Und jetzt die Füsse hoch

Zum Welttag des Buches veranstalten die «Buchstücke» einen Frühjahrsputz. Wie eine aufgewirbelte Staubwolke zieht sich das Thema durch die Lesungen.

Trudi Krieg
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Maria Leonardi liest. (Bild: Trudi Krieg)

Maria Leonardi liest. (Bild: Trudi Krieg)

AMRISWIL. «Bitte Schuhe putzen», steht beim Eingang zum Kulturforum neben einem Putzkasten. Kaum hatte man erste Schritte hinein gewagt, wird hinter einem hergewischt. Setzt man sich, heisst es von den guten Feen in Putzmontur «Füsse hoch», denn unter dem Stuhl müsse auch gewischt werden. Dann wird es ruhiger, weil Enriqueta Taboas sich zwischen Javelwasser, Mop und Putzlappen auf die Treppe setzt und eine Kolumne von Benz Friedli aus dem Putzkübel zieht. Es gibt viel zu lachen, mit anzuhören, wie sich der Hausmann der Nation im Hamsterrad des Haushalts abstrampelt. Fixleintücher schön «Ecken aufeinander» zusammenlegen geht gar nicht, weil diese keine Ecken haben.

Sauber musste die Wäsche schon im 18. Jahrhundert sein. Im Roman «Die profanen Stunden des Glücks» beschreibt Renate Feyl einen Waschtag, wie er nur zweimal pro Jahr im Haus von Sophie la Roche, der ersten Romanschriftstellerin stattfand. Dafür wurden vier Wäscher, zwei Glätterinnen und zwei Mägde engagiert.

Verdrängtes und Vergessenes

Um Familiengeschichten, die unter den Teppich gekehrt wurden, makabre Verdrängungen und Liebesgeschichten, die theatralisch blutig begannen, drehten sich weitere Kurzvorstellungen von Lesenswertem, das man wie die Vorlesenden zwischen dem Frühjahrsputz zur Entspannung geniessen kann. Das Thema Reinigung machte auch zwischen den Buchdeckeln nicht halt. Da war etwa Fred Firneis im Roman «Liebe unter Fischen» von René Freund. Unter der Modekrankheit Burn-out leidend, merkte er nicht, wie er im Chaos versank. Putzfrau oder Psychiater könnten reinigende Hilfe bringen, sofern er diese annimmt.

Fussball oder Putzfimmel

Bei der Wahl zwischen Fussballübertragung und Frühjahrsputz haben sich die Männer zu ersterem entschieden. Immerhin ein Mann ist gekommen: Donato Saragoni. Dass auf der umgebundenen Putzschürze der Aufdruck «Frauen an den Herd» prangte, verzeiht man ihm, denn auch er serviert in der Pause Käseküchlein, Wein und Spargelsuppe zum «Dureputze». Er fischt aus dem Putzkübel «Vier Arten, die Liebe zu vergessen» von Thommie Bayer und will den anwesenden Frauen mit einer Leseprobe weismachen, wie Männer so sind.

Der Humor bleibt hängen im Raum oder kommt bei der ganzen Putzerei erst so richtig zum Vorschein.

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