Um den Sieg sägen

ZIHLSCHLACHT. Neun talentierte Schreinerlehrlinge kämpfen seit einigen Wochen um die Ehre, die Schweiz an den kommenden Berufsweltmeisterschaften vertreten zu dürfen. Sie traten am Samstag zur vierten und letzten Vorausscheidungsrunde an.

Christof Lampart
Drucken
Teilen
Publikumsmagnet «Power-Schreinern»: Selbst ausgewiesene Fachleute staunten nicht schlecht, wie schnell die Aufgaben gelöst wurden. (Bild: Christof Lampart)

Publikumsmagnet «Power-Schreinern»: Selbst ausgewiesene Fachleute staunten nicht schlecht, wie schnell die Aufgaben gelöst wurden. (Bild: Christof Lampart)

Es war etwas los im Zihlschlachter Unterdorf, in und um die Schreinerei Emil Kreis AG. Wer meinte, dass die jungen Burschen sozusagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit um Qualifikationspunkte werkeln würden, täuschte sich gewaltig. Draussen vor den Toren stand eine Festbeiz und drinnen in der Werkhalle, ja drinnen, ging gewaltig was ab.

Neun junge Männer aus der Deutsch- und Westschweiz – darunter auch die beiden Thurgauer Daniel Lenz, Wuppenau, und Ignaz Metzger, Hörhausen – hobelten, bohrten und sägten an ihren Werkstücken, als gäbe es kein Morgen mehr – und nicht nur dem Laienpublikum blieb aufgrund der gezeigten Leistungen der Mund offenstehen.

«So einen Lehrling…»

Gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der Zeit benötigte der Schnellste, um beim «Power-Schreinern» – die handwerklichen Athleten hatten 45 Minuten Zeit – das geforderte Stück ab Plan in gewünschter Qualität anzufertigen. «So einen Lehrling wünsche ich mir auch», seufzte ein Schreinermeister. Und sein Kollege, der den Ausspruch hörte, lächelte stolz: Sein Schützling lag zu diesem Zeitpunkt gut im Rennen.

Der Einsatz aller Beteiligten ist an diesem Tag dermassen enorm, dass selbst dem strengen Chefexperten Patrik Bregenzer nach Beendigung des Power-Schreinerns ein Lob entfährt: «Ihr wart alle brutal schnell und gut.» Ein Pauschallob, das zwar niemandem wirklich dabei hilft, seine Chancen auf den Tagessieg einzuschätzen, wohl aber genug Motivation und Kraft gibt, um noch die letzten zweieinhalb von insgesamt sieben Arbeitsstunden bei voller Konzentration durchzustehen.

Konzentration ist auch notwendig, wenn über 70 Personen als Zuschauer durch die Halle laufen und den Lehrlingen zuschauen, sich unterhalten, Komplimente verteilen, Witze machen.

Exakt und schnell zugleich

Da heisst es: Gehörschutz auf und fokussieren. Auch wenn mal etwas danebengeht, wird schweigend weitergemacht. Schliesslich könnte es ja sein, dass es den Kollegen nicht besser ergeht. Denn die Aufgabe ist schwierig. Es müssen drei Stücke nach Plan angefertigt werden.

Doch erst am Schluss erfahren alle, wie man es zusammensetzt. Dann also, wenn die Experten zur finalen Wertung antreten und Korrekturen nicht mehr möglich sind. Exakt und schnell arbeiten ist gefragt. Exakt, damit man möglichst gut benotet wird. Schnell, damit man eventuell noch etwas korrigieren kann, wenn es vielleicht doch nicht optimal gelaufen sein sollte. Doch die jungen Burschen stehen den Wettkampf durch, als gäbe es für sie nichts Schöneres. Das Arbeiten unter Zeitdruck schien ihnen nichts anzuhaben.

Tagessieger aus Herisau

Auch wenn es mit Peter Müller aus Herisau einen verdienten Tagessieger gab, welcher vor dem Final in St. Gallen auch die Gesamtrangliste vor seinen Appenzeller Kollegen Roman Grögli (Speicherschwendi) und Peter Enzler (Appenzell) anführt, so haben an diesem Tag zweifelsohne alle eine grosse Leistung erbracht und dem Beruf des Schreiners alle Ehre erwiesen.

Aktuelle Nachrichten