Unsicherheit hat ein Ende

Die Kesswiler machten an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom Donnerstag sieben Hausbesitzer, die Feuerwehr und eine junge Familie glücklich.

Markus Schoch
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KESSWIL. Nach knapp zwei Stunden und teils hitzigen Diskussionen konnte Gemeindeammann Kurt Henauer aufatmen. Die 110 anwesenden Stimmbürger hatten drei klare Entscheide gefällt – wenn auch nicht immer im Sinne der Behörde. Henauer nahm es gelassen. «Ich bin zufrieden, wie es gelaufen ist.»

Im rechtsfreien Raum

Die Stimmbürger verschafften sieben Hausbesitzern im Quartier «Schlossgarten» Rechtssicherheit, die ihnen das Bundesgericht 2009 nahm. Die Lausanner Richter entschieden damals, dass Reservebauzonen wie diejenige im «Schlossgarten» keine eigentlichen Bauzonen sind. Damit standen die Häuser dort plötzlich auf Landwirtschaftsland. Bauliche Änderungen an der Liegenschaft waren nicht mehr möglich. An einen Verkauf der Immobilien konnten die Besitzer gar nicht erst denken. Ursprünglich wollte der Gemeinderat das Land einzonen und leitete 2011 ein entsprechendes Verfahren ein. Er stoppte es aber nach Einsprachen mit Blick auf die geplante Totalrevision der Ortsplanung.

Den Hausbesitzern dauerte alles zu lange. Diesen Frühling verlangten sie von der Behörde mit einer Petition, die entsprechenden Schritte einzuleiten, damit ihr Land an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung im Herbst definitiv der Dorfzone zugewiesen werden kann.

Situation ist nicht einfach

Der Gemeinderat sprang über seinen Schatten und entsprach dem Gesuch, obwohl er das Gebiet eher in der Wohn- und Arbeitszone sah. Er legte die Zonenplanänderung im Sommer auf und lehnte die vier Einsprachen ab. «Die Situation ist nicht einfach für die Betroffenen», sagte Henauer am Donnerstag.

Den Gesinnungswandel des Gemeinderates verstanden nicht alle. Damit schaffe man ein Präjudiz für die weiteren Arbeiten an der Ortsplanung, meinte einer. Henauer teilte diese Ansicht nicht, und eine grosse Mehrheit der Stimmbürger war gleicher Meinung. Mit 82 Ja- gegen 17 Nein-Stimmen zonten sie das Gebiet «Schlossgarten» ein.

Familie kann bauen

Glücklich machten die Kesswiler auch eine junge Familie mit bald zwei Kindern. Sie sagten gegen den Widerstand eines Nachbarn fast einstimmig Ja zum Verkauf einer 631 Quadratmeter grossen Baulandparzelle an das Ehepaar zum Preis von 350 Franken pro Quadratmeter. Die neuen Besitzer sind verpflichtet, selber im Haus zu wohnen.