Umgestürzter Baum dient als Symbol

Der Wuppenauer Gemeindepräsident Martin Imboden ist nun gut 100 Tage im Amt. Im Interview spricht er über die ersten Herausforderungen seiner noch jungen Amtszeit und die Symbolträchtigkeit einer Tanne, die einem Unwetter zum Opfer gefallen ist.

Donat Beerli
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Martin Imboden im Festzelt an der 1.-August-Feier auf dem Nollen. (Bild: Mario Testa)

Martin Imboden im Festzelt an der 1.-August-Feier auf dem Nollen. (Bild: Mario Testa)

Herr Imboden, die 100tägige Schonfrist ist vorbei. Ihr Fazit?

Martin Imboden: Die Rolle und Arbeit als Gemeindepräsident fühlt sich in etwa so an, wie es mir in Gesprächen im Vorfeld zum Amtsantritt dargestellt wurde. Bei den laufenden Geschäften und der Situation in der politischen Gemeinde gab es keine Überraschungen. Dies ist sehr positiv und nicht unbedingt selbstverständlich.

Welche Herausforderungen möchten Sie in Ihrem Amt zuerst meistern?

Imboden: Die ersten drei Monate ging es darum, ins Tagesgeschäft des Gemeindelebens hineinzuwachsen und die bestehenden Projekte kennenzulernen, die mittel- und langfristig zur Gemeindeentwicklung beitragen. Die Strategie und das Leitbild der Gemeinde stehen und dazu gibt es momentan wenig Handlungsbedarf. Die nächsten drei Monate gilt es, Führungsinstrumente zu etablieren, die der Gemeindegrösse entsprechen. So können wir uns als Gemeinderat stetig auf das Wesentliche fokussieren.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem neuen Job?

Imboden: Es ist der sich vertiefende Bezug zu unseren Einwohnern und zum Dorf, der mir besonders Freude macht. Auch das Zusammenarbeiten im Gemeinderat und in der Verwaltung schätze ich sehr.

Welches Erlebnis ist das prägendste in Ihrer bisherigen Amtszeit?

Imboden: Das Unwetter Mitte Juni beziehungsweise die Art und Weise, wie die Bevölkerung, die Feuerwehr, die Behörde und der Kanton an diesem Tag und in den nachfolgenden Wochen damit umgegangen sind, war für mich sehr eindrücklich und eine äusserst positive Erfahrung. Weniger gut war eine erste Begegnung mit dem Kanton auf Stufe Departement. Ich weiss nun aber, dass diese untypisch war und keinesfalls verallgemeinert werden darf.

Sie waren vor Ihrem Amtsantritt selbst nicht im Gemeinderat vertreten. Inwiefern hat Ihnen dieser Umstand Mühe bereitet?

Imboden: Mit dem bereits beschriebenen Vorgehen habe ich diesem Umstand Rechnung getragen. Anderseits besteht ein reicher Fundus an Erfahrung und Wissen bei meinen Ratskollegen, in der Verwaltung und in Kommissionen, aber auch im Kanton, bei Planungsbüros und in der Bevölkerung. Es ist entscheidend, sich diesen zu erschliessen, auch wenn man dabei unterschiedliche Signale empfängt. Sicher habe ich auch schon den einen oder anderen Fehler begangen, weil ich mir bestimmter Hintergründe tatsächlich zu wenig bewusst war. Dann braucht es Einsicht und Mut, die eingeschlagene Richtung zu korrigieren. Selbstverständlich ergeben sich aber auch Vorteile aus diesem Umstand. Man darf sich zum Beispiel alles einmal erklären lassen und alle haben dafür Verständnis.

Wo steht die Tanne, die Sie zu Ihrem Wahlsieg bekommen haben?

Imboden: Die Tanne im Garten wurde Opfer des Unwetters im Juni. Die Krone knickte während der starken Windböen um und fiel auf das Garagendach. Gleichzeitig hatten wir im Dorf ein Dutzend Anrufe bei der Feuerwehr wegen Überflutungen – ich selbst war aber nicht betroffen. Die abgebrochene Tanne symbolisiert dadurch vielleicht den Umstand, dass die Behörde immer auch verbunden bleibt mit jenem Teil der Einwohner, der von irgendeiner Situation oder einem Entscheid im Dorf negativ betroffen ist.