Velofahrende ernst genommen

Pro Velo Thurgau freut sich über die Reaktion der Stadt Amriswil auf eine Petition: Die Stadt hat eine Kommission eingesetzt, die ein Velowegnetz prüft.

Rita Kohn
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AMRISWIL. Ein offenes Ohr für die Anliegen der Amriswiler Bevölkerung bewies die Verkehrskommission der Stadt. Sie setzte eine Arbeitsgruppe ein, die sich mit dem Thema Velowegnetz in Amriswil auseinandersetzen wird. Die Freie Gruppe (FG) Amriswil fordert die Stadt auf, ein Velowegnetz mit passender Beschilderung zu schaffen, um die Situation für die Velofahrenden zu verbessern. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, lancierte die FG Anfang Januar eine entsprechende Petition. Die FG hoffte dabei, mindestens 200 Unterschriften sammeln zu können.

Im Februar übergab die Kerngruppe der FG zusammen mit dem inzwischen gewählten Stadtrat Claudio Zaffonato der Stadt über 720 Unterschriften, die innerhalb eines knappen Monats gesammelt werden konnten.

Veloverband einbeziehen

In einem Communiqué, mit dem die Pro Velo Thurgau an die Öffentlichkeit trat, lobten Vera Zahner und Eddie Kessler die breite Abstützung der neugebildeten Arbeitsgruppe. Neben den Stadträten Emil Rusch und Claudio Zaffonato könne auch Pro Velo Thurgau als Interessenvertreter der Velofahrenden Einsitz nehmen. «Der Thurgauer Veloverband wertet dies als Zeichen, dass die Nöte der Amriswiler Velofahrenden ernst genommen werden.»

Subjektiv betrachtet sei das Velofahren in Amriswil eine gefährliche Sache. «Die Hauptverkehrsachsen stossen zeitweise an ihre Kapazitätsgrenzen und bieten wenig Platz für das Velo. Die zahlreichen Kreuzungen sind nicht immer so gestaltet, dass Velofahrende rechtzeitig erkannt werden, und der Rechtsvortritt überfordert die Verkehrspartner grösstenteils.»

Bedürfnisse abklären

Die hohe Zahl der Unterschriften für die Petition überrasche vor diesem Hintergrund kaum, schreibt Pro Velo Thurgau.

Die Verkehrskommission hat Pro Velo Thurgau zunächst damit beauftragt, eine Analyse der bestehenden Wegverbindungen vorzunehmen und die Bedürfnisse abzuklären. Diese Aufgabe nimmt gemäss Vera Zahner und Eddie Kessler etwa ein Jahr in Anspruch. Schliesslich gehöre dazu die Erstellung von Gefahrenkarten und eine Schwachstellenanalyse, Verkehrszählungen und die Befragung der Bevölkerung, der Schülerschaft, des Gewerbes und der Pendler.»

Die Ergebnisse der Analyse sollen in die Gestaltung eines Richtplans einfliessen, worüber die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger letztlich an der Urne entscheiden sollen.

Die Vertreter von Pro Velo Thurgau betonen: «Der Veloverband möchte entsprechend die Interessen der Velofahrenden vertreten, jene der Automobilisten und Fussgänger aber ebenso respektieren und zudem den Kostenfaktor für ein späteres Wegnetz nicht aus den Augen verlieren.»

Miteinander ist wichtig

Wie das Velowegnetz am Schluss aussehen wird weiss Vera Zahner, Präsidentin von Pro Velo Thurgau, noch nicht. «Wichtig ist nicht einfach, für das Velo mehr Raum zu bieten, sondern die Sicherheit für alle Verkehrspartner zu verbessern, also dass das Miteinander auf der Strasse erleichtert und der Respekt gefördert wird.»

Weil aber bei Unfällen mit Autos die Velofahrenden schutzlos ausgeliefert und Mischflächen zwar gut gemeint seien, in der Praxis aber meist nicht viel zur Sicherheit der Fussgänger beitragen, strebten sie für das Velo ein eigenes Strassennetz an, erklärt Zahner.

Mit der Neuausrichtung der Verkehrsströme im Zentrum können die Anliegen der Velofahrenden bereits bei der Planung berücksichtigt und wo möglich in die Umgestaltung der Strassenbereiche aufgenommen werden.