TÄGERWILEN: Das kühle Blonde hat’s ihm angetan

In Zürich treffen sich heute die Biersommeliers zur Schweizer Meisterschaft. Mit dabei ist auch Markus Walter. Das Getränk ist für ihn mehr als der Beruf.

Nicole D’Orazio
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Biersommelier Markus Walter präsentiert zwei verschiedene Biersorten. (Bild: Donato Caspari)

Biersommelier Markus Walter präsentiert zwei verschiedene Biersorten. (Bild: Donato Caspari)

Sauerbier, Strong Ale oder Weissbier: Bei den vielen verschiedenen Sorten kommt Markus Walter ins Schwärmen. «Es gibt eine enorme Biervielfalt. Fast mehr als beim Wein. Das ist eine wahre Freude», sagt er und lacht. Der Tägerwiler ist diplomierter Biersommelier. Die Ausbildung wird in der Schweiz seit 2011 angeboten, über 280 Personen haben diese abgeschlossen. «Ich habe auch das Diplom in München, das international gültig ist, gemacht.»

Heute Samstag nimmt er an der zweiten Schweizer Meisterschaft der Biersommeliers in Zürich teil. Für ihn ist es das erste Mal. Dabei messen sich 37 Experten. «Als Erstes gibt es einen Wissenstest», erklärt Walter. «Dann erhält jeder zehn Proben, die man dem richtigen Bierstil zuordnen muss.» Es sei nicht einfach, nach dem Geschmack den richtigen Stil zu bestimmen. Da sei eine gute Sensorik gefragt. «Es gibt zum Beispiel dunkle Biere, ober- und untergärige oder Sauer- oder Rauchbier», zählt er einige auf. In der dritten Prüfung geht es um die verschiedenen Aromen, die im Hefegetränk vorkommen. Da ist eine gute Nase notwendig. Die besten acht dürfen dann im Final ein zufällig ausgewähltes Bier präsentieren, inklusive Ausschank. «Ein Biersommelier ist ein Botschafter. Die Präsentation ist das Wichtigste», sagt der 49-Jährige.

Walter nimmt ohne grosse Erwartungen an den Meisterschaften teil. «Sollte ich es unter die besten vier schaffen, die an die WM in München dürfen, wäre das super. Aber ich rechne nicht damit. Es nehmen viele Leute mit gut fundierten Kenntnissen teil», meint er bescheiden. Das hänge auch von der Tagesform ab.

Diskussionen unter Kennern machen ihm Spass

Am meisten freut er sich sowieso aufs Fachsimpeln mit den Kollegen. «Ich spreche gerne mit Leuten, die sich auskennen, über die Materie. Das ist immer spannend. Man lernt nie aus.» Natürlich sei es auch wichtig zu wissen, was die Konkurrenz so mache. Der Wettbewerb in der Schweiz sei hart umkämpft.

Der Tägerwiler ist Leiter Getränke-Service Kreuzlingen/Märstetten der Brauerei Schützengarten. Sein persönliches Lieblingsbier sei das, das sich am besten verkauft, witzelt er. «Nein, geschmacklich mag ich unser Hefe-Weissbier Weisser Engel oder das neue India Pale Ale, eine bitterere Sorte, sehr gerne.» Von den ausländischen finde er das Strong Ale der belgischen Brauerei Duvel sehr gut. «Es ist goldfarben, hat einen perfekten Schaum und ist sehr ­erfrischend», beschreibt er. Dass es immer mehr Biere gibt, findet er gut. «Wir werden regelrecht von Mikrobrauereien überschwemmt. Für die Vielfalt ist das natürlich super.»

Walter trinkt aber auch gerne Wein. «Das schliesst sich ja nicht aus. Das Wichtigste ist doch der Genuss», findet er. Er organisiert deswegen gerne Beer and Dine Events. «Dort präsentiere ich den Teilnehmern, was es alles für Geheimtips gibt.» Zum Beispiel Kirschbier aus Belgien. «Das eignet sich hervorragend als Apéro.»