«Terror macht mir Angst»

Der Präsident des Vereins Moschee Kradolf-Schönenberg, Mustafa Saliu, sieht keine Anzeichen für eine Radikalisierung in den eigenen Reihen. Er betont die friedlichen Absichten des Vereins.

Hannelore Bruderer
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Mustafa Saliu steht dem Verein Moschee Kradolf-Schönenberg als Präsident vor. (Bild: Hannelore Bruderer)

Mustafa Saliu steht dem Verein Moschee Kradolf-Schönenberg als Präsident vor. (Bild: Hannelore Bruderer)

Herr Saliu, Sie haben von einer Bürgerin aus Sulgen einen Brief erhalten, in dem die Besorgnis über die Taten islamistischer Terrorgruppen geäussert wird. Sie haben darauf nicht geantwortet. Nehmen Sie solche Bedenken nicht ernst?

Mustafa Saliu: Doch, durchaus. Die Taten dieser Terrororganisationen machen auch mir Angst.

Weshalb haben Sie den Brief dann nicht beantwortet?

Saliu: Zum einen aus zeitlichen Gründen. Ich habe mich mit anderen Mitgliedern des Vereins Moschee Kradolf-Schönenberg auf eine längere Pilgerfahrt vorbereitet. Zum andern spricht die Frau, welche den Brief geschrieben hat, ein Weltproblem an, das ich nicht lösen kann. Ich kann ihr ihre Ängste nicht nehmen; das überschreitet meine Möglichkeiten. Ich möchte mich bei ihr jedoch dafür entschuldigen, dass ich den Brief nicht beantwortet habe.

Da Sie nicht geantwortet haben, hat sich die Einwohnerin mit einem Leserbrief im amtlichen Publikationsorgan der Gemeinde Sulgen an die Öffentlichkeit gewandt. Hatten Sie davon Kenntnis?

Saliu: Ich habe diese Zeitung nicht gelesen, weil ich mich zu jenem Zeitpunkt in Mekka aufhielt. Aber ein Freund hat mir die Information weitergeleitet.

In ihrem Schreiben verlangt die Frau, dass sich der Verein Moschee Kradolf-Schönenberg von den Taten von Boko Haram und des Islamischen Staates (IS) distanziert. Was sagen Sie dazu?

Saliu: Ich habe Verständnis für die Verunsicherung, muss aber auch ganz klar festhalten, dass die Ereignisse in Afrika und im Nahen Osten absolut nichts mit unserem Verein und unserem geplanten Neubau in Sulgen zu tun haben. Wir sind nicht für die Taten terroristischer Gruppierungen verantwortlich. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum wir nach solchen Ereignissen anders beurteilt werden.

Aus ganz Europa und auch aus der Schweiz reisen junge Moslems nach Syrien und Irak, um den IS zu unterstützen. Wie kommt es Ihrer Meinung nach dazu, dass sich Menschen so radikalisieren?

Saliu: Ich weiss es nicht. Wenn ich lese, dass ein junger Mann oder eine junge Frau, die in Europa ein behütetes Leben führen, plötzlich aufbrechen, um für den Islamischen Staat zu kämpfen, dann frage ich mich zwar – wie wohl fast jeder von uns –, was in deren Köpfen wohl vor sich gehen mag. Antworten darauf habe ich aber keine.

Was unternimmt Ihr Verein, um gegen eine mögliche Radikalisierung in den eigenen Reihen vorzugehen?

Saliu: Wir machen nichts, und zwar deshalb, weil wir keine Anzeichen sehen, dass sich jemand von uns in diese Richtung bewegt. Wie andere Religionsgemeinschaften treffen wir uns zum gemeinsamen Gebet. Wir sprechen über moralische und gesellschaftliche Themen, die uns hier beschäftigen, und nicht über das Weltgeschehen.