Velohotel kämpft gegen Altlasten

SALMSACH. Weil der Boden beim alten Dampfsägewerk an der Aach verunreinigt sein könnte, ist der Bau des Velohotels nebenan zurzeit blockiert. Im Auftrag der Gemeinde Salmsach führt ein Geologiebüro demnächst Felduntersuchungen durch.

Roger Häni
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Idyllisch gelegen, aber womöglich belastet: Das einstige Dampfsägewerk an der Salmsacher Bucht. Rechts davon ist das Velohotel geplant. (Bild: Roger Häni)

Idyllisch gelegen, aber womöglich belastet: Das einstige Dampfsägewerk an der Salmsacher Bucht. Rechts davon ist das Velohotel geplant. (Bild: Roger Häni)

SALMSACH. Rückblende: Gegen das geplante Velohotel beim Badeplatz war im Frühling eine Einsprache eingegangen. Pro Natura Thurgau hatte Bedenken wegen der Nähe zum Naturschutzgebiet angemeldet. Die Einsprache liege nach wie vor beim Kanton, erklärt der Salmsacher Gemeindeammann Kurt Helg heute. Bis zum Entscheid werde es noch eine Weile dauern. «Unabhängig vom Neubau ist eine Abklärung bezüglich Altlasten des einstigen Dampfsägewerks angelaufen. Bis diese Abklärung erfolgt ist, bleibt alles andere liegen», sagt Helg.

Das einstige Dampfsägewerk befindet sich gleich neben dem Bauplatz für das Velohotel und ist im Zuge des Hotelbaus dem Abbruch geweiht. Doch ist es im kantonalen Verdachtsflächenplan enthalten. Während der Kanton Betriebe anderer Branchen schon unter die Lupe genommen hat, lässt er dieses Jahr die aktuellen und einstigen Holzbearbeitungsbetriebe – 239 an der Zahl – untersuchen. Stellt sich heraus oder ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten, dass ein Standort belastet ist, wird er in den Kataster der belasteten Standorte eingetragen.

Sägewerk einst Chemiebetrieb

Martin Eugster ist Leiter der Abteilung Abfall und Boden beim kantonalen Amt für Umwelt. Er kennt den Salmsacher Fall. Das alte Gebäude nahe der Aach, das seit Jahrzehnten nur noch als Lagerhaus beziehungsweise Brockenhalle dient, habe eine lange Nutzungsgeschichte. Es sei einst nicht nur ein Dampfsägewerk, sondern auch schon Chemie- und Metallverarbeitungsbetrieb gewesen, weiss Eugster. Belastungen seien also nicht auszuschliessen. «Vor einem allfälligen Abbruch und Neubau sind weitere Informationen über den Standort erforderlich.»

Der Eigentümer – in diesem Fall die Gemeinde Salmsach – habe zum jetzigen Zeitpunkt zwei Möglichkeiten: eine historische/technische Voruntersuchung oder, im kleineren Rahmen, eine Standortabklärung. Diese beschleunigt das Bauprojekt – sofern sich nicht herausstellt, dass der Standort ein Schutzgut gefährdet und deshalb saniert werden muss.

Mit der Standortabklärung hat die Gemeinde Salmsach Christoph Haering vom Geologiebüro Lienert&Haering AG beauftragt. Er untersucht insbesondere, ob das Stück Land, auf dem das Velohotel gebaut werden soll, clean ist. Zunächst sammle er im Archiv des Kantons die geschichtlichen Unterlagen zu den betroffenen Parzellen nahe der Aach, erklärt Haering. «Nach Absprache mit dem Kanton führen wir dann vor Ort Felduntersuchungen durch, bei denen wir die Schutzgüter Grundwasser, Oberflächenwasser, Boden und Luft untersuchen.» Haering geht davon aus, dass die Felduntersuchungen in der nächsten oder übernächsten Woche erfolgen können.

Neues Ziel: Eröffnung 2013

Gemäss dem Salmsacher Gemeindeammann Kurt Helg werde man in rund einem Monat mehr wissen über die Belastung des Bodens. Im Falle einer Belastung dürfte das Velohotel um Jahre zurückgeworfen werden. Dessen ist sich auch Fredy Iseli von der Iseli Architektur AG bewusst, die als Generalunternehmerin das Hotel nahe des Sees und der Aach bauen möchte. «Es wäre schön gewesen, wenn das Hotel auf nächste Saison hin fertig gebaut gewesen wäre. Jetzt ist es unser Ziel, das Hotel auf die Saison 2013 zu eröffnen», gibt sich Fredy Iseli weiterhin optimistisch.

Bei einer zu grossen Verzögerung könnte sich der Architekt vorstellen, an einen anderen Standort auszuweichen. Er fände dies allerdings bedauerlich, da der Standort neben dem einstigen Dampfsägewerk für die Gemeinde Salmsach ideal sei. Zum Bauprojekt gehören nämlich neben Hotelzimmern und Restaurant auch sanitäre Anlagen, Umkleidekabinen, ein Waschraum oder ein Kiosk. Von dieser Infrastruktur würden sowohl der Bade- als auch der Bootsplatz profitieren.

Wer das Hotel – wenn es denn einmal gebaut ist – führen wird, behält Fredy Iseli noch für sich. Es sei jemand dafür vorgesehen, doch nenne er keinen Namen.

Bleibt zuversichtlich: Hotel-Architekt Fredy Iseli. (Bild: mso)

Bleibt zuversichtlich: Hotel-Architekt Fredy Iseli. (Bild: mso)