Tamilen entschuldigen sich

Als Soldaten verkleidete Kinder im Bodansaal – das werde es nicht mehr geben, verspricht der tamilische Kulturverein Thurgau nach einer Aussprache mit Gemeindeammann Norbert Senn. Die Gemeinde akzeptiert die Entschuldigung.

Daniel Walt
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Steht den Tamilen weiterhin zur Verfügung: Die Bühne des Romanshorner Bodansaals. (Bild: Reto Martin)

Steht den Tamilen weiterhin zur Verfügung: Die Bühne des Romanshorner Bodansaals. (Bild: Reto Martin)

Wird der tamilische Kulturverein Thurgau den Bodansaal weiterhin nutzen dürfen nach dem Wirbel um die als Soldaten verkleideten Kinder (das Tagblatt berichtete)? Seit gestern ist die Antwort auf diese Frage klar: Ja. Die Gemeinde kommt auf das zwischenzeitlich schriftlich ausgesprochene Benützungsverbot zurück. Dies, nachdem eine Aussprache zwischen Gemeindeammann Norbert Senn und acht Vertretern des Kulturvereins stattgefunden hat, die seit langen Jahren in der Schweiz leben.

«Zu wenig geprüft»

«Das Gespräch verlief aus meiner Sicht in einem guten Rahmen», sagt Gemeindeammann Norbert Senn. Shankar Paramsothy, der den Kulturverein in dieser Angelegenheit gegen aussen vertritt, pflichtet dieser Einschätzung bei. Laut Norbert Senn hat sich der tamilische Kulturverein im Lauf der Aussprache von sich aus für das, was vorgefallen war, entschuldigt. In einem Communiqué schreibt der Vorstand: «Wir entschuldigen uns ausdrücklich bei allen, die sich verletzt gefühlt haben. Wir tun dies auch gegenüber den Gemeindebehörden von Romanshorn, zu denen wir weiterhin ein gutes Verhältnis haben wollen.» Für den Vorstand des tamilischen Kulturvereins Thurgau sei klar, dass die Verantwortlichen die Darbietungen zu wenig geprüft hätten. «In unserem Heimatland Sri Lanka gehört der Krieg leider zum Alltag. Das dürfte wohl der Grund dafür gewesen sein, dass uns die nötige Sensibilität gefehlt hat, um zu realisieren, wie negativ eine solche Darbietung von unserer Schweizer Bevölkerung aufgenommen wird», so der Vorstand weiter.

Sich selbst ein Bild machen

Für den Vorstand des tamilischen Kulturvereins ist klar: Darbietungen mit Kindern in Uniform und zum Thema Krieg werden keine mehr stattfinden. «Unsere Veranstaltungsprogramme werden wir in Zukunft gründlicher vorbereiten», verspricht der Vorstand im Communiqué. Mit der Einsicht des tamilischen Kulturvereins war für die Gemeinde die Voraussetzung gegeben, um ihm die Benutzung des Bodansaals künftig wieder zu erlauben. «Für uns war es wichtig, dass wir gegenüber dem tamilischen Kulturverein klar sagten, in welcher Bandbreite sich solche Veranstaltungen abspielen dürfen», sagt Gemeindeammann Norbert Senn. Als Auflage sollen die Tamilen das Programm bei einer nächsten Veranstaltung im Vorfeld mit der Integrationsverantwortlichen der Gemeinde absprechen. Mit dieser Lösung ist auch Shankar Paramsothy zufrieden. Er betont noch einmal, dass die kritisierte Vorführung nur einer von insgesamt 52 Programmpunkten gewesen sei. Zudem lädt Paramsothy all jene, die sich Sorgen um das Wohlergehen der an der Aufführung beteiligten Kinder gemacht haben, zum nächsten Kulturfest im Bodansaal ein. «Dies, damit sie sich selbst ein Bild von unseren Veranstaltungen machen können», sagt er.

Shankar Paramsothy, Kulturverein. (Bild: Daniel Walt)

Shankar Paramsothy, Kulturverein. (Bild: Daniel Walt)

Norbert Senn, Gemeindeammann (Archivbild: Philipp Baer)

Norbert Senn, Gemeindeammann (Archivbild: Philipp Baer)

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