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SUMMERDAYS: Viel Muskelkraft und Material

ARBON. In den Arboner Quaianlagen wird die Festivalstadt für Status Quo, Canned Heat und Barock, Silbermond, Mika, The Baseballs und Co. aus der Wiese gestampft. Mit gigantischem Aufwand für die drei musikalischen Summerdays.
Max Eichenberger
Die grosse Bühne steht und ist mit schwarzen Blachen überdacht. Die Bühnenarbeiter klettern wie Tarzans behende auf dem Stahlgerüst herum und machen den Feinschliff.

Die grosse Bühne steht und ist mit schwarzen Blachen überdacht. Die Bühnenarbeiter klettern wie Tarzans behende auf dem Stahlgerüst herum und machen den Feinschliff.

Ein Kleintraktor, beladen mit gerollten Gummimatten, kurvt durchs Gelände am See. Die mit Schlitzen versehenen Gehmatten werden auf einem Teilstück des Rasens ausgelegt – zu dessen Schutz, wenn dann die Festivalbesucher Kopf an Kopf stehen und der Druck beträchtlich ist.

Deutsch und englisch

Auf einer Nebenbühne scheppern Bretter. Ganze Stapel werden verlegt. «Andi, die leeren Podiumsgestelle kannst du da drunter- schmeissen», weist ihn ein Kolonnenchef an. Es wird deutsch gesprochen.

Aber auch englisch. Die mit dem Aufbau beschäftigten Firmen verfügen über eingespielte Crews, die überall solche kurzlebigen Infrastrukturen aufstellen. Und dann wieder abbrechen. Deutsche, Österreicher, Engländer und Iren legen Hand an, damit dann Status Quo und die anderen Headliner ihre Bühnenshow abrocken können. Oliver Ebner karrt mit seinem Hubstapler Geländerstangen heran. Und stemmt selber Eisenstangen hoch.

«Eine Tonne kommt da locker zusammen an einem Tag», sagt der muskelbepackte Österreicher, der sich den Besuch des Fitnessstudios ersparen kann. «Ich hab' das outdoor – und werde erst noch bezahlt», lacht er. Die grosse Bühne steht, mitsamt der Dach-Bogenkonstruktion. Zuoberst dreht sich ein kleines schwarzes Windrad. Je nach Windrichtung wird die Beschallung gesteuert.

Tarzans auf dem Stahlgerüst

Eingehüllt ist das riesige Stahlungetüm in schwarzem Plastik. Die Blachen werden fixiert. Wie Tarzans turnen die Bühnenarbeiter behende auf dem Stahlgerüst herum. Für sie ist das Routine. Irgendwann passt dann alles zusammen. Von Westen zieht Wind auf. Das Rauschen in den Bäumen ist wie Musik, die Hammerschläge tönen wie ein Schlagzeug im Dreivierteltakt.

Das Gelände ist abgesperrt. Für die Fussgänger wird ein schmaler Wegstreifen direkt am See offengehalten. Eine deutsche Radlergruppe hat sich verirrt und stösst ihre mit Radtaschen behängten Velos durch die Wiese neben der Werkverkehrsstrasse. Vorübergehend wird der Radweg umgeleitet.

Waschplatz als Umschlagplatz

Auf dem alten Waschplatz ist ein Materialumschlagplatz eingerichtet worden. Die Parkplätze sind dafür freigehalten worden. Im Schwimmbad ist sowieso nicht viel los.

Mit Kleintraktoren werden Kisten transportiert. Abdeckplanen balgen im Wind. Ein Sprutz Regen macht jetzt die Organisatoren nicht nervös. Auf das Wochenende hin verheissen die Prognosen gutes Wetter. Der Wasserstand des Sees ist so hoch, dass vom Quai aus manch einer mit einem Sprung Abkühlung suchen wird – wie 1989 beim letzten «alten» Open Air, als der See auch viel Wasser führte. Auf der grossen Bühne wird der Aufbaudreck runtergewischt. «Gib mir no dei Hammer», tönt es schwäbisch von den Höhen des Stahlskelettes.

Die Waschtröge und die Wasserzuleitungen sind installiert. Die tonnenschwere Bühnenausstattung liegt parat für die Montage.

Ohne Büchler kein Pfuus

Dass das Lichtspektakel überhaupt in Szene gehen kann und die Gitarren jaulen, dafür sorgt Marius Büchler, der Open-Air-«Stromer». Ein Megawatt Stromgesamtbezug wird für das Festival benötigt. Zwei Trafostationen werden angezapft. «Wir sind heute in einer komfortableren Lage als letztes Jahr», sagt Büchler.

Zwischenzeitlich ist eine neue Station beim Saurer-Museum errichtet worden. «Letzten Sommer mussten wir improvisieren und konnten mit der Firma Iveco eine Vereinbarung treffen», sagt der hauptberuflich in der Betreuung Thurgauischer Elekrizitätswerke tätige Büchler. Mit der Musik hier selber habe er nicht viel am Hut. «Aber für mich ist die Eventversorgung mit Strom ein Hobby – eine spannende Herausforderung.»

Büchler ist sich der Verantwortung bewusst und weiss, dass ohne ihn und ohne Pfuus nichts laufen würde und Status Quo nur stumme Marionetten wären. «Man ahnt als Aussenstehender kaum, wie viel Arbeit nötig ist. Der Aufwand ist gigantisch für ein Festival, das drei Tage dauert.»

Seit 15 Jahren macht das Marius Büchler schon – auch beim OpenAir St. Gallen. Abgesehen von minimen Ausfällen sei es in all der Zeit noch zu keinem Gau gekommen.

Und so dürfte garantiert sein, dass auch am kommenden Wochenende Licht und Sound genügend Pfuus haben werden.

www.summerdays.ch

Open-Air-Stromer Marius Büchler: Ohne ihn blieben Status Quo stumme Marionetten.

Open-Air-Stromer Marius Büchler: Ohne ihn blieben Status Quo stumme Marionetten.

Das Fitnessstudio ersparen: Da stemmen die Arbeiter schon mal eine Tonne pro Tag hoch.

Das Fitnessstudio ersparen: Da stemmen die Arbeiter schon mal eine Tonne pro Tag hoch.

Wasser ab Hahnen ist verfügbar.

Wasser ab Hahnen ist verfügbar.

Scheinwerfer wartet auf Montage.

Scheinwerfer wartet auf Montage.

Oliver Ebner auf dem Hubstapler.

Oliver Ebner auf dem Hubstapler.

Matten als Geländeschutz.

Matten als Geländeschutz.

Wasserzuleitungen sind installiert.

Wasserzuleitungen sind installiert.

Bilder: Max Eichenberger

Bilder: Max Eichenberger

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