TÄGERWILEN: Die Schnecken leben noch

Die zwei geknickten Bäume der Allee vor dem Schloss Castell bleiben vorerst liegen. Grund dafür ist ein kleines Tierchen, das bereits die Fällung aller Kastanien verhindert hat.

Viola Stäheli
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Zwei Bäume der Kastanienallee sind geknickt – auf einem lebt mit Sicherheit die Zahnlose Schliessmundschnecke. (Bild: Viola Stäheli)

Zwei Bäume der Kastanienallee sind geknickt – auf einem lebt mit Sicherheit die Zahnlose Schliessmundschnecke. (Bild: Viola Stäheli)

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch

Wer derzeit durch die Kastanienallee zum Schloss Castell schlendern will, muss sich seinen Weg suchen. Bei zwei Bäumen hat das Unwetter in der Nacht vom ersten auf den zweiten August Tribut gefordert: Bei beiden sind die Kronen abgebrochen und diese versperren nun den Durchgang. Und das wird noch eine Weile so bleiben – Grund dafür ist die Zahnlose Schliessmundschnecke (siehe Infokasten).

Dieses winzige Tierchen hat bereits verhindert, dass die Kastanienallee komplett gefällt wird (unsere Zeitung berichtete). Die Zahnlose Schliessmundschnecke ist eine gefährdete Art, deren Lebensraum alte Bäume mit ritzenreicher Rinde oder spaltenreiches Mauerwerk ist. Sie verlässt ihren angestammten Lebensraum nicht – die Schnecken in der Kastanienallee bleiben somit ein Leben lang auf dem gleichen Baum. Als bekannt wurde, dass in der Allee der einzige bisher bekannte Bestand im Thurgau lebt, liess die Gemeinde von ihrem Vorhaben ab, die insgesamt 39 Rosskastanien aus Sicherheitsgründen zu fällen.

Nun ist die Allee durch den Sturm aber doch ungeplant lichter geworden. «Ja, auf einem der gekippten Bäume lebt die Schnecke auf jeden Fall», sagt Gabriela Aebli, Co-Präsidentin WWF Thurgau. Sie war es, die vor einem Jahr das winzige Lebewesen entdeckt hat. Tot sind die bedrohten Tierchen aber nicht – die Schnecken können auf dem umgekippten Baum weiterleben. Deshalb finden vorerst auch keine Aufräumarbeiten statt. Dauerhaft ist das allerdings keine Lösung.

Der Kanton hat für die Bestandsaufnahme der Schnecke einen Experten beauftragt. Der Tägerwiler Gemeindepräsident Markus Thalmann erwartet den abschliessenden Bericht Ende August. «Wir werden dann weiter entscheiden, was zu tun ist», sagt Thalmann. Denkbar wäre eine Umsiedlung der Schnecken, diese ist aber sehr aufwendig.

Die beiden Bäume sollten stehen bleiben

Im vergangenen Herbst wurde ein Vorschlag ausgearbeitet, der vorsah, dass die meisten Bäume der Allee nicht gefällt, sondern gepflegt werden sollen. Nur bei zehn Bäumen sieht die Gemeinde aufgrund deren Zustandes nach wie vor keine andere Möglichkeit als die Fällung. Bisher ist aber noch kein Baum der Motorsäge zum Opfer gefallen – nicht zuletzt deshalb, weil die Kastanienallee unter Naturschutz steht und jede Fällung eines Baumes vorgängig öffentlich aufgelegt werden muss. Zudem ist Vorsicht aufgrund der Zahnlosen Schliessmundschnecke geboten.

«Nein, die beiden umgekippten Bäume hätten nicht gefällt werden sollen», sagt Thalmann. Im Gegenteil: Bei beiden wurden kürzlich Pflegemassnahmen durchgeführt. Diese bestand darin, die Kronen zu sichern.