Tobler steht hinter seinen Weilern

Der Grosse Rat will die heutigen Weilerzonen als Baugebiet erhalten. Darin sind sich alle Fraktionen einig. Für Egnach hätte eine Änderung der heutigen Situation gravierende Folgen, sagt Gemeindepräsident Stephan Tobler.

Luisa Gomringer
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Der Egnacher Gemeindepräsident Stephan Tobler im Weiler Gristen mit Blick auf den Ortskern von Neukirch. (Bild: Reto Martin)

Der Egnacher Gemeindepräsident Stephan Tobler im Weiler Gristen mit Blick auf den Ortskern von Neukirch. (Bild: Reto Martin)

EGNACH. Der Grosse Rat sorgt sich um die Weiler, und Stephan Tobler tut es ganz besonders. Denn seine Gemeinde ist diejenige mit den meisten Weilern in der ganzen Schweiz. Insgesamt 68 sind es. Dieses einzigartige Erbe will Tobler unbedingt erhalten. Dies sei jedoch nur möglich, wenn investiert wird, eine bauliche Entwicklung zulässig ist und junge Familien zuziehen. «Wenn das Bundesamt für Raumentwicklung die Weilerzonen in Frage stellt und die Gebiete in die Landwirtschaftszone umteilen möchte, haben wir ein Problem», sagt Tobler.

Thurgauer Spezialität

Die Folgen wären gravierend. «Ich wüsste gar nicht, ob wir das als Gemeinde verkraften könnten», sagt Tobler. Der Wertverlust des Bodens würde sich auf über 100 Millionen Franken belaufen. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Kanton dafür entscheidet», sagt Tobler. Gegen eine Änderung würden aber nicht nur finanzielle Gründe sprechen. Es würde auch viel Entwicklungspotenzial verlorengehen – und eine Thurgauer Spezialität. «Die Weiler machen unser Image aus und gehören zu unserer Ausstrahlung.»

Emotionale Welle auslösen

Regierungsrätin Carmen Haag erklärte im Grossen Rat zwar, dass nur 15 Weilerzonen mit weniger als fünf Häusern den Vorgaben des Bundes nicht genügen würden. Die Gemeindepräsidenten befürchten aber, dass es mehr sein könnten. «Solange ich vom Kanton keine Bestätigung habe, dass die Weilerzonen bestehen bleiben, gebe ich keine Ruhe», sagt Tobler.

Haag erwähnte weiter, dass eine Umteilung einzelner Weiler in andere Zonen in Betracht gezogen werden könnte. «Das wäre noch ungerechter und würde eine emotionale Welle im Dorf auslösen» sagt Tobler.

Gürtel enger schnallen

Einen Aufruhr würde es nicht nur bei den Betroffenen geben, sondern im ganzen Dorf, ist sich Tobler sicher. «Die Gemeinde müsste ihren Gürtel enorm enger schnallen.» Dies würde früher oder später auch die Bevölkerung in der Steuersubstanz spüren.

Auch wenn die Weilerzonen dann keine Siedlungsgebiete mehr wären, müsste man trotzdem noch die ganze Infrastruktur finanzieren können, gibt Tobler zu bedenken.

Werden sorgfältig gepflegt

Dem Kanton wird unterstellt, dass er die Weilerzonen nur deshalb nicht mehr als Siedlungsgebiet definieren will, weil er so zusätzliche Siedlungsfläche erhält. «Wir würden Schadenersatz im Wert von Millionen stellen müssen» sagt Tobler. «Ich frage mich, ob sich mal jemand die Weilerzonen vor Ort angesehen hat. Sie werden sorgfältig gepflegt, und die Familien fühlen sich wohl. Es würden idyllische Wohngegenden verlorengehen.»