Toller Ausguck seit 150 Jahren

1863 begann der Bau der evangelischen Kirche in Illighausen. Die Gemeinde feierte das Jubiläum am Sonntag mit einem ökumenischen Gottesdienst und einem Brunch. Am Samstag führte Pfarrer Peter Keller Interessierte zu einer spannenden Kirchturm-Besichtigung in die Höhe.

Barbara Hettich
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Peter Keller, der Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Lengwil, führte Besucher in den Glockenturm der Illighauser Kirche. (Bild: Nana do Carmo)

Peter Keller, der Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Lengwil, führte Besucher in den Glockenturm der Illighauser Kirche. (Bild: Nana do Carmo)

ILLIGHAUSEN. «Die Himmelspforte soll auch nicht viel breiter sein.» Pfarrer Peter Keller scherzt, während er am Samstag interessierte Besucher die schmale Leiter von der Empore der Illighauser Kirche durch eine enge Lucke auf den ersten Boden des Turms führt. Dort steht das Uhrwerk, das aus dem Jahr 1928 stammt und über dünne Drahtseile Uhrzeiger und Glocken bewegt. Über eine Treppe geht es weiter in die Höhe. Durch die vergitterten Fensteröffnungen sieht man bis weit über den Bodensee. «Im Krieg war das ein Ausguck der Soldaten», erklärt der evangelische Pfarrer. Auf engstem Raum hängen die drei Glocken, die dreimal am Tag im schönen Dreiklang B, D und F läuten und die Viertelstunden schlagen. 1872 seien sie – aus alten Kirchglocken neu gegossen – in den Kirchturm aufgezogen worden, weiss der Peter Keller aus der Kirchengeschichte zu berichten.

Dorf wollte eine eigene Kirche

1303 wurde die Dorfkapelle Illighausen erstmals erwähnt. Vor 150 Jahren musste sie abgebrochen werden, «sie war baufällig, eine Sanierung wäre zu teuer geworden», erzählt Keller. Der Kirchenrat habe der evangelischen Kirchgemeinde empfohlen, sich mit Oberhofen zusammenzuschliessen, damit hätten sie sich den Bau einer neuen Kirche sparen können. Davon wollten die Illighauser allerdings nichts wissen, der erste Anlauf für einen Zusammenschluss schlug fehl. In den Jahren 1863 und 1864 bauten die Illighauser für 18 000 Franken eine neue Kirche. «Das war für damalige Verhältnisse ein grosser Lupf», sagt Keller. Auf heutige Verhältnisse umgerechnet wären das etwa zweieinhalb Millionen Franken.

Fenster von Hans Affeltranger

Die kleine Kirche steht an selber Stelle wie früher die Kapelle. Sie ist aber nicht mehr nach Südosten, sondern nach Südwesten ausgerichtet. 1969/70 wurde sie renoviert, und seither strahlt das Licht im Chor durch ein Glasfenster des Künstlers Hans Affeltranger. Jeden zweiten Sonntag wird in Illighausen Gottesdienst gefeiert, Hochzeiten nur sehr selten, denn ein Mittelgang fehlt.