Über die eigentliche und uneigentliche Existenz

AMRISWIL. Würde man das Werk von Anton M. Fischer über den Philosophen Martin Heidegger im Fernsehen vorstellen, man hätte der Sendung wohl eine Zeit nach 23 Uhr eingeräumt. Die Veranstalter, die Fachgruppe Wissenschaft des Internationalen Bodensee-Clubs und rebell.

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Im Gespräch: Stefan M. Seydel (links) unterhält sich mit Buchautor Anton M. Fischer. (Bild: Hugo Berger)

Im Gespräch: Stefan M. Seydel (links) unterhält sich mit Buchautor Anton M. Fischer. (Bild: Hugo Berger)

Würde man das Werk von Anton M. Fischer über den Philosophen Martin Heidegger im Fernsehen vorstellen, man hätte der Sendung wohl eine Zeit nach 23 Uhr eingeräumt. Die Veranstalter, die Fachgruppe Wissenschaft des Internationalen Bodensee-Clubs und rebell.tv, haben die Veranstaltung auf 10 Uhr angesetzt. Fünf Minuten vor dieser Zeit betrete ich das Café Hollenstein. Dort sitzen etliche Leute schwatzend an den Tischen, die Einkaufstüten neben sich auf den Boden gestellt. Der Sinn nach philosophischen Fragen steht jedoch nur wenigen.

Sie finden im Wintergarten bequem an zwei Tischen Platz.

Zurückbesinnen

Im Rahmen der Serie «erinnern – gedenken – erneuern» wolle man sich an «die Orte, wo viel Engagement war», zurückbesinnen, sie genauer anschauen und sehen, was davon übriggeblieben sei, erklärt Stefan Seidel. Dino Larese habe Martin Heidegger seinerzeit ins Weltdorf Amriswil geholt. Anton M.

Fischers Buch «Heidegger – der gottlose Priester» befasse sich eingehend mit diesem grossen, aber umstrittenen Philosophen. «Wenn Sie Fragen an den Autor haben, melden Sie sich einfach, aber bedenken Sie, der Anlass wird direkt ins Internet gestellt», informiert Seidel. Beim Anblick des Buches schiesst mir ein Gedanke durch den Kopf: «Wer tut sich das an?» Über 800 engbedruckte Seiten – dies sei die gekürzte Fassung, ist vom Autor zu erfahren.

Es folgt eine Ausführung über die philosophische Lehre Heideggers in seinem Werk «Sein und Zeit». Apropos Zeit: Mir fällt ein, dass ich zu wenig Geld in die Parkuhr geworfen habe und die Zeit in einer knappen Stunde abläuft. Während ich mich bemühe, die Begriffe «eigentliche und uneigentliche Existenz» einzuordnen, beginnt irgendwo im Haus ein Handwerker zu klopfen. Das Klopfen lenkt meine Gedanken vollends ab. Ich verliere den Faden. Aber dann bekomme ich eine neue Chance.

Seidel stellt eine konkrete Frage an den Psychologen und Philosophen: «Was können wir von Heidegger lernen?» Das interessiert mich. Wohl Heideggers nationalsozialistisches Engagement während des 2. Weltkrieges ansprechend, lautet die ernüchternde Bilanz: «Vielleicht dies, wie man es nicht machen sollte.» Und weiter: «Was nach 1927 von Heidegger gekommen ist, kann man vergessen.» Nun komme ich ins Grübeln.

Wozu denn das Buch? Und vor allem: Warum tut er sich das an, ein derart dickes Buch über Heidegger zu schreiben, wenn das Ergebnis doch so mager ist?

Den Widerspruch mögen

Diese Frage wird denn vom Interviewenden auch prompt gestellt. «Weil Du den Widerspruch magst», kommt die Lebenspartnerin den etwas weitschweifigen Erklärungsversuchen des Autors zu Hilfe. Ich komme gerade noch rechtzeitig zum Auto.

Was ist mir vom Anlass übriggeblieben? Eigentlich hätte ich in dieser Zeit den Rasen mähen oder den Keller aufräumen können, uneigentlich vielleicht doch nicht. Hugo Berger

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