Tratschen wie die Waschweiber

AMRISWIL. Am Museumssonntag war Waschfrau Brighit Stahel im Bohlenständerhaus. Sie zeigte, wie früher auf Stör und am Dorfbrunnen gewaschen wurde.

Ramona Riedener
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Brighit Stahel zeigt, wie früher gewaschen wurde. (Bild: Ramona Riedener)

Brighit Stahel zeigt, wie früher gewaschen wurde. (Bild: Ramona Riedener)

Vor dem Bohlenständerhaus steht der Dampfwaschherd «Weltwunder» der Marke Zug, einer Waschmaschine der 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Mit einer langen Kelle rührt Waschfrau Brighit Stahel die Wäsche im dampfenden Wasserhafen oberhalb des Feuerofens, bevor sie sie mit einer Holzzange zum Spülen in eine schwere Metallgelte gibt.

Zweimal im Jahr

Nachher gilt es die schweren Leinentücher und währschaften Gewänder von Hand auszuwringen und sorgfältig sortiert an der Wäscheleine zum Trocknen aufzuhängen. «Damit es schön und ordentlich aussieht für die Nachbarn», erklärt die Waschfrau, die trotz glühender Hitze adrett in Tracht gekleidet ihre Arbeit macht. Gewaschen wurde früher aber nur zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst.

Die Kleidung und Bettwäsche sei getragen worden bis es vor Schmutz nicht mehr ging. Dann sei sie nochmals gedreht und gewendet und auf der anderen Seite nochmals benutzt worden, bevor sie in der Winde auf einer langen Holzbank ausgelüftet und bis zum Waschtag aufbewahrt wurde, erklärt Brighit Stahel und definiert damit auch das Sprichwort «Auf die lange Bank schieben». «Für die Kirche hat man einfach die Manschetten und den Kragen ausgetauscht und so die Kleidung wieder etwas aufgepeppt.»

Hier war es stets Frauensache

Die Arbeit der Wäschefrauen war körperlich sehr beschwerlich. Während in östlichen Ländern wie zum Beispiel Indien das Waschen den Männern überlassen wurde, war es hier stets Frauensache.

Die rüstigen Waschfrauen kamen zur Stör in die Häuser oder holten die Wäsche bei den Leuten ab, um sie am Dorfbrunnen oder am See zu waschen. So erfuhren sie immer die neusten Klatschgeschichten, welche sie dann brühwarm weitergaben. Die Waschweiber seien der «Blick» von damals gewesen, sagt Brighit Stahel. «Sie wussten zum Beispiel immer zuerst, welche Ledige schwanger war und am besten noch von wem.»

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