TIMEBELLE: Weinfelden: Zwölf Punkte

Drei Lehrerinnen und Lehrer der Musikschule Weinfelden vertreten die Schweiz Mitte Mai beim Eurovision Song Contest in Kiew. Auf ihre Gesangslehrerin Judith Zürcher sind die Schüler der Begabtenförderung besonders stolz.

Mario Testa
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Alisa, Patrick, Sarina, Shania und Kaihang freuen sich mit Gesangslehrerin Judith Zürcher über deren ESC-Qualifikation. (Bild: Mario Testa)

Alisa, Patrick, Sarina, Shania und Kaihang freuen sich mit Gesangslehrerin Judith Zürcher über deren ESC-Qualifikation. (Bild: Mario Testa)

Mario Testa

mario.testa@thurgauerzeitung.ch

Apollo, der Gott der Künste, hat der Band Timebelle Glück gebracht. Mit ihrem gleichnamigen Lied haben sich Sängerin Miruna Manescu, ihr Pianist und ihr Schlagzeuger sowie die drei Backgroundsänger fast die Hälfte aller Stimmen der TV-Zuschauer gesichert und damit die Schweizer Vorausscheidung für den Eurovision Song Contest (ESC) gegen fünf Mitkonkurrenten überdeutlich gewonnen.

Schlagzeuger Samuel Forster, Pianist Emanuel Daniel Andriescu und Sängerin Judith Zürcher verdienen einen Teil ihrer Brötchen in Weinfelden. Sie unterrichten in Teilpensen an der Musikschule – und seit Montag sind sie das Gesprächsthema Nummer eins in den Gängen und Zimmern der Schule.

Gratulationen von den Gesangsschülern

Judith Zürcher unterrichtet in Weinfelden unter anderem die Klasse der Begabtenförderung Musik – und die Schülerinnen und Schüler sind stolz auf die Qualifikation ihrer Lehrerin für den Halbfinal des ESC. «Ich habe die Sendung am Sonntag am TV mitverfolgt, und sie hat mir gut gefallen», sagt die Weinfelder 1.-Sekundarschülerin Sarina. «Timebelle hat verdient gewonnen, sie waren richtig gut.» Deshalb habe die Klasse am Montagnachmittag zu Unterrichtsbeginn als Erstes ihrer Lehrerin gratuliert. Auch Alisa hat die Sendung geschaut und musste feststellen: «Frau Zürcher hat man fast nicht gesehen, sie stand so weit hinten, und dort war es meist dunkel.» Alisas Kollegin Kaihang hat die Sendung zwar nicht am TV mitverfolgt, aber auch schnell vom Erfolg ihrer Lehrerin erfahren. «Ich habe in unserem Chat vom Sieg der Band Timebelle erfahren», sagt sie. «Bis am Freitag hab ich aber noch gar nicht gewusst, dass Frau Zürcher überhaupt mitsingt in der Band.»

Judith Zürcher ist beliebt bei ihren Schülerinnen und Schülern. «Sie ist eine megacoole Gesangslehrerin, ganz gechillt», sagt Shania. Die Schülerinnen überlegen sich nun, einen Fanclub für ihre Lehrerin zu gründen im Hinblick auf den ESC-Halbfinal vom 11. Mai in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. «Bei diesem Fanclub wäre ich sicher auch dabei», sagt Schüler Patrick. «Auch wenn mich die Musik ganz ehrlich gesagt nicht so begeistert.»

Andreas Schweizer, Leiter der Musikschule Weinfelden, freut sich ebenfalls über den Erfolg seiner drei Mitarbeitenden. Er hat mit seiner Familie die Auscheidung am TV mitverfolgt und fleissig mitabgestimmt. «Schon vor zwei Jahren hatte Timebelle die meisten Stimmen der TV-Zuschauer erhalten. Nur die Jury hatte damals anders entschieden», sagt Schweizer. «Gut, dass es diesmal keine Jury mehr gab. Das Echo auf den Erfolg unserer drei Musiklehrer ist riesig.» Dass die drei im Mai wegen des ESC in Kiew etwa zwei Wochen fehlten, sei kein Problem für die Musikschule, sagt er. «Wir geben unseren Lehrpersonen diese Freiräume. Sie sind ja auch Künstler und sollten sich dementsprechend präsentieren können, wenn sie Gelegenheit dazu haben. Das gibt ihnen auch wieder neue Impulse für den Unterricht.»