Unterirdischer Pilz befällt Mammutbäume

Kreuzlingen Am Tag des Denkmals durchs Arboretum: Rund 50 Besucher erfuhren am Sonntag an einer Spezialführung, was es mit den 200 Bäumen im Seeburgpark auf sich hat.

Margrith Pfister-Kübler
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Mit dem Slogan «Eintauchen – Erleben – Entdecken – Geniessen» lud die Kreuzlinger Stadtbehörde am Tag des Denkmals in den Seeburgpark. Zur Auswahl stand zum Beispiel eine Führung durchs Schloss Seeburg oder durch den Kräutergarten, Landschaftspflege mit Hochlandrindern und Wollschweinen, der Rebberg Hörnliberg und das Arboretum – der historische Baumgarten im Seeburgpark. Hier steht Landschaftsarchitekt Martin Klauser und traut seinen Augen kaum, als er die rund 50 Interessierten sieht: «Mit so vielen Leuten habe ich nicht gerechnet. Das freut mich richtig.»

Alle Bäume im Plan eingezeichnet

Klauser zeigt einen Plan, der die Standorte der rund 200 Exemplare von 60 verschiedenen Baumarten im Park zeigt. Er lässt die Geschichte vom Schloss Seeburg Revue passieren. Denn die Parkgestaltung ist nicht Ausdruck irgendwelcher Launen. 1894 wurde der Landschaftsgarten erweitert. Die Winterthurer Welthandel-Familie Gebrüder Volkart habe 1928, so Klauser, die Parkgestaltung übernommen. Klauser dokumentierte mit Bildern die Entwicklung bis heute: Im Westen Landschaftsgarten, Nutzgarten im Süden bei der Villa Hörnliberg. Er verbindet jede Baumart mit Information und führt die Besucher zu den Mammutbäumen. Die grössten Bäume der Welt können über 100 Meter hoch werden und galten als unsterblich. «Doch jetzt hat ein unterirdischer Pilz sie befallen», berichtet Klauser. Mit den Besuchern geht er in eine Thujenbaumgruppe hinein und verblüfft mit seiner Aussage: «Ein solcher Baum kann das Volumen von drei bis vier Einfamilienhäusern erreichen.»

Landschaftsarchitekt fordert Baumbewusstsein

«Wahnsinnig», wird geflüstert. Klauser ermuntert die Besucher, sich in die historischen Landschaftsbilder hineinzuversetzen und fördert Baumbewusstsein und das Gefühl für Zeithorizonte. Lob gab's für die Seeburgparkpfleger. «Hat sich gelohnt», «wunderbar», kommentierten die Teilnehmer. Eine Führung sei halt wertvoller als ein Täfeliwald mit Informationen.