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Tüftler, Unternehmer, Familienmensch

Zum Gedenken
Bischofszell@thurgauerzeitung.ch
Hans Signer (1932-2018). (Bild: PD)

Hans Signer (1932-2018). (Bild: PD)

Am 12. Januar ist Hans Signer im 86. Lebensjahr im Alters- und Pflegeheim Amriswil gestorben. Ein aussergewöhnliches und erfolgreiches Leben ist damit zu Ende gegangen. In Ennetaach bei Erlen ist in den letzten fünfundsechzig Jahren, quasi aus dem Nichts, ein vorbildlich ausgebauter Metallverarbeitungsbetrieb, ausgestattet mit modernsten Maschinen in einem imposanten Industriegebäude, entstanden. Den Grundstein dafür schuf der Kleinbauernsohn Hans Signer.

Hans Signer wurde am 12. April 1932 als viertes von sechs Kindern in Ennetaach geboren. Er war neben den fünf Schwestern sozusagen der Hahn im Korb. Wahrlich eine grosse Familie für einen Kleinbauernbetrieb mit vier Kühen, damals, knapp vor und während des Zweiten Weltkrieges. Trotzdem erlebten die Kinder eine harte aber auch schöne Jugendzeit.

Als es um die Berufswahl ging, spürte er andere Talente in sich als den elterlichen Bauernbetrieb zu übernehmen. Er setzte sich bei seinem Vater durch, statt einer landwirtschaftlichen Lehre einen technischen Beruf zu erlernen. So trat er 1949 bei der Elektrofirma Bürgisser in Erlen eine Lehre als Elektroinstallateur an. Es war ein guter Entscheid. Eugen Fahrni beschrieb in seiner Broschüre zum 50-Jahr-Firmenjubiläum der Firma Signer AG diese Lehrzeit wie folgt: «Er fiel als äusserst begabter und neugieriger Lehrling auf. Er wollte einfach alles wissen. Keine Arbeit war ihm zu viel. Gegen Ende der Lehrzeit reparierte er im Auftrag der Firma Bürgisser oft bis in alle Nacht hinein Elektro-Apparate. Es gab kaum ein Gerät, das er nicht in- und auswendig kannte und reparieren konnte.» Der junge Hans Signer schloss die Lehre mit Auszeichnung ab.

Diese guten Voraussetzungen ermutigten Hans Signer, sich schon früh selbstständig zu machen. In der Schweiz und in ganz Europa herrschte damals, in den 50er-Jahren, eine allgemeine Aufbruchstimmung. Am 13. Juni 1953 gründete er 21-jährig die Einzelfirma Hans Signer. Als gelernter Elektriker begann er nun die Entwicklung und Herstellung von elektrothermischen Apparaten, wie etwa Rippenrohr-Heizkörpern, Dosenwaschanlagen und Lackeinbrennöfen. Ein altes Schützenhaus, das damals als erste «Bude» diente, wurde für die immer umfangreicheren Einbrennöfen bald einmal zu klein. Auf dem grossen familieneigenen Grundstück entstand die erste Bauetappe, der noch unzählige nachfolgen sollten.

Ein Glücksfall war seine Heirat mit Mathilde Tomasi, einer Italienerin, die nach dem Kriegsende in der Kammgarnspinnerei Bürglen, arbeitete. Sie wollte zwar anfangs nichts davon wissen – «er konnte ja nicht einmal tanzen!» Aber für Hans Signer war schon damals nichts unmöglich. Am 12. April 1955 an seinem 23. Geburtstag wurde geheiratet. Mit der Weiterentwicklung der «Bude» wuchs auch die Familie. Innerhalb von sechs Jahren kamen fünf gesunde Kinder zur Welt, drei Buben und zwei Mädchen. Für die Erziehung war die Mutter zuständig, der Vater konnte sich ganz dem Geschäft widmen, was er auch tat, denn die Arbeit war sein Leben.

Hans Signer war ein sportbegeisterter Nichtsportler. In seinen jungen Jahren, fand er immer Zeit, seine drei Söhne in die Fussballschule Amriswil zu begleiten, wo er im Club verschiedene Rollen vom Linienrichter bis zum Präsidenten, ausübte. Später, im Golfclub Erlen, ging es ihm dann weniger um den Sport selber, als vielmehr um die Pflege von Freundschaften.

Das Ehepaar Signer legte grössten Wert darauf, ihren fünf Kindern eine gute Berufsausbildung zu ermöglichen. Die Mädchen machten eine KV-Lehre. Bruno, der älteste wurde Arzt und Informatiker. Die beiden Söhne Mario und Lorenz beendeten ihre Ausbildung am Technikum Winterthur als Maschineningenieure HTL.

Seit den Achtzigerjahren nahm die Bestellung von Einbrennöfen kontinuierlich ab. Um zu überleben, musste die Firma neu ausgerichtet werden. In dieser Zeit 1984 und 85 traten Mario und Lorenz in die Firma ein. Gemeinsam mit ihrem Vater versuchten sie das Schiff, in Fahrt zu halten. Da war ein gewisser Generationenkonflikt natürlich vorprogrammiert. Ein Seniorchef, schon Jahre allein Herr und Meister, steht tendenziell für das Bestehende, ist konservativ und rechthaberisch, während die Jungen eher übers Ziel hinaus schiessen können. Nach grossen Anstrengungen gelang es aber den drei, zusammen mit tüchtigen Mitarbeitern, einen Produktionsbetrieb mit modernsten Maschinen aufzubauen, der in der Lage ist, die Metallverarbeitung von A-Z aus einer Hand anzubieten. Aus dem Einzelwerk ist mit der Zeit ein Gemeinschaftswerk entstanden, auf das auch der Seniorchef stolz sein konnte. Er war es auch – und wie – er konnte es nur nicht zugeben. Heute steht die Firma Signer AG mit 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf gesunden Füssen.

Als Hans Signer seine «Bude» am 20. Dezember 2017 kurz vor seinem Tode ein letztes Mal besuchte, war er vom warmherzigen Empfang seiner Mitarbeiter sichtlich bewegt.

Ernst Müller

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

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