UTTWIL: Ein historischer Abend

Der Gemeinderat muss nochmals von vorne beginnen. Die Stimmbürger haben am Montag Nein gesagt zum Bau eines neuen Mehrzweckgebäudes für 7 Millionen Franken. Die Aufgabe wird nicht einfach sein.

Markus Schoch
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Die Mehrzweckhalle war am Montagabend so voll wie noch nie an einer Gemeindeversammlung. (Bild: Markus Schoch)

Die Mehrzweckhalle war am Montagabend so voll wie noch nie an einer Gemeindeversammlung. (Bild: Markus Schoch)

Es war ein einmaliger Abend für die Uttwiler. Die Besucher der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom Montag mussten Schlange stehen, um in die Mehrzweckhalle zu gelangen. Selbst Alteingesessene mochten sich nicht an etwas Vergleichbares erinnern. Drinnen hatte es nicht einmal genug Stühle für die 373 Stimmbürger.

Dass es der Gemeinderat mit seiner Vorlage schwer haben würde, war schnell klar. Praktisch nur Kritiker meldeten sich in der Diskussion zu Wort, und sie erhielten meist sogar Applaus. Es war zwar praktisch niemand grundsätzlich gegen einen Ersatzbau. «Er wolle nur das Beste für Uttwil», betonte ein Mann.
Mit dem aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangene Siegerprojekt taten sich aber fast alle auf die eine oder andere Art schwer. Das Resultat der geheimen Abstimmung nach über zweistündiger Debatte war denn auch keine grosse Überraschung mehr: Mit 207 Nein- gegen 163 Ja-Stimmen lehnten die Uttwiler den Planungs- und Baukredit in der Höhe von 7 Millionen Franken ab.

Vorwurf Nummer 1: Der Standort zwischen Primarschulhaus und Kantonsstrasse auf der Parzelle der bestehenden Mehrzweckhalle ist falsch. Viel besser wäre ein Bauplatz weiter südlich, meinten diverse Redner.
Vize-Gemeindepräsident Josef Arnold hielt ihnen entgegen, das fragliche Grundstück stehe gar nicht zur Verfügung, weil der Kanton heute und morgen nicht Hand für eine Umzonung bieten werde.

Er habe Uttwil sogar die Reservebaugebiete genommen. In den nächsten 20 bis 25 Jahren laufe deshalb sicher nichts. «Und so lange hält unsere alte Halle nicht.» Die Kritiker liessen den Einwand nicht gelten. Mit «etwas gutem Willen» werde sich in Frauenfeld schon etwas machen lassen, meinte einer. Obwohl Arnold zuvor betont hatte, sie hätten «bereits sehr hart verhandelt».

Projekt ist eine Mogelpackung
Vorwurf Nummer 2: Das Projekt ist eine Mogelpackung und geht an den Bedürfnissen der Vereine vorbei. Die Behörde spreche von einem Mehrzweckgebäude, doch als Turnhalle lasse es sich nicht nutzen, was ein unverzeihlicher Fehler sei, hiess es. Es nützte nichts, dass Gemeindepräsident Stephan Good darauf hinwies, sie hätten das Raumprogramm nach den Wünschen der Vereine entwickelt und aufgrund entsprechender Rückmeldungen auch angepasst. Und es nützte auch nichts, dass Turnvereinspräsident Thomas Krois diese Aussage bestätigte und sich wunderte, dass sich Dritte unnötigerweise um sie Sorgen machen würden.
«Das vorliegende Projekt erfüllt unsere Bedürfnisse», erklärte er unmissverständlich. Eine zweite Vereinsvertreterin gab ihm Schützenhilfe. «Für uns ist es ok.»

Vorwurf Nummer 3: Das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt nicht. Es sei falsch, dass die heutige Halle 80- bis 100-mal pro Jahr belegt sei. Er habe gerade einmal 16 Anlässe im Veranstaltungskalender gezählt, meinte ein Mann. Jeden einzelnen Probetag des Theatervereins zu addieren, sei Augenwischerei.

Vorwurf Nummer 4: Das Projekt ist ein Schnellschuss, ausgelöst durch die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Volg, dessen Existenz am Dorfplatz vor ein paar Jahren in Frage stand. In einer ersten Variante sah das Mehrzweckgebäude deshalb Ladenflächen vor, die es zuletzt nicht mehr gab.

Denn der Volg hat mittlerweile eine Lösung am bestehenden Ort gefunden. Die Ausgangslage sei damit eine grundlegend andere, hiess es an der Versammlung. «Wir dürfen deshalb getrost zurück auf Feld 1», meinte einer. «Wir können uns Zeit lassen.»

Und wäre das alles nicht schon genug, gab es auch noch Kritik an der Architektur: Der Saal mit seiner Zackendecke mute alles andere als gemütlich an, meinte ein Besucher.

Sanierung zu teuer

Die bestehende Mehrzweckhalle ist bald 90 Jahre alt. Eine Sanierung wäre mit Kosten von rund 4 Millionen Franken nach Meinung des Gemeinderates unverhältnismässig teuer. Er fasste deshalb einen Neubau ins Auge. Die Stimmbürger gaben dafür im November einen Projektierungskredit von 160'000 Franken frei. (mso)