Tempo-30-Zone als Zankapfel

Spätestens seit der Info-Veranstaltung vom 11. November hängt in Donzhausen der Haussegen schief. Ein Flugblatt, dessen Inhalt auch im amtlichen Publikationsorgan der Gemeinde Sulgen publiziert wurde, goss zusätzlich Öl ins Feuer.

Rudolf Käser
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An der Frage, ob die zulässige Höchstgeschwindigkeit in Donzhausen nur noch 30 km/h betragen soll, scheiden sich die Geister. (Bild: Georg Stelzner)

An der Frage, ob die zulässige Höchstgeschwindigkeit in Donzhausen nur noch 30 km/h betragen soll, scheiden sich die Geister. (Bild: Georg Stelzner)

DONZHAUSEN. Zu einer persönlichen Äusserung über die in Aussicht gestellte Tempo-30-Zone im Dorf konnten sich drei Tage vor der Abstimmung an der Sulger Gemeindeversammlung nur wenige Personen durchringen. Auffallend dabei: Es waren weit mehr Gegner zu einer Stellungnahme bereit als Befürworter. Sitzt den Verfechtern von Tempo 30 am Ende gar die Angst im Nacken?

Zweifel an Notwendigkeit

Eine Donzhauser Einwohnerin glaubt gar, dass man Bedenken haben müsse, heute abend für den Kredit von 117 000 Franken zu votieren. Mit diesem Betrag gedenkt der Gemeinderat, auf dem Gebiet der Gemeinde Sulgen mehrere Tempo-30-Zonen ein-zuführen. Im Vorfeld der entscheidenden Abstimmung wurde im Dorf hinter vorgehaltener Hand sogar von Drohungen durch die gegnerische Seite gesprochen.

Als eine der wenigen aus dem Lager der Befürworter von Tempo 30 in Donzhausen äussert sich Erika Bruggmann. Sie hatte auch anlässlich des Informationsanlasses im Auholzsaal den Mut gehabt, für die Einführung zu plädieren. Die Argumente der Gegner kann Erika Bruggmann nicht nachvollziehen. Diese würden davon sprechen, dass in Donzhausen wegen der winkeligen Strassenführung ohnehin kaum schneller als mit 30 km/h gefahren werden kann. «Da frage ich mich aber, warum sich die Gegner dann so dagegen sträuben. Sie würden durch Tempo 30 doch nichts verlieren!» Ihr gehe es bei der Sache ganz einfach um den Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer, nämlich der Kinder und der betagten Leute, betont Erika Bruggmann. Auf das Argument, 117 000 Franken seien für ein solches Vorhaben zu viel, entgegnet sie: «Zum Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer sind Tempo-30-Zonen das Geld sicher wert.» Als Stelle im Dorf mit einem besonders grossem Gefahrenpotenzial betrachtet sie die Umgebung des Schulhauses.

Bedenken wegen Schikanen

Auf Seiten der Gegner von Tempo 30 im Ortsgebiet wird als Nachteil ins Feld geführt, dass im Zuge der Umsetzung bauliche Massnahmen wie Schwellen oder Verengungen realisiert werden könnten. So meint etwa Landwirt Willi Munz: «Das wäre meiner Meinung nach keine gute Idee.» Der Bauer gibt zu bedenken, dass landwirtschaftliche Fahrzeuge keine Federung besässen. Durch Schwellen entstünden Schläge, die wiederum Lärm verursachen würden. Munz glaubt, für das Dorf Donzhausen mit seinen in die Strassen hineinreichenden Häuserecken würde eine Tempo-30-Zone im Endeffekt nichts bringen. «Aber wenn schon etwas gemacht werden muss, dann wären Pflastersteine besser als Schwellen.»

Autofahrer müssen anhalten

Ebenfalls aus beruflicher Sicht betrachtet der selbständige Schreiner Beat Kradolfer die Angelegenheit: «Ich bin gegen die Einführung von Tempo 30, weil wir uns aufgrund unseres Betriebes viel mit Fahrzeugen auf den Strassen bewegen müssen.» Zudem macht er darauf aufmerksam, dass es in Donzhausen wegen einer Überschreitung des Tempolimits noch nie zu Problemen oder gar einem Unfall gekommen sei. «Wenn ich die Kinder im Dorf beobachte, stelle ich fest, dass diese überhaupt nicht ausweichen. Es sind jeweils die Autofahrer, welche anhalten müssen», erzählt Kradolfer. Was diesen Punkt anbelangt, sind die Meinungen im Dorf allerdings geteilt. «Es muss doch nicht zuerst ein Unfall passieren, bis Mass-nahmen getroffen werden», meint eine Einwohnerin, die namentlich nicht genannt werden will.

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