UTTWIL: Die Ärzte beissen an

Die knappe medizinische Grundversorgung auf dem Land ist ein Problem. Die Seegemeinde lockt jetzt Ärzte mit einem attraktiven Angebot. Die Aussichten stehen gut, dass Uttwil damit Erfolg hat.

Maria Keller
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In den Räumlichkeiten der Post soll bis Ende 2018 eine Gemeinschaftspraxis entstehen. (Bild: Donato Caspari)

In den Räumlichkeiten der Post soll bis Ende 2018 eine Gemeinschaftspraxis entstehen. (Bild: Donato Caspari)

Maria Keller

maria.keller@thurgauerzeitung.ch

Sterben die Hausärzte aus? Wenn es um die medizinische Versorgung auf dem Land geht, steht es im Thurgau nicht besonders gut. Und die Aussichten sind schlecht. Uttwil hat das Zepter jetzt selber in die Hand genommen.

Nach der Schliessung der Poststelle Ende März 2016 soll am gleichen Ort im Erdgeschoss des Gemeindehauses eine Arztpraxis entstehen. Die Gemeinde würde den Umbau finanzieren und die Räumlichkeiten inklusive Infrastruktur zur Verfügung stellen. Die Stimmbürger gaben der Idee im Juni ihren Segen, indem sie einen entsprechenden Kredit in der Höhe von 650000 Franken freigaben. Dank der erfreulichen finanziellen Situation der Gemeinde könne sie sich eine solche Investition in die Zukunft des Dorfes leisten, argumentierte der Gemeinderat.
 

Fünf Interessenten haben sich gemeldet

«Es wurde uns gesagt, dass es schwierig sein könnte, jemanden zu finden», sagt Gemeindepräsident Stephan Good. Doch das Bedürfnis nach einer Arztpraxis im Dorf sei da, auch deshalb, weil in den nächsten Jahren mit einem weiteren Bevölkerungswachstum in der Gemeinde zu rechnen ist, heisst es in der Botschaft. Zudem hatten mit einer ähnlichen Strategie bereits Ermatingen und Salenstein Erfolg. In Siegershausen geht es in die gleiche Richtung. Auch in Uttwil stehen die Chancen gut, dass der Plan aufgehen könnte. «Ich bin überrascht, dass sich rund eine Handvoll Interessenten auf unser Inserat gemeldet haben», sagt Good. «Das ist eine gute Ausbeute.» Mit den interessierten Ärzten sei man nun in Kontakt und führe Gespräche.

Das Ganze sei aber noch nicht spruchreif. Der Mietvertrag der Post läuft bis Ende April 2018. Der Umbau wird erst an die Hand genommen, wenn ein unterzeichneter Vertrag vorliegt. Sollte alles rund laufen, könne die Gemeinschaftspraxis Ende 2018 eröffnet werden, stellt Good in Aussicht.

Hintergrund der Initiative: In den Dörfern gibt es immer weniger Grundversorger. Schon heute besteht ein Mangel an jungen Hausärzten, und viele der aktuell praktizierenden Hausärzte werden in den nächsten Jahren pensioniert. Generell werden in der Schweiz zu wenig Ärzte ausgebildet. Und die wenigsten zieht es nach der langen Ausbildung aufs Land. In dieser Situation seien eine verbesserte Zusammenarbeit und neue Modelle nötig. Dies fordern der Schweizerische Gemeindeverband, der Schweizerische Städteverband, der Apothekerverband pharmaSuisse, Spitex Schweiz, der Heimverband Curaviva Schweiz sowie mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz in einer gemeinsamen Resolution. Am 16. Oktober haben sie ihre Forderungen am «Forum medizinische Grundversorgung» eingebracht.