«Unter dem Deckel gehalten»

Investor Rolf Beerli präsentierte der Gemeinde Romanshorn seine Pläne fürs «Bodan»-Areal – mit neuem Gemeindesaal. Auf ein Echo wartet er bis heute vergebens. Jetzt macht er ein neues Angebot: Er erhält das Land und baut gratis den Saal.

Christa Kamm-Sager Daniel Walt
Drucken
Teilen

romanshorn. Die Gemeinde Romanshorn plant auf dem brachliegenden Güterschuppenareal seit September 2006 den Bau eines neuen Gemeindesaals. Nun macht der im Immobilienbereich tätige Rolf Beerli bekannt, dass er bereits Anfang Februar 2007 Vertretern der Gemeinde offiziell eine Neuüberbauung auf dem «Bodan»-Areal vorschlug – inklusive eines neuen Gemeindesaals.

Saal mit Seesicht

Die Pläne Rolf Beerlis für das «Bodan»-Areal sehen anstelle des in die Jahre gekommenen «Bodan» eine Neuüberbauung mit einer zwei- bis dreigeschossigen Tiefgarage vor. Die geplanten Nutzungen: Büroräume, welche laut Beerli sofern gewünscht der gesamten Gemeindeverwaltung Platz bieten; ein Turm mit Wohnungen und allenfalls Hotelzimmern; Räume für Bistros beziehungsweise Läden. «Dazu kommt die Möglichkeit, einen neuen Gemeindesaal mit Seesicht zu integrieren. Und zwar ziemlich genau dort, wo der Bodansaal jetzt steht, einfach etwas höher», sagt Beerli.

Seine Ideen präsentierte Rolf Beerli Anfang Februar 2007 drei Personen: dem damaligen Gemeindeammann Max Brunner, dessen bereits gewähltem Nachfolger Norbert Senn sowie Bauverwalter Reinhard Hofmann. Die Planungen der Gemeinde für einen neuen Saal liefen damals schon, allerdings auf dem Güterschuppenareal: Die Bevölkerung hatte der Gemeinde Ende September 2006 einen entsprechenden Auftrag an der Urne erteilt.

«Ich hatte der Gemeinde allerdings schon vor der Saalabstimmung telefonisch meine Pläne angekündigt», sagt Beerli. Am Treffen selbst stiessen seine Ideen für eine von seiner Firma Immo-Contor finanzierte Überbauung mit Saal auf dem «Bodan»-Areal auf kein positives Echo: «Ich spürte von der ersten Minute an Ablehnung. Dies, obwohl ich die Kreditzusage einer Bank über 28,5 Millionen Franken vorlegte – so viel kostete das Gesamtprojekt inklusive Saal nach damaligen Berechnungen.

» Ebenfalls legte er ein Schreiben der St. Galler Bauengineering AG vor, welches ihm Unterstützung zusagte.

«Nichts mehr gehört»

«Die Gemeindevertreter gaben sich unverbindlich und sagten, man werde das Projekt anschauen», blickt Rolf Beerli auf jene Sitzung zurück. Noch nicht diskutiert worden sei damals, ob die Gemeinde den von der Immo-Contor erstellten Saal später mieten oder im Stockwerkeigentum übernehmen würde. In der Folge habe er leider nie mehr etwas von der Gemeinde gehört, so Beerli.

Und dann äussert er einen Verdacht: «Ich habe berechtigten Grund zur Annahme, dass mein Bauvorhaben dem Gesamtgemeinderat gar nie vorgelegt wurde.» Auf die Frage, wie er zu diesem Vorhalt komme, antwortet er: «Mehrere Gemeinderäte, die von Kollegen von mir auf dieses Projekt angesprochen wurden, erklärten, davon noch nie gehört zu haben.» Aufgrund der Erfahrungen, welche er in den vergangenen drei Jahren machte, steht für Rolf Beerli fest: «Es wird mit aller Macht versucht, meine Pläne zu unterdrücken, sie wurden unter dem Deckel gehalten.

Dies, weil sich der Gemeindeammann auf das Güterschuppenareal als Standort für den neuen Gemeindesaal versteift hat.»

«Bevölkerung informieren»

Lange schwieg Rolf Beerli in der Öffentlichkeit. «Ich wollte die Gemeinde nie brüskieren und mich auch nicht in politische Abläufe oder den Abstimmungskampf einmischen», sagt er. Zudem war er lange Jahre Besitzer der Liegenschaft Hafenstrasse 48, einer Immobilie gegenüber dem Güterschuppenareal.

