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ÜBERANGEBOT: Die Wohnungen stehen leer

Die Nachfrage nach Wohneigentum ist weiterhin gross. Ganz anders sieht es dagegen bei Mietobjekten aus. In Amriswil und Bischofszell ist die Lage besonders kritisch.
Tobias Bolli
Ein Wald von Bauvisieren steht im Bischofszeller Bruggmühle-Areal, wo Dutzende neuer Wohnungen entstehen. (Bild: Andrea Stalder)

Ein Wald von Bauvisieren steht im Bischofszeller Bruggmühle-Areal, wo Dutzende neuer Wohnungen entstehen. (Bild: Andrea Stalder)

Tobias Bolli

tobias.bolli@thurgauerzeitung.ch

Es wird landauf, landab gebaut. Gerade auch in der Stadt Amriswil: «In den letzten Jahren entstanden Hunderte neue Wohnungen», sagt Bausekretär Michael Herzog. Altbauten gerieten so zunehmend unter Druck. «Wenn Sie für einige zusätzliche hundert Franken stattdessen in einen Neubau ziehen können, tun Sie das wahrscheinlich auch.»

Der Beginn des Baubooms in Amriswil liegt laut Herzog etwa zehn Jahre zurück, vor allem Mehrfamilienhäuser seien dann gebaut worden. «Ich bin optimistisch und gehe davon aus, dass die Quote in den kommenden drei bis vier Jahren wieder auf ein marktverträgliches Niveau absinken wird», prognostiziert Herzog. Das sei auch wünschenswert. «Eine Nachbarschaft, die nicht belebt ist, macht einen tristen Eindruck.»

Die Gemeinde selbst habe keine Handhabe und könne auf eine Trendwende nur hoffen. «Wenn einer bauen will, dann baut er», sagt Herzog. «Zu einer Marktbereinigung würden nur die Erhöhung der Hypothekarzinsen oder andere valable An- lagemöglichkeiten führen.» Fürs Erste geht das Bauen weiter. Allein beim Mühlebachweg entstehen derzeit rund 80 neue Wohnungen. «Und es liegen noch andere Gestaltungspläne auf dem Tisch», sagt Herzog.

Werner Fleischmann, Inhaber von Fleischmann Immobilien, hat eine Studie der «Handelszeitung» genauer unter die Lupe genommen und die Thurgauer Gemeinden punkto Leerwohnungsbestand miteinander verglichen. Von den zehn untersuchten Gemeinden wies Amriswil mit 3 Prozent den zweithöchsten Wert aus. Es liegt damit nur noch hinter Romanshorn mit fast 4 Prozent. Werden bei der Beurteilung die publizierten Baubewilligungen mitberücksichtigt, steht Amriswil gar an der Spitze.

Ein Warnschuss für Investoren

Die Stadt Bischofszell hat mit 2,7 Prozent ebenfalls einen überdurchschnittlich hohen Leerwohnungsbestand. Der Wert ist markant höher als noch im Vorjahr. Stadtpräsident Thomas Weingart führt das darauf zurück, dass zunächst vor allem entlang der Schnellzuglinie und der Autobahn gebaut worden sei. «Der Wellenschlag hat in Bischofszell auf sich warten lassen», meint Weingart. «Nun aber werden wieder viele neue Wohnungen gebaut. Eine ähnlich hohe Bau- tätigkeit verzeichneten wir zuletzt vor 15 Jahren.»

Die aktuelle Lage sei ein Warnschuss für Investoren, die mit Vorteil etwas zurückhaltender agieren sollten, sagt Weingart. «Wir können nur insofern Einfluss nehmen, als wir unser Land nicht auf den übersättigten Markt werfen.» Die Idee sei vielmehr, dass man sich punkto Landverkauf antizyklisch ver- halte, es also dann veräussere, wenn deutlich weniger Investitionen getätigt werden.

Der Thurgau ist traditionell nicht bekannt dafür, Wohnungen konsequent auszulasten. Lediglich in sieben anderen Kantonen ist ein noch grösserer Leerwohnungs-bestand zu verzeichnen. Während zurzeit in der Schweiz rund 1,5 Prozent aller Wohnungen nicht genutzt werden, sind es gemäss einer Studie der «Handelszeitung» im Kanton Thurgau 2 Prozent. Zwar sei die Nachfrage nach Wohneigentum weiterhin hoch, an Mietwohnungen bestehe aber ein deutliches Überangebot.

Laut Fleischmann ist damit zu rechnen, dass der Leerwohnungsbestand im Thurgau weiter zunehmen wird. Dafür seien neben einer zu hoch veranschlagten Zuwanderung unter anderem Pensionskassen und Immobilienfirmen verantwortlich. Sie sehen den Bau von Liegenschaften als attraktive Investitionsmöglichkeit. Andere Investitionen – wie etwa Staatsanleihen – versprechen derzeit deutlich tiefere Renditen. «Setzt sich allerdings der Bauboom im Thurgau fort, bedeutet das ein grosses Risiko», warnt Fleischmann.

Zwar hat ein Überangebot zunächst einen Rückgang der Mietzinsen zur Folge – schon jetzt profitieren Mieterinnen und Mieter von Gratismonaten und anderen Lockvogelangeboten. Doch müsse eine stetig sich aufblähende Blase einmal platzen. «Es gilt, diese Entwicklung gesamtwirtschaftlich und aus der Vogel- perspektive zu betrachten», gibt Fleischmann zu bedenken. Sollten die Mietzinse ins Bodenlose fallen, müsste sich das auch auf die Pensionskassengelder niederschlagen. Verlieren würden letzten Endes fast alle.

Hoffnung auf steigende Hypothekarzinsen

«Gefragt ist nun in erster Linie der Anleger. Ihm sollte auffallen, dass sein Geld nicht zielgerecht investiert wird», sagt Fleischmann. Die Gemeinde könne lediglich darauf hinweisen, dass es gerade nicht opportun ist, neue Bauvorhaben zu starten. Da von der Bewilligung bis zum Bauschluss eine lange Zeit vergehen kann – im Extremfall bis zu sechs Jahren – werden in naher Zukunft aber ohnehin noch neue Ge- bäude hinzukommen.

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