UTTWIL: Neue Halle ist umstritten

Am 27. März stimmen die Uttwiler über einen Planungs- und Baukredit für ein Mehrzweckgebäude ab. Zu reden geben vor allem die Kosten in der Höhe von rund 7 Millionen Franken.

Markus Schoch
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Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Es ist ein grosser Schritt für die kleine Seegemeinde. Und der eine oder andere in Uttwil fragt sich, ob er nicht zu gross ist. Zumal der Schritt noch viel grösser sein könnte, als die Verantwortlichen der Bevölkerung weismachen wollen, befürchten sie.

Am Donnerstagabend diskutierten auf Einladung der FDP-Ortspartei Befürworter und Gegner unter der Leitung von Christoph Tobler über den Planungs- und Baukredit für das neue Mehrzweckgebäude. Die Vorlage ist umstritten. Vor allem wegen der Kosten, die sich nach Angaben des Gemeinderates auf 7 Millionen Franken belaufen.

Für Daniel Güntzel ist eine Investition in dieser Höhe nicht gerechtfertigt. «Die Zahlen haben mich erschreckt. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt nicht.» Und was er vor allem nicht verstehe: Warum der Bau plötzlich so viel teurer sei als ursprünglich vom Gemeinderat kommuniziert. Bei der Abstimmung über den Kredit für einen Projektwettbewerb im November 2014 sei von 5,5 Millionen Franken die Rede gewesen. Jetzt seien es plötzlich 1,5 Millionen Franken mehr, und das, obwohl es entgegen den ersten Plänen doch keine Ladenflächen für den Volg im Mehrzweckgebäude gebe. «Irgend etwas kann doch nicht stimmen», meinte Güntzel.

Die Erklärung sei einfach, entgegnete ihm Gemeinderat Josef Arnold. Man sei sich nicht bewusst gewesen, dass zum Baupreis noch das Architektenhonorar dazu gerechnet werden müsse. «Niemand im Gemeinderat wusste das.» Berücksichtigt sei zudem eine Reserve in der Höhe von 300000 Franken. Und ob der Volg Teil der Projektes sei oder nicht, mache finanziell keinen grossen Unterschied.

Josef Arnold verspricht Kostendisziplin

Güntzel und diverse Versammlungsteilnehmer bezweifelten, dass 7 Millionen Franken reichen werden. Es werde mit grosser Wahrscheinlichkeit teurer. Der Gemeinderat räume selber ein, dass die tatsächlichen Kosten 25 Prozent tiefer oder höher liegen könnten. «Billiger wird es sicher nicht», meinte eine Besucherin. Das sei nie so, wenn man baue. Diese Aussage sei falsch, entgegnete ihr Turnerpräsident Thomas Krois. Es gebe genügend Beispiele, die das Gegenteil beweisen würden. Eines sei der Steg in Uttwil. Arnold versprach hoch und heilig, dass es keine Kostenüberschreitung geben werde. «Für den Gemeinderat ist das absolut klar. Und so viel Vertrauen dürfen sie in die Behörde haben.» Es werde an der Baukommission sein, «die Reissleine zu ziehen, wenn die Kosten aus dem Ruder zu laufen drohen». Notfalls müsse «abgespeckt werden». «Wir dürfen uns nicht von der Angst treiben lassen. Es werden nicht überall Flughäfen wie in Berlin gebaut», meinte Krois.

Güntzel hätte sich gewünscht, dass der Gemeinderat die Sanierung der bestehenden Mehrzweckhalle vertieft abgeklärt hätte. «Man hat das nicht fertig geprüft», warf er der Behörde vor. Sie hätten die entsprechenden Abklärungen sehr wohl getroffen, widersprach ihm Arnold. «Eine Renovation wäre unverhältnismässig teuer.» Komme hinzu, dass die Halle unzweckmässig und alt bleibe. Wer sich für den Erhalt des bestehenden Gebäudes stark mache, habe noch nie darin gearbeitet, meinte eine Besucherin. «Sonst käme er nicht auf eine solche Idee.»

Krois bedauerte, dass die Vorlage auf die Zahlen reduziert wird. Uttwil bekomme viel für das Geld. Und die Gemeinde könne sich die Investition auch leisten. «Der Mehrwert ist gross», pflichtete ihm Arnold bei. «Wenn wir jetzt Nein sagen, sind wir in vier Jahren wieder am gleichen Punkt», ist sich Krois sicher.

Detailkritik übte schliesslich Sekundarschulpräsident Toni Betschart: Er verstehe nicht, warum die Verantwortlichen nicht geprüft hätten, Platz für einen Jugendtreff zu schaffen. Davon sei bei der Bedürfnisabklärung nie die Rede gewesen, hielt ihm Arnold entgegen. Auf die Idee seien sie erst später gekommen, sagte Betschart. Mit etwas gutem Willen sollte sich seiner Meinung nach auch jetzt noch eine Lösung finden lassen.

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch