«Unser Modell ist einmalig»

ROMANSHORN. Morgen Donnerstag feiert der Eishockeyclub Pikes sein 50-Jahr-Jubiläum mit einem Spiel gegen den EC Wil. Teamleiter Richard Stäheli freut sich vor allem auf den neuen Song. Und ist so zuversichtlich wie nie zuvor.

Markus Schoch
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Richard Stäheli fiebert dem Jubiläumsspiel im Eissportzentrum Oberthurgau entgegen. (Bild: Andrea Stalder)

Richard Stäheli fiebert dem Jubiläumsspiel im Eissportzentrum Oberthurgau entgegen. (Bild: Andrea Stalder)

Herr Stäheli, die Pikes feiern das Jubiläum mit einem Spiel. Warum gibt es kein Fest?

Richard Stäheli: Vielen unserer Mitglieder fehlt der Bezug zur Geschichte des Vereins. Was in den ersten 30 Jahren passierte, ist für sie weit weg.

Die Pikes laden zu einem Match gegen den EC Wil ein. Warum hat man sich keinen attraktiven Top-club aus der höchsten Spielklasse als Gegner ausgesucht?

Stäheli: Das hat verschiedene Gründe. Zum einen stehen die Topclubs mitten in der Vorbereitung in die Saison, die demnächst beginnt. Für solche Spässe sind sie in dieser Phase nicht zu haben. Zum anderen verbindet uns mit dem EC Wil eine besondere Geschichte: Er war vor 50 Jahren der erste Gegner der Pikes. Insofern schliesst sich der Kreis.

Wie sieht das Rahmenprogramm des Jubiläumsspiels aus?

Stäheli: Vor dem Spiel übt der Pikes-Fanclub mit der Band Möckli Crew den neuen Pikes-Song «Rock the Ice», den Adrian Schori und seine Kollegen extra fürs Jubiläum geschrieben haben. Das ist der Hammer. Wir freuen uns sehr darüber. In den Drittelspausen stellen sich alle Mannschaften mit ihren Trainern dem Publikum vor. Unter anderem gibt es ein Penaltyschiessen. Nicht auf dem Eis stehen wird einzig das Fun-Team. Wir hoffen, dass die Halle voll wird. Und der Oberthurgau damit ein starkes Bekenntnis zur Region abgibt.

Sportlich ist es der ersten Mannschaft der Pikes zuletzt nicht besonders gut gelaufen.

Stäheli: Das ist so. In der letzten Saison waren wir schlecht wie nie, nachdem es im Jahr davor extrem gut gelaufen war. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Sicher nicht geholfen hat uns, dass viele Leistungsträger ausfielen. Das gleiche Problem haben wir jetzt wieder. Beim letzten Spiel gegen Thun fehlten acht Spieler, die eine tragende Rolle haben sollten. Aber andere Mannschaften haben das gleiche Problem. Ich hoffe einfach, wir können noch einmal eine gute Saison spielen.

Weil es Ihre letzte als Teamleiter ist?

Stäheli: Ja, genau.

Sie halten dem Verein seit 49 Jahren die Treue. Wie leicht ist Ihnen der Entscheid gefallen, aufzuhören?

Stäheli: Es hat mir schon etwas Bauchweh bereitet. Ich war selber als Spieler extrem und habe heute immer noch sehr hohe Ansprüche ans Team. Als Leiter bin ich ihm immer unglaublich nah. Die Spiele sind Pflicht für mich. Ich habe nur einmal gefehlt, als es wegen einer Operation nicht anders ging. Auf der Tribüne zu sitzen, kommt für mich nicht in Frage. Ich muss an der Bande dabei sein. Aber ich werde nicht jünger. Ich bin jetzt 62 Jahre alt und merke, dass der Abstand zu den Spielern immer grösser wird. Ich spüre aber auch eine gewisse Erleichterung. Ich bin bald nur noch am Schreiben. Der administrative Aufwand ist extrem gross geworden. Ich führe mittlerweile etwa 80 Dossiers von Spielern, was unglaublich viel zu tun gibt. Wir sind ein KMU-Betrieb geworden.

Ihr Nachfolger tritt in grosse Fussstapfen.

Stäheli: Ich bin sehr guter Dinge, dass die Ablösung gelingt. Ich war diesbezüglich noch nie so zuversichtlich. Es sind gute Leute an Bord. Ich werde den Verein schuldenfrei und ohne Altlasten verlassen. Er ist absolut gesund, und ich bin dem Vorstand dankbar, dass er immer super gearbeitet hat.

Nicht zuletzt dank Ihrer Hilfe.

Stäheli: Der Verein hat mich viel Geld gekostet. Die Rechnung des Clubs im Lot zu halten, ist ein schwieriger Prozess. Zum einen ist unser Einzugsgebiet wegen des Sees stark eingeschränkt, was ein riesiger Nachteil ist, der sich bei Zuschauern und Sponsoren bemerkbar macht. Gleichzeitig betreiben wir extrem teure Nachwuchsförderung im Bereich der Elite-Novizen, die so etwas wie die Topliga Europas sind. Wir sind 2001 bei der Eröffnung des Eissportzentrums Oberthurgau eingestiegen. Es braucht enorm viel. Das Elite-Novizen-Team reist für die Spiele nach Lausanne, Genf oder ins Tessin. Und ohne Profitrainer geht es auch nicht. Aber wir sind gut aufgestellt. Das Modell ist in der Amateurliga schweizweit einmalig. Und erfolgreich.

Inwiefern?

Stäheli: Spieler von uns behaupten sich nicht nur in der Schweiz in Spitzenclubs, sondern stehen auch in der NHL auf dem Eis. Es gibt keinen vergleichbaren Amateurverein, der auf diesem Niveau arbeitet. Das hat man jetzt auch beim HC Thurgau gemerkt, der sich dieses Jahr finanziell erstmals geringfügig bei uns beteiligt. Im letzten Jahr waren sieben Spieler bei Thurgau im Kader, die bei uns einen Teil der Ausbildung durchlaufen hatten. Ich bin sicher: Langfristig ist die Zusammenarbeit für beide Seiten ein interessanter und erfolgversprechender Ansatz.