Vergängliche Kunst

KREUZLINGEN. Diese Woche erstellt der buddhistische Mönch Lama Wongdue in der Pfarrei St.Ulrich ein Sand-Mandala.

Daniela Ebinger
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In feinster Arbeit gestaltet Lama Wongdue sein Mandala. (Bild: Nana do Carmo)

In feinster Arbeit gestaltet Lama Wongdue sein Mandala. (Bild: Nana do Carmo)

In der Pfarrei St. Ulrich liegt ein Duft von Räucherstäbchen in der Luft. Ein kleiner Tisch ist gedeckt mit Kerzen, einer Glocke, einem Buch und noch vielen weiteren meditativen Gegenständen. Davor sitzt der buddhistische Mönch Lama Wongdue. Mitten im Raum steht ein quadratischer Tisch mit Schalen, gefüllt mit verschiedenfarbigem Sand. Dazu sind feine Harfenklänge zu hören. Der Mönch aus Mustang in Nepal erstellt in dieser Woche in der Pfarrei ein spezielles Sand-Mandala. Dieses Projekt wird im Rahmen der interreligiösen Begegnungen Kreuzlingen durchgeführt.

Mit ausführlichen, interessanten Erläuterungen und der speziellen Zeremonie von Lama Wongdue wurde das Projekt am Samstag eröffnet. Den Sand hat der Mönch aus seiner Heimat mitgebracht.

Der Künstler meditiert

Buddhistische Mandalas haben eine uralte Tradition. Sie werden auf streng rituelle Weise hergestellt und dienen den Mönchen zur Meditation. Es wird immer ein Palast dargestellt, in dem sich die Gottheit aufhält.

«Wir sehen die Werke zweidimensional, sie verstehen sie aber dreidimensional», erzählt Sonngard Trindler. Sie ist die Präsidentin des kleinen, gemeinnützigen Schulvereins Lo-Manthang. Der Verein hat zum Ziel, Kindern und Jugendlichen einen Zugang zu einer schulischen Grundausbildung zu ermöglichen. Er hat den Sitz in der Schweiz und arbeitet seit rund elf Jahren konstruktiv mit einer Klosterschule in Nepal zusammen.

Mit dem Mandala-Projekt leistet die Pfarrei St. Ulrich einen Beitrag zur kulturellen Integration in Kreuzlingen. Stadträtin Dorena Raggenbass erwähnt die Vielfältigkeit der Kulturen in Kreuzlingen: «Die verschiedenen Kulturen, die ihre Türen öffnen, öffnen den Besuchern auch ihre Herzen.»

Werk wird wieder verwischt

Am nächsten Samstag um 14 Uhr wird der Exiltibeter Lobsang Zatul zusammen mit Lama Wongdue die Bedeutung des Mandalas erläutern. Im Anschluss wischt Lama Wongdue das religiöse Werk wieder zusammen und übergibt es der Natur.

«Dieses Ritual erinnert an die Vergänglichkeit des Lebens und soll uns die Endlichkeit alles Seins bewusst machen», so Sonngard Trindler.

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