Tips von Madame Swissair

Beim Swissair-Absturz gewann Beatrice Tschanz viele Herzen. Nun erklärte sie Unternehmern und Politikern, dass gute Kommunikation Verheimlichen und Beschönigen ausschliesst.

Daniel Walt
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Gedankenaustausch: Beatrice Tschanz im Zwiegespräch mit Arbeitgeberpräsident Roland Gutjahr. (Bild: Daniel Walt)

Gedankenaustausch: Beatrice Tschanz im Zwiegespräch mit Arbeitgeberpräsident Roland Gutjahr. (Bild: Daniel Walt)

Stolz wie ein Pfau sei er, bekennt Roland Gutjahr, Präsident der Arbeitgebervereinigung Romanshorn und Umgebung, zu Beginn des Unternehmerapéros. Mit gutem Grund: Ihm ist es gelungen, mit Beatrice Tschanz, der früheren Kommunikationschefin der Swissair, eine bekannte Persönlichkeit zu engagieren. Rund 80 Gäste wollen hören, was ihnen Tschanz zu sagen hat: Mitglieder der Arbeitgebervereinigung sowie des Industrievereins Amriswil, aber auch regionale Politiker.

Schummeln schadet

Höchst unterhaltsam präsentiert sich die 66jährige Beatrice Tschanz den Besuchern. Als sie ihren heutigen Mann vor acht Jahren kennengelernt habe, habe dieser sie gefragt, ob er ihren Namen kennen müsse, blickt sie zurück. Sie habe geantwortet, das müsse nicht sein. Wobei einfach jeder sie kenne. «Mittlerweile kennt er mich!», versichert sie lachend.

In der Folge vermittelt Tschanz das, wofür sie im September 1998 schweizweit bekannt wurde: die Überzeugung, dass gute Kommunikation nicht im Verheimlichen oder Beschönigen besteht, sondern in Geradlinigkeit, Offenheit und Klarheit. «Geh raus und sag, dass die Maschine abgestürzt ist und so und so viele Menschen tot sind!», habe sie dem damaligen Swissair-CEO beim Absturz von Halifax geraten. Die transparente, sofortige Kommunikation von Fakten habe sich stets bewährt. Generell ist Tschanz überzeugt: «Das Schummeln kann nur ein paar Stunden Luft verschaffen.

Und es kostet Glaubwürdigkeit.»

Viele Emotionen um die Swissair

Den Titel «Madame Swissair» wird Beatrice Tschanz wohl nie mehr los. «Das stört mich nicht», hält sie im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Sie habe damals nur ihren Job gemacht, dabei aber auch Emotionen gezeigt. Mit Gefühlen war für sie auch das spätere Swissair-Grounding verbunden. Die Schweiz müsse froh um die Swiss sein, die einen guten Job mache. Sie finde es aber schade, wenn man in den Fliegern nun statt «Grüezi!» «Guten Tach!» höre.

Tiefe Dankbarkeit für Lewinsky

Die Fähigkeit, einfache Botschaften zu vermitteln: auch das macht für Beatrice Tschanz gute Kommunikation aus. «Männer wollen gescheit reden – man ist ja wichtig», hat sie in ihrer Laufbahn als Kommunikationsberaterin immer wieder festgestellt. Auch das Herumreden um den heissen Brei – ebenfalls eine Spezialität von Männern, wie Tschanz schmunzelt –, sei keine Strategie. Zudem gelte es bei schlechten Nachrichten immer zu bedenken, dass der Sturm irgendwann vorbei sei.

So wurde die Berichterstattung über das Swissair-Unglück von einem Moment auf den anderen vom Sexskandal um Bill Clinton und Monica Lewinsky abgelöst. «Falls ich Lewinsky mal treffen sollte, werde ich ihr einfach sagen: danke!», so Tschanz.

Vom Berner Jammerschauspiel

In der Fragerunde will ein Besucher wissen, was man in Sachen Kommunikation im Bundeshaus besser machen könnte.

«Die wollen es sicher recht machen, aber meistens kommt ein Jammerschauspiel heraus», antwortet Tschanz. Der Bundesrat sei einfach kein Team, und sie habe den Eindruck eines ständigen Geplauders. Tschanz musste bei eigenen Beratermandaten feststellen, dass in der Politik viele Nebengedanken – wie wirke ich, was kann man für die Partei herausholen? – den Blick auf das Wesentliche verstellt. «Zudem: Wer von den wirklich guten Leuten will in die Politik?», fragt Tschanz die Besucher.

Auf eine einzige Frage an diesem Abend weiss auch Beatrice Tschanz keine Antwort: Jene, wie Brady Dougan von der Credit Suisse seinen 70-Millionen-Zahltag kommunizieren soll. «So etwas müssen Sie nicht erklären. Denn das versteht nun wirklich niemand», so Tschanz.