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UTTWIL: Die Lage am See ist Gold wert

Immobilienexperte Werner Fleischmann gibt dem geplanten Luxusresort gute Chancen. SP-Präsidentin Nina Schläfli sieht in der bewachten Überbauung vor allem ein «Luxusghetto».
Markus Schoch
Kein Zutritt: Das ehemalige Firmengelände ist bereits heute gesichert und überwacht. (Bild: Reto Martin)

Kein Zutritt: Das ehemalige Firmengelände ist bereits heute gesichert und überwacht. (Bild: Reto Martin)

Werner Fleischmann von der gleichnamigen Immobilienfirma mit Sitz in Weinfelden hält es für gut möglich, dass die Rechnung der Investoren aufgeht. «Es könnte funktionieren.» Auch wenn sich der Immobilienmarkt zuletzt abgekühlt habe. Die unverbaute Lage direkt am See sei sehr gut. «Es gibt nicht mehr wahnsinnig viele solcher Grundstücke.» Dieser Standortvorteil sei Gold wert: Selbst die Überbauung auf dem Feldbach-Areal im Baurecht in Steckborn beim Hafen sei schliesslich zum Erfolg geworden, was er nie für möglich gehalten habe, sagt Fleischmann. Gleichzeitig müsse aber auch «das Produkt stimmen». Das heisst im konkreten Fall: Die Wohnungen beziehungsweise die Umgebung sollten höchsten Ansprüchen genügen. Es gebe durchaus eine Klientel, die den Preis zahlen könne. Die Frage ist allerdings, ob sie sich im beschaulichen Uttwil niederlassen will. Die Gemeinde sei zwar nicht der Nabel der Welt, sagt Fleischmann. Doch in einer Stunde sei man am Flughafen Zürich, was nicht wirklich lange sei. Wer sich in einer Grossstadt bewege, brauche schnell so viel Zeit, um vom einen Ende zum anderen zu gelangen.

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In Uttwil entsteht eine Luxusresidenz


SP-Präsidentin Nina Schläfli sieht im geplanten Luxusresort vor allem ein Luxusghetto. «Die soziale Durchmischung fehlt völlig, was ich schlecht finde.» Es wäre auch anders gegangen, ist sie überzeugt. Die Gemeinde hätte bei der Ausarbeitung des Gestaltungsplans beispielsweise verlangen können, dass auf dem Gelände auch günstiger Wohnraum geschaffen wird. Bei grösseren Überbauungen in Kreuzlingen habe die Stadt solche Forderungen gegenüber Investoren durchgesetzt. Damit hätte Uttwil nicht einmal unbedingt grosse finanzielle Abstriche bei den zu erwartenden Steuereinnahmen in Kauf nehmen müssen. Denn denkbar sei, dass ein Teil der künftigen Bewohner des Luxusresorts pauschal besteuert sei. Die hohen Sicherheitsvorkehrungen kann Schläfli nicht nachvollziehen. Für sie sei aber klar: &laquo;Sicherheit darf nicht zum Luxusprodukt werden.&raquo;<br />

Der Kanton ist nicht zuständig

Der Kanton habe keinen Einfluss auf das Projekt, betont Andrea Näf-Clasen, die Leiterin des Amtes für Raumentwicklung. Das Seeufer sei weiter öffentlich zugänglich. Und Fragen der Verwaltung einer Liegenschaft gingen sie nichts an. Zuständig sei die Gemeinde, die den Gestaltungsplan mit Sonderbauvorschriften erarbeitet beziehungsweise das Baugesuch bewilligt habe. «Der Ball liegt klar bei ihr.» Sie selber sei überrascht gewesen, als sie von den Plänen erfahren habe, sagt Näf-Clasen. Das Vorhaben sei insgesamt sicher eher untypisch für den Thurgau. Von einem Hund bewachte beziehungsweise durch einen Zaun geschützte Häuser gebe es allerdings einige im Thurgau. Und nicht nur Schlösser.

SVP-Ständerat Roland Eberle ist Mitglied der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie der kleinen Kammer. Er selber schätze die Sicherheitslage in der Schweiz zwar nicht so ein, dass es bewachte Resorts braucht. Wenn es aber eine Nachfrage danach gebe und raumplanerisch nichts dagegen spreche, wovon er ausgehe, habe er nichts einzuwenden. Man dürfe nicht vergessen, dass es auch in unserem Land «exponierte Persönlichkeiten gibt, die sich privat sehr diskret bewegen, um sich nicht in Gefahr zu bringen», sagt Eberle. Gesellschaftspolitisch seien solche Gated Communities «kein Thema für mich, das man angehen sollte.» Zumal Uttwil kein Einzelfall sein dürfte, vermutet Eberle. Wahrscheinlich gebe es beispielsweise im Engadin ähnlich gut geschützte Überbauungen. Im konkreten Fall löse das Projekt sogar ein Problem: Die Umnutzung eines leerstehenden Bürogebäudes.

Auch in der Nachbarschaft nimmt man die neueste Entwicklung gelassen. Auf der einen Seite gegen Kesswil hat es - hinter Bäumen und getrennt durch einen Bach - vor allem Ferienhäuser. Eines davon gehört Gerda Muschal aus Romanshorn. Die Luxusresidenz werde sie nicht stören. «Ich bin aber gespannt, wie es läuft.» Ähnlich schätzt man die Situation bei der Stadt Amriswil ein, die mit dem eigenen Campingplatz direkter Anstösser auf der anderen Seite des künftigen «Port du Navire» ist. «Ich gehe davon aus, dass wir keine Berühungspunkte haben und sehe keine Probleme», sagt Stadtrat Stefan Koster. Auf dem Campingplatz mit seinen 55 Plätzen werde kein Lärm geduldet.

Im Widerspruch zur Raumplanung

Auch der Bundesrat hat sich schon mit Gated Communities beschäftigt. Die Grüne Waadtländer Nationalrätin Adèle Thorens Goumaz wollte ihn 2009 beauftragen, das Phänomen beziehungsweise die Sonderwohnzonen in der Schweiz zu untersuchen und die wirtschaftlichen, politischen, sozialen und ökologischen Herausforderungen zu analysieren. Die Landesregierung sah aber keinen Handlungsbedarf. Gated communities nach amerikanischem Vorbild gebe es in der Schweiz keine. «Sie stellen ein Extrembeispiel einer direkten Segregation dar: Als umzäunte und bewachte Anlagen sind sie für die Allgemeinheit nicht zugänglich. Damit widersprechen sie den raumplanerischen Grundsätzen, wonach öffentliche Räume allgemein zugänglich sein sollen.» Er unterstütze deshalb das Anliegen, Gated Communities zu verhindern, schrieb der Bundesrat in seiner Antwort.

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