Tempo 30 besser signalisieren

Energiestädte erhielten kürzlich bundesrätliches Lob. Wir haben nachgefragt, wie es um das Kreuzlinger Label steht. Stadtammann Andreas Netzle stellt unter anderem eine Überprüfung gewisser Tempo-30-Strassen in Aussicht.

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Herr Stadtammann Netzle, an einem Energietag in Freiburg hat Bundesrat Moritz Leuenberger die 170 Schweizer Gemeinden gelobt, die das Label Energiestadt haben. Dieses Label trägt auch Kreuzlingen, und zwar seit Juni 2006. Zur Erlangung des Labels gab's damals maximal 478 Punkte. Kreuzlingen erreichte 255,6. Wie sähe die Punktezahl heute aus?

Andreas Netzle: Die heutige Punktzahl wäre vermutlich etwa gleich hoch. Das Label wurde seither wenig gepflegt. Die Bauverwaltung war und ist vor allem mit der Behandlung der zahlreichen Baugesuche beschäftigt. Wir haben deshalb die Stelle eines Energiebeauftragten geschaffen, der sich dieses Themas annimmt. Er übernimmt auch die Energieberatungsstelle für alle Gemeinden des Bezirks. Beim Re-Audit im März 2010 sollten dann Fortschritte sichtbar sein.

Gelobt wurde damals unter anderem der überdurchschnittlich hohe Kompost-Sammelanteil pro Einwohner. Sind die Kreuzlinger besonders grün, oder woran liegt das?

Netzle: Das liegt sicher auch daran, dass wöchentlich und über das ganze Jahr gesammelt wird – und dass keine Gebühren erhoben werden. Wir bieten den Einwohnern unserer «Gartenstadt» einen Service, der nicht selbstverständlich ist. Darüber hinaus haben wir mit der gemeinsam mit Tägerwilen betriebenen Kompostieranlage eine gute Lösung zur Verwertung der Grünabfälle.

Positiv erwähnt wurden im Jahr 2006 auch die flächendeckenden Tempo-30-Zonen in Kreuzlingen. Diese Zonen bestehen immer noch, obwohl sie bei Einführung viel Protest verursacht haben. Wie empfinden Sie persönlich diese Zonen, wenn Sie durch Kreuzlingen fahren?

Netzle: In Wohnquartieren ist Tempo 30 sicher richtig. Da und dort müssen wir jedoch mit geeigneten Massnahmen noch besser signalisieren, dass langsamer gefahren werden muss. Ich wohne selbst an einer Strasse, die geradezu einlädt, schneller zu fahren. Da braucht es deutlichere Signale – und auch Kontrollen. In der Innenstadt müssen wir das Verkehrsregime im Licht der «Chance Nord» und der Beruhigung der Hauptstrasse zwischen Helvetiaplatz und Löwenkreisel noch einmal überdenken und die Auswirkungen auf gewisse Tempo-30-Strassen prüfen.

Wie sieht es aus mit der Solar-Energie? Könnte sie bei Baugesuchen künftig Pflicht werden?

Netzle: Für Solarenergie-Pflicht besteht bis jetzt keine energierechtliche Grundlage. Mir ist auch keine Gemeinde in der Schweiz mit einer solchen Pflicht bekannt. Wenn die technischen Voraussetzungen noch besser sind, könnte man solche Auflagen allenfalls in künftigen Gestaltungsplänen formulieren. Geplant ist aber noch nichts. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass wir auf städtischen Neubauten – zum Beispiel beim neuen zentralen Verwaltungsgebäude – Solarzellen installieren und so mit gutem Beispiel vorangehen.

Herr Netzle, könnten Sie sich in Kreuzlingen Windräder vorstellen?

Netzle: Nein. Mit Ausnahme von wenigen Bergregionen ist die Schweiz für eine wirtschaftliche Nutzung der Windenergie nicht geeignet. In Kreuzlingen gibt es zu wenig und zu wenig konstanten Wind. In meinen Ferien an der spanischen Atlantikküste haben wir Unmengen von Windrädern gesehen, die häufig in Bewegung waren. Dort sind solche Windpärke sinnvoll. Eine Augenweide sind sie jedoch nicht. Für Kreuzlingen sollte man hingegen prüfen, wie sich die Seewärme energetisch nutzen liesse.

Interview: Brigitta Hochuli

Andreas Netzle (Archivbild: Donato Caspari)

Andreas Netzle (Archivbild: Donato Caspari)

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