«Unterführung ist nichts fürs Fussvolk und die Velofahrenden»

Gemeinsam haben SP und Freie Gruppe das Budget 2009 vorgestellt. So klar das Zahlenwerk von der Versammlung abgesegnet wurde, so eindeutig war die Ablehnung der Unterführung Bahnhofstrasse und der Spange Hölzli.

Alois Degenhardt
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Gemeinsam nahmen sich die Stadträte Barbara Bieger und Urs Schach eine gute Stunde Zeit, um ausführlich das mit einem kleinen, strategischen Rückschlag operierende Budget 2009 der Stadt Amriswil vorzustellen. Mit Genugtuung – und fast ein wenig verwundert – vermerkte Barbara Bieger, dass der Stadtrat ein weit offenes Ohr für Investitionen in alternative Energieprojekte zeige. Als Beispiele erwähnte sie eine in der Landi geplante Biogasanlage und die vorgesehene Vergrösserung der Holzschnitzel-Heizzentrale an der Egelmoosstrasse.

Verständnis zeigten beide Referenten für den Verzicht auf eine weitere Steuerfusssenkung, nachdem die vom Kanton favorisierte Flat Rate Tax für Amriswil Mindereinnahmen von etwa 10 Prozent prognostiziert.

Verständnis für Umfahrung

Nach einem Rückblick von SP-Präsident Daniel Hebeisen auf die zurückliegenden Schulwahlen widmete sich die Versammlung der Botschaft des Stadtrates zur Unterführung Bahnhofstrasse und zum Bau der Spange Hölzli. Bekanntlich wird der Kanton als Bauherr erst dann die konkrete Planung aufnehmen, wenn Amriswil am 30. November den voraussichtlichen Kostenanteil von 5 Millionen Franken an der Urne bewilligt hat.

Sowohl SP als auch Freie Gruppe hatten bereits in der Vergangenheit Stellung gegen die Abstimmung über beide Vorlagen auf nur einem Stimmzettel genommen. Im Namen der SP deutete Präsident Daniel Hebeisen Verständnis für den Bau der Spange Hölzli an. Beide Projekte gemeinsam wolle seine Partei aber nicht zur Annahme empfehlen. Radikaler äussert sich die Freie Gruppe in dieser Frage: Der minime Schwerverkehr von unter zwei Prozent rechtfertige nicht die Zerstörung von Kulturland für eine neue Strasse.

Unterführungen veraltet

Den Bau der Unterführung bezeichneten beide als erheblichen Einschnitt ins Ortsbild. Die Betonschlucht wirke eher trennend als zusammenführend zwischen Zentrum und Unterdorf. Es sei eine Zumutung, die Rampe mit einer Steigung von sechs Prozent im Rollstuhl oder mit Kind im Veloanhänger zu befahren. Der Bau von Unterführungen sei städtebaulich bereits veraltet und werde wenn möglich vermieden. Die Anbindung bringe kleine Vorteile für Autofahrer, die einige Minuten Zeit gewinnen, sei jedoch «nichts fürs Fussvolk und Velofahrende». Die Freie Gruppe fordert in diesem Zusammenhang «Entschleunigung» und nimmt gern einige Minuten Wartezeit vor der Schranke in Kauf. Mit nur einer Gegenstimme beschloss die Versammlung, das Kreditbegehren zur Ablehnung an der Urne zu empfehlen.

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