Über das Glas schneller vernetzt

ARBON. Der Ausbau digitaler Medien, immer neue Anwendungen und wachsende Datenströme: Das erfordert über kurz oder lang einen Ausbau der leistungsfähigen Datenautobahn auch zu Privatkunden. Arbon Energie und EKT spannen zusammen und forcieren das Glasfaserkabel.

Max Eichenberger
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«Auch wenn die bestehenden Kupferkabel kapazitätsmässig noch ausreichen, so führt bei zunehmenden Datenmengen kein Weg am Glasfaserkabel vorbei», sagt Jürgen Knaak, Geschäftsführer von Arbon Energie AG. Die Bedürfnisse von Unternehmen sind schon gedeckt. Flächendeckend soll in Arbon das Glasfasernetz bis 2002/2025 sukzessive ausgebaut werden.

EKT jagt Licht ins Glas

Arbon Energie AG und das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau (EKT) sind beim Aufbau des Lichtwellenleiter-Netzes eine partnerschaftliche Zusammenarbeit eingegangen. Gemeinsam arbeitet man sich zum Standard der Zukunft hin. «Denn die ist nicht allzu weit weg», weiss EKT-Direktor Markus Schüpbach: «Schon in fünf Jahren sind 100 Megabits Standard.» Arbon wird die siebte Gemeinde dieses «Thurgauer Modells»: Dabei sind die Lokalversorger (104 Werke gibt es im ganzen Kanton), das EKT und die Service-Provider mit ihren Diensten, derzeit acht an der Zahl, die Player. «Die Kunst besteht darin, die vielen Netze mit den Providern zu verbinden», umreisst René Gaus, EKT-Bereichsleiter Telekom, das Projekt. Auf einer Plattform aktiv bündeln tut dies das EKT. Es jagt sozusagen das Licht in die Glasfaserstränge. Der Part von Arbon Energie AG ist der Aufbau des Netzes auf Stadtgebiet. Eine Lichtwellen-Ringleitung mit sternfömiger Ansteuerung der 60 Trafostationen bestehe schon, sagt Jürgen Knaak. Und von dort seien inzwischen 30 Kabelverteilschränke erschlossen – von rund 1000 in der ganzen Stadt.

Bis jetzt 60 Kilometer

Christian Keller zufolge, dem stellvertretenden AE-Geschäftsführer, war das Glasfaser-Zeitalter in Arbon vor zehn Jahren mit der Erschliessung des Gewerbegebietes beim A1-Zubringer Süd eingeläutet worden. «Vorher schon haben wir gemerkt, dass wir mehr Bandbreite brauchen, und haben die Lichtwellenleiter zu unseren eigenen Anlagen, wie das Seewasserwerk und grössere Trafostationen, ausgebaut», erinnert Knaak. Punktuell sind inzwischen weitere Industrien, der Abwasserverband Morgental und jüngst die Überbauung Rosengarten mit dem Glas erschlossen worden. 60 Kilometer Lichtwellenleiter gibt es bereits in Arbon – bei vorläufig noch knapp hundert Kunden.

Weiter in die Quartiere

Über weitere Verteiler soll der Netzausbau organisch in die Quartiere erfolgen. Primär dorthin, wo grössere Überbauungen sind oder anstehen und die Nachfrage nach den Diensten da ist. Auf Vorrat werde man nicht bauen, sondern setzt auf Synergien. Und sei dabei, wo Strassen aufgerissen werden, oder werde Leitungssanierungen ausnutzen, um dort Leerrohre zu verlegen, erklärt Knaak: «Das kostet uns nicht viel.» Im Bedarfsfall müsse man dann nur noch das Kabel einziehen.

Kunde hat Wahlfreiheit

Frühzeitig suche Arbon Energie den Kontakt zu Bauherrschaften, sagt Keller. Beispielsweise, wenn im Saurer WerkZwei die Siedlung «Wohnen im Park» reif wird. Auch wird eine Umfrage bei den potenziellen Endkunden aufzeigen, wo ein Markt ist und welche Gebiete bei der Erschliessung zu forcieren sind. Bauplaner und Ansprechpartner ist die Arbon Energie AG als nächster Multiversorger. Sie stellt die Hausanschlüsse und mit den Elektroplanern die Installationen sicher. Pro Wohnung bewegen sich so die Kosten zwischen 600 und 1000 Franken. Bei diesem dreistufigen Vertragskonstrukt (AE, EKT und Provider) kann der Kunde individuell sein Programm aus der ganzen Service-Palette zusammenstellen. Und hat bei den Providern die Wahlfreiheit.