«Ich hätte unglaubwürdig gewirkt, wenn ich mich gegen den Saal dort stark gemacht hätte, weil mich mit meiner Liegenschaft ein persönliches Interesse verband.» Doch das hat sich geändert: Der Wohnblock ist seit dem 1. September vergangenen Jahres nicht mehr im Besitz seiner Firma. Für Beerli gibt es somit keinen Grund mehr, seine Pläne für sich zu behalten.

Deshalb und weil der 41-Jährige eine öffentliche Diskussion bewirken will, hat er nun den Kontakt mit dem Tagblatt gesucht. Der Romanshorner wünscht ausdrücklich, dass die Bevölkerung vom Bauprojekt seiner Firma für das «Bodan»-Areal erfährt. «Und es als Alternative zum möglichen 15-Millionen-Saalbau auf dem Güterschuppenareal diskutieren kann», wie Beerli sagt. Ihm sei es ein Anliegen, dass seine Pläne in den Meinungsbildungs-Prozess rund um den Saalbau einflössen.

«Die Bevölkerung muss informiert sein und selber darüber befinden können, wo sie den neuen Saal will», sagt Beerli.

Konkurs in den 90ern verhindert

Selfmade-Geschäftsmann Rolf Beerli ist sich bewusst, dass er mit seinem Werdegang vom Maschinenmechaniker zum Geschäftsführer im Immobilienbereich vielleicht zu wenig ernst genommen wird. «Es kann sein, dass mir nicht das nötige Vertrauen entgegengebracht wird», sagt er.

Und dann bekennt er von sich aus, er sei mit seiner Firma Mitte der 90er-Jahre einmal nahe am Konkurs vorbeigeschlittert. «Ein zu hoher Kaufpreis für eine Liegenschaft, ein hoher Renovationsbedarf und ein gewisser Leerbestand an Wohnungen haben dazu geführt.» Er habe aber aus eigener Kraft aus den Problemen herausgefunden und den Firmen- wie auch den Privatkonkurs verhindern können. «Niemand verlor wegen mir Geld – ich zahlte alles zurück», sagt Beerli.

Und verweist noch einmal auf die Bankgarantie, die er der Gemeinde für sein Vorhaben inklusive Saal auf dem «Bodan»-Areal vorgelegt habe.

«Gemeinde geht kein Risiko ein»

Als Beweis, dass es Rolf Beerli mit seinen Plänen ernst ist, unterbreitet er der Gemeinde nun ein öffentliches Tauschangebot – «das Schreiben habe ich am Mittwochmorgen abgeschickt.» Das Angebot sieht vor, dass die Gemeinde Beerlis Firma Immo-Contor das gesamte «Bodan»-Areal abtritt.

Anstelle der Zahlung eines Kaufpreises realisiert die Firma im Rahmen ihrer Grossüberbauung gratis den neuen Gemeindesaal auf dem «Bodan»-Areal – er ginge später im Stockwerkeigentum an die Gemeinde. Der Saal soll in Art und Umfang jene Kapazitäten und Flächen aufweisen wie jenes Projekt, welches die Gemeinde auf dem Güterschuppenareal verfolgt.

In seinem Angebot erwähnt Beerli unter anderem, so könne der Saal am historischen Ort neu gebaut werden, die verkehrstechnische Zugänglichkeit sei besser, das Parkplatzangebot mit rund 200 bis 300 Plätzen wesentlich grösser, und zudem gehe die Gemeinde kein finanzielles Risiko ein, da seine Immo-Contor alle Investitionskosten trage.

In der Überbauung entstehe auch genügend Bürofläche, dass wenn gewünscht die ganze Gemeindeverwaltung realisiert werden könnte – in Vermietung oder Stockwerkeigentum. Beerli ist überzeugt: Seine Pläne fürs «Bodan»-Areal bieten viel mehr Gewähr für eine Zentrumsbildung in Romanshorn als ein Saal am See. Er erwartet nun einen Termin, damit er seine Pläne dem Gemeinderat im Detail präsentieren kann. «Und jetzt sollen die Romanshorner in Kenntnis aller Fakten diskutieren», sagt er.

Aktuelle Nachrichten