Teenager lernen den Umgang mit Frust

SULGEN. Nach den Herbstferien startet in Sulgen ein Selbstverteidigungskurs für Jugendliche. In Gruppen stärken sie das Selbstbewusstsein und lernen, wie sie ihre Energie kontrolliert rauslassen können. Der Jugendtreff unterstützt das Angebot.

Regina Posthumus
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Kämpfen gegen Gewalt: Diego Alessi und Barbara Holzer. (Bild: Regina Posthumus)

Kämpfen gegen Gewalt: Diego Alessi und Barbara Holzer. (Bild: Regina Posthumus)

Abends alleine auf die Strasse? Für viele Mädchen löst alleine dieser Gedanke schon Unbehagen aus. Im Kurs von «Weg ohne Angst» (WoA) lernen die Mädchen, dass Angst nicht lähmen muss und wie sie sich wehren könnten. Statt Gegentritte nur anzudeuten oder an Kissen zu üben, dürfen sie dabei die gelernten Techniken mit voller Kraft an speziell ausgebildeten Männern im Schutzanzug anwenden.

Sie lernen so, Schlaghemmungen abzubauen. Für die WoA-Leiterin und Pallas-Trainerin Barbara Holzer ist es wichtig, dass sich die Mädchen ihrem Gegenüber selbstbewusst entgegenstellen. «Sie sollen reale Gefahrensituationen erkennen und frühzeitig entschärfen lernen.»

Realitätsnaher Kampf

Dass man auch ohne Gewalt kämpfen kann, erfahren Jungs im Kurs «Kampfesspiele©» des Stellenleiters der Fachstelle für Jugendarbeit und Sozialarbeit in Weinfelden, Diego Alessi. Er hat sich zum Ziel gesetzt, den Jugendlichen zu zeigen, wie sie mit ihren Energien und Aggressionen konstruktiv umgehen können. Die Knaben dürfen sich in seinem Kurs durch kraftvoll dynamisches kämpfen miteinander messen und sich dabei trotzdem fair und respektvoll verhalten. Für Diego Alessi ist es ein Anliegen, dass die Jungs erleben, dass Mitgefühl und Verbundenheit wichtige Eigenschaften eines guten Kämpfers und eines angesehenen Mannes sind. «Jungs kämpfen nun mal gerne», meint der Jugendsozialarbeiter. Während auf Schulhöfen alles reglementiert und kämpfen verboten ist, dürfen die Kids bei ihm drauflosschlagen. «Man kann Aggressionen nicht unter einem Deckel halten und meinen, dass es nie zischt.» Wichtig sei aber, dass sie lernen, wie sie damit umgehen können und wann sie aufhören müssen. Theorieblöcke sind nicht vorgesehen. «Wir lassen lieber Taten sprechen», meint Alessi schmunzelnd.

Gespräche über Probleme

Bei den Mädchen sieht dies anders aus. «Mädchen sind meist kommunikativer und sprechen über Gefühle und Befindlichkeiten», meint Barbara Holzer. Deshalb biete sie in ihren Kursen auch Gesprächsrunden an, in welchen Alltagssituationen besprochen und in Rollenspielen nachgestellt werden. Dass sie als Frau die Mädchengruppe leite und Diego Alessi als Mann die Jungs, ist für die beiden ausgebildeten Leiter klar. «Vielleicht gibt gerade die Tatsache einem Mädchen Mut, dass auch ich es schaffe, einen starken Mann auf den Boden zu werfen, obwohl ich kein Muskelpaket bin.» Andererseits brauchen gerade Jungs ein Vorbild, an dem sie sich orientieren können. Man muss nicht Rambo sein, um cool zu sein.