«That's a wonderful Place!»

Für Elvis ist es immer wieder ein Schauspiel: An der langen Leine verfolgt der Malteser mit der zotteligen Mähne vor dem Direktorenwohnwagen den Aufbau des Zirkuszeltes. Das Pressluftgehämmer beeindruckt den weissen Vierbeiner der Direktoren Peter Gasser und Oliver Skreinig nicht.

Max Eichenberger
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Der Circus Royal installiert sich in den Arboner Quaianlagen. Ein Arbeiter spannt mit einer Winde einen Stützmasten für die Tierunterkunft ab. (Bild: Max Eichenberger)

Der Circus Royal installiert sich in den Arboner Quaianlagen. Ein Arbeiter spannt mit einer Winde einen Stützmasten für die Tierunterkunft ab. (Bild: Max Eichenberger)

Für Elvis ist es immer wieder ein Schauspiel: An der langen Leine verfolgt der Malteser mit der zotteligen Mähne vor dem Direktorenwohnwagen den Aufbau des Zirkuszeltes. Das Pressluftgehämmer beeindruckt den weissen Vierbeiner der Direktoren Peter Gasser und Oliver Skreinig nicht. Angekommen ist er in den Arboner Quaianlagen mit der Royal-Vorhut schon am Sonntag.

Loge direkt am See

Seine Loge am See ist die erste Adresse auf dem Gelände des Gastspielortes. Nur darin zeigt sich die Hierarchie. Ansonsten ist die Zirkustruppe eine grosse internationale Familie, zwar jede Saison wieder neu zusammengewürfelt. Vor allem die Akteure in der Manege, die noch Zeit haben vor der ersten Vorstellung und es sich in der Wohnwagenstadt auf der Quaiwiese gemütlich machen. Einige schlafen noch aus. Eine Gruppe räkelt sich am See. «Austria, Germany – Romanshorn, next Town there», erhalten die Neuen eine Geographielektion. «That's a wonderful Place, a Dream!»

Die Zirkusleute und Artisten kommen aus vielen Nationen. Zwei Wohnmobilreihen sind einander zugeordnet, dazwischen wird Wäsche getrocknet. Eine Frau wringt dicke Socken aus. Es gibt Truppen, die ihr eigenes XL-Vehikel mit Extensionbalkon dabei haben. Gummistiefel sind an die Räder angelehnt. Bei der Ankunft hat es zünftig geregnet. Der See liegt ruhig, Seekraut züngelt an der Wasseroberfläche. Campingidylle am See.

Masten in die Vertikale gezurrt

Von weiter weg, vom Schlosshafen, wo Elvis seinen Auslauf hat, scheppert Gestänge. Hubstapler karren es von Tiefladeranhängern heran. Arbeiter stellen die vier grossen Masten des Zirkuszeltes. Mit schweren Seilwinden werden sie, mehrfach abgespannt mit dicken Drahtseilen, in die Vertikale fixiert. Zuoberst flattern Schweizer Fahnen im frischen Wind. Dann befestigen zwei Arbeiter die goldene Krone an Seilen, die an Umlaufrollen hochgezogen werden. Elvis habe sein grosses Gspänli verloren, sagt Yayita Gasser, Mutter des Royal-Chefs, die froh ist, dass nicht mehr die grosse Hitze drückt. Mit Pressluft schlagen zwei starke Männer zwei Dutzend meterlange, schwere Eisennägel im Gegenuhrzeigersinn in die Erde. In Kreisform sind die Stellen zuvor rot markiert worden. Ausserhalb jener ebenfalls markierten Linie, wo in knapp einem Meter Tiefe eine elektrische Hauptleitung verläuft. Diese war vor vier Jahren versehentlich getroffen worden, was zu einem längeren Stromausfall geführt hatte.

Unaufgeregt, ohne viele Worte

Der Aufbau verläuft generalstabsmässig, ohne viele Worte und unaufgeregt. Die Equipe ist eingespielt, die Handgriffe sitzen. Die Stromversorgung über den Verteilerkasten 150 ist sichergestellt. Auch der Wasseranschluss ist – vorerst über ein Provisorium – hergestellt. In der Zirkusstadt gibt es fliessendes Wasser. Ein Arbeiter entwirrt Lichtgirlanden, die nach der letzten Vorstellung in Zürich in Holzkisten versorgt worden waren. Die Tiere sind mittlerweile auch eingetroffen – und beziehen gestaffelt ihre Unterkunft. Bald steht auch das Viermastzelt. Der Circus Royal ist bereit für die erste Vorstellung.

Vorstellung in den Arboner Quaianlagen: Heute Dienstag, 15 und 19 Uhr; Mittwoch bis Freitag, 15 und 19 Uhr; Samstag, 1. August: keine Vorstellung; Sonntag, 11 und 15 Uhr