Überfluss und Dekadenz

Wenn man beim Bahnhof in der Gartenwirtschaft bei einem Bierchen oder sonst was verweilt und dem Verkehr zuschaut, erkennt man, wie sich die Welt weitergedreht hat. Luxus auf vier Rädern donnert hin und her.

De Wortmetz
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Wenn man beim Bahnhof in der Gartenwirtschaft bei einem Bierchen oder sonst was verweilt und dem Verkehr zuschaut, erkennt man, wie sich die Welt weitergedreht hat. Luxus auf vier Rädern donnert hin und her. Es ist erstaunlich, wie sehr der fahrbare Untersatz zum hochglanzpolierten Status mutiert ist. Überfluss, wo man hinschaut. Selbst die Bierkarte zeugt davon – Auswahl, scheinbar ohne Ende.

Das wohl Dekadenteste ist, dass im Supermarkt in PET-Flaschen abgefülltes Wasser für den treuen Vierbeiner gekauft werden kann. Da gibt es Ecken auf der Welt, wo Wasser Mangelware ist, und wir wissen nichts Besseres, als es für Hunde abzufüllen. Ebenso merkte man im Zuge der Europameisterschaft, wie sehr der Überfluss Oberhand erhält. Fanartikel, meist für den Abfall bestimmt, werden im Laden und sonstwo angeboten. Auch die Spiele sind Zeichen, wie sehr es doch willkommen ist, vom aktuellen Weltgeschehen abzulenken.

Auch der Blick in den eigenen Kleider- oder Schuhschrank zeigt uns, wie sehr wir dem Überfluss frönen. Ja, wo Reichtum Oberhand hat, ist im Gegensatz zur Armut keine Nachhaltigkeit zu spüren. In diesem Sinne denkt daran, Frieden schafft Reichtum, Reichtum schafft Übermut, Übermut schafft Krieg, Krieg schafft Armut, Armut schafft Demut, Demut schafft Frieden.

wortmetz@gmx.ch