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UTTWIL: «Ich trage die Anlagen nicht in mir»

Gemeindepräsident Stephan Good stellt sich nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung. Die Arbeit gefalle ihm zwar sehr gut. Doch er sei nicht die richtige Person in dieser Position. Ihm fehle eine der Schlüsselkompetenzen.
Markus Schoch
Stephan Good vor der Zentrumsüberbauung, in der die Verwaltung ihre Büros hat. (Bild: Donato Caspari)

Stephan Good vor der Zentrumsüberbauung, in der die Verwaltung ihre Büros hat. (Bild: Donato Caspari)

Markus Schoch

markus.schoch

@thurgauerzeitung.ch

Herr Good, Sie geben Ihr Amt nach vier Jahren im Mai 2019 bereits wieder ab. Haben Sie kein schlechtes Gewissen?

Nein, auf keinen Fall.

Ist Ihnen die Lust vergangen?

Nein, überhaupt nicht. Ich mache die Arbeit sehr gerne. Ich hatte bis jetzt eine super Zeit, auch eine lehrreiche. Aber ich habe einfach gemerkt, dass mir gewisse Kompetenzen fehlen, die matchentscheidend sind.

Welche?

Es war für mich schwierig, die langwierigen politischen Prozesse zu verstehen und die nötige Geduld dafür aufzubringen.

Können Sie ein Beispiel geben?

Gibt man etwas zur Vorprüfung beim Kanton wie etwa einen Gestaltungsplan, bekommt man nach vielleicht drei Monaten oder später eine Rückmeldung. Dann wieder präsent zu sein und sich darauf einzulassen, war für mich extrem schwierig. Aus meinem Zweitberuf als Berufs- und Laufbahnberater kenne ich das nicht. Dort bin ich viel näher bei meinen Klienten.

Haben Sie das Problem unterschätzt?

Ich war mir dessen schlicht nicht bewusst und wurde überrascht.

Aber jetzt wissen Sie doch längst, wie der Hase läuft.

Ein Gemeindepräsident muss politisches Gespür haben und entsprechende Strategien beziehungsweise Visionen entwickeln können. Ich dachte immer, diese Fähigkeiten würden sich bei mir durch die Arbeit entwickeln, und ich müsse mir nur Zeit lassen. Aber es ist einfach nicht passiert. Ich trage die Anlagen nicht in mir. Entweder man hat sie, oder man hat sie nicht. Ich habe sie nicht. Und es wird sehr schwierig, wenn einem diese Schlüsselkompetenz fehlt. Auch wenn ich sonst vieles mitbringe, was in meiner Position nötig ist: Ich kann interdisziplinär arbeiten, bin kompromissbereit, ausgeglichen und belastbar.

Ihrem Amtskollegen in Kesswil macht die zunehmende Anspruchshaltung der Bevölkerung zu schaffen. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Der Uttwiler ist anspruchsvoll im positiven Sinn. Er ist interessiert am Dorfgeschehen.

Die Doppelbelastung mit zwei 50-Prozent-Jobs liess sich gut meistern?

Es ist und war nicht immer einfach. Beide sind sehr anspruchsvoll, was nicht ganz ohne ist und nicht unterschätzt werden darf. Die Synchronisation ist mir manchmal sehr gut gelungen und manchmal überhaupt nicht.

Ihr Start als Gemeindepräsident war alles andere als einfach: Die Pläne zum Bau eines neuen Mehrzweckgebäudes für 7 Millionen Franken haben das Dorf gespalten. Eine Mehrheit sagte schliesslich im März des letzten Jahres Nein zum Kredit. Wie stark hat Ihnen diese Niederlage den Ausflug in die Politik vermiest?

Gar nicht. Ich habe dabei von meiner Erfahrung als Berufs- und Laufbahnberater profitiert: Ich kann loslassen. Für mich persönlich war es keine Niederlage. Die Behörde hat ein gutes Projekt ausgearbeitet, über das der Souverän abstimmen konnte. Er hat Nein dazu gesagt, that’s it.

Die Vorlage trieb einen Keil in die Bevölkerung. Ist jetzt alles wieder gut?

Ich würde behaupten, die Sache ist so weit gegessen. Das Thema allerdings bleibt aktuell: Die Mehrzweckhalle ist in die Jahre gekommen. Wir müssen etwas machen.

Wie waren die Rückmeldungen auf Ihren Entscheid, für keine zweite Amtszeit zu kandidieren?

Ich habe im Gemeinderat sehr transparent informiert. Es war nicht so, dass ich hingestanden bin und gesagt habe: So, ich höre auf. Es war ein gemeinsamer Prozess. Ich habe gemerkt, mein Entscheid war für meine Kolleginnen und Kollegen nachvollziehbar und stimmig. Ich habe auch eine grosse Unterstützung gespürt. Aus der Bevölkerung gab es bis jetzt eine Rückmeldung. Eine Frau hat mir geschrieben. Sie bedauere den Schritt, es sei schade für Uttwil. Sie sei aber sicher, dass ich mir es gut überlegt habe.

Was haben Sie beruflich für Pläne?

Ich werde vermutlich mein Pensum als Berufs- und Laufbahnberater wieder erhöhen. Ich bin zuversichtlich, dass sich eine Lösung ergibt. Ich bin jetzt 50 und seit meinem 16. Altersjahr im Erwerbsleben. Es könnte auch sein, dass ich mir einmal ein paar Wochen oder Monate gönne, nichts zu tun.

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