Überraschungen aus «1001 Nacht»

ARBON. Die Schlosshofkonzerte in Arbon bieten eine doppelte Premiere. Zum ersten Mal spielt Daniel Meller das Violinkonzert des gefeierten türkischen Komponisten Fazil Say. Erstmals tritt er dabei mit dem Sinfonischen Orchester Arbon auf.

Lukas Tonetto
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Solist Daniel Meller schätzt die Freiheit bei der Interpretation. (Bild: zVg)

Solist Daniel Meller schätzt die Freiheit bei der Interpretation. (Bild: zVg)

 Alle Augen werden auf den erst vierundzwanzigjährigen Daniel Meller gerichtet sein. Einer der talentiertesten Violinisten der Schweiz, ist er dennoch kein Wunderkind. Seine musikalische Laufbahn begann unspektakulär im Alter von neun Jahren, zu einer Zeit, in der spätere Solokünstler schon erste Konzerte geben.

Bande mit dem Dirigenten

Mit dem Sinfonischen Orchester Arbon führt er das Violinkonzert von Fazil Say auf.

Nicht ganz zufällig, denn Daniel Meller spielt mit dem aus Laien und Berufsmusikern zusammengesetzten Orchester unter der Leitung von Leo Gschwend. Den Dirigenten kennt er vom St. Galler Sinfonieorchester, bei dem er zweiter Konzertmeister ad interim war. Diese Zeit beim Orchester beschreibt er als wichtigen Teil seiner Ausbildung, die in seiner Heimatstadt La Chaux-de-Fonds begonnen hatte. Über das Neuenburger Konservatorium führte sie ihn an die Zürcher Hochschule der Künste.

Vor wenigen Wochen hat er das Studium mit dem Konzertdiplom abgeschlossen. Eine seiner wichtigsten Lehrerinnen war Anna Chumachenco, bei der er Meisterkurse besuchte wie vor ihm die mittlerweile berühmten Geigerinnen Julia Fischer und Elisabeth Batiashvili.

Affinität zu Zeitgenössischem

Einen Berührungspunkt mit einer weiteren herausragenden Solistin unserer Tage ist das Konzert für Geige und Orchester von Fazil Say, das dieser für die Violinistin Patricia Kopatchinskaja geschrieben hat.

Das klanglich sehr feine Konzert, das ausgesprochen dominant auf die Geige ausgerichtet ist, spielt Daniel Meller zum ersten Mal. Während rund zweier Wochen hat er sich die Feinheiten in konzentrierter Arbeit angeeignet, bevor er dieser Tage das erste Mal mit dem Sinfonischen Orchester Arbon die Aufführung probt.

Daniel Meller betont die Besonderheit an diesem Violinkonzert: «Es sind weniger die technischen Finessen; anspruchsvoll sind vor allem die Möglichkeiten im Ausdruck, die man über den Ton erreichen muss.

Die Herausforderung liegt deshalb in der Aussage, die man machen will.» Das Konzert lässt im Gegensatz zu häufig gespielten Stücken grosse interpretatorische Freiheiten, die der Solist überaus schätzt. Überhaupt spiele er gerne zeitgemässe Musik, obwohl Fazil Says Konzert im strengen Sinn nicht als modern bezeichnet werden könne.

Und wie interpretiert man ein so selten gespieltes Konzert? Er denkt kurz nach: «Es klingt vielleicht seltsam, aber ich glaube, ich werde es für Patricia Kopatchinskaja spielen.» Bisher gibt es nur deren Interpretation. Somit wird das Konzert unter freiem Himmel mit Leo Gschwend in jeder Hinsicht zu einem überraschenden Novum.

Am 21. und 22. August

Am Wochenende vom 21. und 22. August finden die Konzerte im Schlosshof Arbon statt. Auf dem Programm stehen Werke aus mehreren Jahrhunderten, angefangen mit der Ouverture aus Mozarts Singspiel «Die Entführung aus dem Serail». Neben dem Violinkonzert von Fazil Say werden Borodins «Steppenskizze aus Mittelasien», Mussorgskys «Tanz der persischen Sklavinnen» und Rimski-Korsakows sinfonische Suite «Scheherazade» aufgeführt, bei der die Konzertmeisterin Rahel Zellweger den Part der Solovioline spielt.

Der Vorverkauf läuft über die Webseite (www.orchesterarbon. ch) oder im Info Center Arbon. Konzertbeginn ist um 20 Uhr, bei schlechter Witterung im Gemeindezentrum Steinach.

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