Swisscom reisst Netzausbau an sich

Die Technischen Betriebe bauen in Weinfelden seit 2009 am Glasfasernetz. Weil sie mit der Swisscom noch keine Einigung erzielen konnten, drohen die Arbeiten parallel zu laufen.

Esther Simon
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weinfelden. Die Swisscom will im südlichen Teil der Deucherstrasse in Weinfelden mit dem Ausbau des schnellen Glasfasernetzes beginnen, wie sie gestern mitteilte. Anwohner werden noch diese Woche informiert. Spatenstich soll im Sommer sein.

Damit kommt die Swisscom den Technischen Betrieben Weinfelden (TBW) in die Quere. Diese bauen bereits seit 2009 am Kommunikationsnetz der Zukunft für Weinfelden.

«Kein Interesse»

Swisscom bedauert in ihrem Communiqué, dass es mit den TBW zu keiner Einigung über ein gemeinsames Netz gekommen sei und die Netze nun parallel verlegt werden müssten. Swisscom habe sich seit 2009 um eine Zusammenarbeit mit den TBW beim Glasfaser-Ausbau bemüht. Bisher hätten die TBW aber kein Interesse an einer Ausbaukooperation oder an einem Angebot gezeigt, unbeleuchtete Glasfasern an Swisscom zu liefern. Da die TBW bereits mit dem Ausbau begonnen hätten, «hat Swisscom keine andere Möglichkeit, als selber zu bauen, damit Weinfelder Kunden auch in Zukunft Swisscom-Dienstleistungen in gewohnter Qualität beziehen können».

«Eine Rechtfertigung»

Walter Krähenbühl, Direktor der Technischen Betriebe Weinfelden, weist die Vorwürfe der Swisscom zurück. «Der Zugang zu unserem Glasfasernetz steht allen Telekommunikationsanbietern zu gleichen Bedingungen offen, so auch der Swisscom», erklärte er gestern auf Anfrage.

Die Aussage, dass die TBW kein Interesse an einem Angebot für Swisscom gezeigt hätten, entspreche nicht den Tatsachen. Nach Auffassung der TBW schiebe Swisscom diese Aussage lediglich als Rechtfertigung für einen Alleingang vor. Krähenbühl: «Wir interpretieren das Vorgehen so, dass die TBW damit unter Druck gesetzt werden sollen, um die einseitigen Bedingungen von Swisscom zu akzeptieren.» Der parallele Bau zu dem Netz, das die TBW seit 2009 ausbauen, erfolge alleine auf Initiative und Verantwortung der Swisscom. Krähenbühl: «Wir haben kein Verständnis für diesen Schritt, sind aber nach wie vor zu Verhandlungen mit Swisscom bereit.» Auch Swisscom hat angekündigt, erneut das Gespräch mit den TBW zu suchen. «Wir gehen davon aus, dass wir den Ausbau des Netzes gemeinsam beenden», sagte Swisscom-Mediensprecher Olaf Scholze gestern gegenüber Tagblatt-Online.

Jederzeit möglich

Da auch Swisscom vier Glasfasern pro Anschluss verlegen will, werde eine Zusammenarbeit mit den TBW zu jedem Zeitpunkt möglich sein, teilt Swisscom mit.

Die Glasfaser-Ausbauten in Weinfelden sind Teil einer grossen Strategie der Swisscom. Zurzeit führt Swisscom Gespräche mit über hundert Gemeinden in der Schweiz. Weil der Bau der schnellen Leitungen hohe Kosten verursacht, suchen jeweils beide Seiten nach Kooperationen.