Trainer, Vater und grosser Bruder

AMRISWIL. Dario Balsamo ist in der Region Amriswil zu Hause. Wenn es nach ihm geht, für immer. Der Italiener hat hier nicht nur ein neues Wirkungsfeld gefunden, er hat sich auch einen Freundeskreis aufgebaut.

Rita Kohn
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Dario Balsamo in der Sporthalle Tellenfeld, seinem hauptsächlichen Wirkungskreis. (Bild: Rita Kohn)

Dario Balsamo in der Sporthalle Tellenfeld, seinem hauptsächlichen Wirkungskreis. (Bild: Rita Kohn)

In der Deutschschweiz leben? Darüber hat der Italiener Dario Balsamo noch vor ein paar Jahren nicht nachgedacht. Erst als ihn Trainerkollege Dario Bettello anfragte, ob er sich vorstellen könnte, den Volleyballnachwuchs der Talent School in Amriswil zu trainieren, setzte sich Dario Balsamo mit dem Thema auseinander.

«Ich konnte kein Wort Deutsch», sagt er mit einem Lächeln. Trotzdem hat er sich für Amriswil entschieden. Ein Entscheid, den seine Frau und seine Kinder mittrugen. «Wir haben das in der Familie ausgiebig besprochen.» Denn für den Trainer war klar: Seine Familie soll da leben, wo auch er lebt. «Meine Frau und ich wussten, dass es für die Kinder schwierig ist, in eine Gegend zu ziehen, in der eine ihnen unbekannte Sprache gesprochen wird.»

Gut integriert

Trotz einiger Bedenken sagte die Familie schliesslich zu und kam nach Amriswil. «Am Anfang war es schwierig», bekennt Dario Balsamo. Heute, gut drei Jahre später, weiss er, dass der Entscheid richtig war. «Wir sind gut integriert.» Er vermisst seine Heimat Italien nicht. «Auch wenn ich mal ein paar freie Tage habe, bleibe ich meistens hier.» Seine Frau würde mit den Kindern hingegen immer mal wieder für ein paar Tage nach Italien fahren. «Sie hat noch Familie da. Ich leider nicht.»

Mit der deutschen Sprache hat sich die junge Familie angefreundet. Der ältere Sohn der Familie, Riccardo Balsamo, besucht die Kantonsschule in Romanshorn. Er hat sich nur ganz am Anfang schwer getan, mittlerweile fühlt er sich heimisch. Dazu beigetragen hat auch seine Aufgabe bei Volley Amriswil Elite. Dario Balsamo ist stolz auf seinen Sohn, der bei den Spielen der NLA-Herren als Statistiker im Einsatz ist. «Er liefert uns ganz wichtige Daten», sagt er und lächelt.

Assistent und Coach

Dario Balsamo sagt bewusst «uns» , wenn er vom Elite-Team spricht. Denn seit dieser Saison ist der Italiener nicht nur Trainer der Talent School, sondern auch Assistant Coach bei den NLA-Herren von Volley-Amriswil. «Ich musste mich zuerst daran gewöhnen, wieder als Assistent auf dem Platz zu stehen», sagt der Trainer. Es sei über 25 Jahre her, seit er das letzte Mal in dieser Funktion tätig war. «Es ist etwas ganz anderes. Die Aufgaben sind anders gelagert.»

Allerdings stimmt nach einer kurzen Eingewöhnungszeit diese Zweiteilung der Aufgaben für Dario Balsamo. «Ich fühle mich wohl im engen Kontakt mit dem Team», sagt er. Als Assistent höre er eben auch, was in den Garderoben geredet würde. «Das kann oft hilfreich sein.» Durch seine Aufgabe sei er zwar der Mann im Hintergrund, aber letztlich der, der ganz nahe am Team sei. Die Funktion als Head Coach lockt Dario Balsamo nicht. «Als Head Coach ist man immer in einer unsicheren Position, sobald das Team mal den Erwartungen nicht entspricht», sagt er nüchtern.

Gerne mit Talenten arbeiten

Ausserdem arbeitet der Trainer aus Leidenschaft gerne mit jungen Talenten. «Ich bin für sie nicht nur Coach, ich bin gleichzeitig Vater, grosser Bruder und Freund», sagt er, und man sieht ihm dabei an, dass er sich in dieser Rolle wohl fühlt. Das sei auch schon im Tessin so gewesen, als er mit den jungen Frauen gearbeitet hatte. «Da habe ich auch Dario Bettello kennengelernt.»

Die Talent School ist eine Herausforderung für den Trainer, der er sich mit grossem Engagement stellt. Sieht er, wie sich die jungen Talente entwickeln, ist ihm das eine persönliche Genugtuung. «Es war für mich keine Frage, diese Aufgabe abzugeben», sagt er im Rückblick auf die Anfrage der Volley Amriswil Elite, die Aufgabe des Assistant Coachs zu übernehmen. Die beiden Aufgaben lassen sich zudem gut verbinden.

Haus gebaut

Dass sich Dario Balsamo in Amriswil wohl fühlt, ist kein Lippenbekenntnis. Er hat inzwischen in Hefenhofen ein Haus gebaut und ist mit seiner Familie ganz in der Region angekommen. «Wir konnten uns auch einen Freundeskreis aufbauen», sagt er und schmunzelt. Die Volleyballfamilie bestehe aus vielen sehr tollen Menschen, mit denen er sich wohl fühle.

Angefreundet hat sich Dario Balsamo auch mit der Sprache seiner neuen Heimat. Er kann sich gut in Deutsch verständigen, auch wenn die Hauptsprache im Volleyball Englisch ist.

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