwilligen Verfügung habe die vormalige Eigentümerin nicht explizit eine spätere Veräusserung ausgeschlossen, stellt Hug klar – und zitiert daraus: «Ich wünsche, dass die Liegenschaft nach Möglichkeit weder verkauft noch (gemeint ist die Parzelle) überbaut wird.» Damit fühle sich der Stadtrat frei, das Haus zu verkaufen. Immerhin sieben Jahre habe man die Liegenschaft gehalten und «der moralischen Verpflichtung nachgelebt».

Andreas Balg, Stadtammann Arbon. (Bild: pd)

Andreas Balg, Stadtammann Arbon. (Bild: pd)

Potenzielle Käufer gebe es, verweist Balg an Kontaktgespräche mit einstigen Mietinteressenten. Vorausgesetzt, das Parlament stützt das Vorgehen des Stadtrates, werde dieser das Burkhardt-Haus ausschreiben.

Hohe Schutzauflagen

Der Zuschlag erhalte dann der Meistbietende – immer geknüpft an die strengen Auflagen der Denkmalpflege und des Bundesschutzes. «Dieser Schutz ist so umfassend», verdeutlicht Patrick Hug, «dass im Haus praktisch kein Nagel eingeschlagen werden kann.» Zudem sei eine Überbauung des südlichen Umschwungs «kaum realisierbar».

Eine mögliche Abparzellierung müsste, bei hohen Hürden, anhand eines konkreten Projektes aufwendig geprüft werden.

Der kulturellen Bedeutung der Villa sei sich der Stadtrat sehr wohl bewusst, betont Stadtammann Balg. Von einer neuen Eigentümerschaft, möglicherweise eine Stiftung, erwarte er daher, dass sie dies auch so halte.