SULGEN: Prägendes Bauwerk feiert runden Geburtstag

Heute vor 50 Jahren wurde die Bahnunterführung eingeweiht. Sie stellt für das Dorf eine markante Zäsur dar. Chronist Erich Hungerbühler erzählt die Geschichte der Entstehung.

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«Der Sulger Untergrund ist ju- biläumsreif», sagt Dorfchronist Erich Hungerbühler. Tatsächlich ist es auf den Tag genau 50 Jahre her, dass der damalige Thurgauer Baudirektor Albert Schläpfer in der Strassenunterführung ein Band durchtrennte und sie damit ihrer Bestimmung übergab. Ein Augenblick, der von vielen Automobilisten herbeigesehnt wurde.

«Wollte man, wenn die alte Barriere ausnahmsweise einmal nicht geschlossen war, mit einem Tempo von bloss 10 km/h die Gleisanlagen passieren, wurde man heftig durchgeschüttelt oder stiess sogar mit dem Kopf an das Wagendach», berichtet Hungerbühler. Nachdem vorhergehende Projekte immer an den zu hohen Kosten gescheitert waren, unterbreitete 1962 eine Experten- kommission einen Vorschlag, der die Grundlage für das verwirklichte Projekt bildete. Dennoch sollte es vier weitere Jahre dauern, bis die Interessen des Kantons, der Gemeinde und der Schweizerischen Bundesbahnen auf einen Nenner gebracht wurden und der Bund eine Kostenbeteiligung in Aussicht stellte.

Eine eigens erstellte Umfahrungsstrasse im Südwesten gewährleistete, dass trotz der Bauarbeiten auf der damals grössten Baustelle des Kantons Thurgau der Verkehr weiter rollen konnte. «Damit die nördlich der Bahn- linie verlaufenden Strassen und das Bahnhofareal an die neue Strasse angeschlossen werden konnten, musste die Kreuzung sehr nahe beim Ausgang der neuen Unterführung angeordnet werden», erinnert sich Hungerbühler. Dank der Verlängerung des Unterführungsbauwerks gelang es den Planern, Platz für die Strassenüberführung zu schaffen, was kreuzungsfreie Verkehrswege gewährleistete.

Eintritt in ein neues Zeitalter

Mit der Errichtung der Unterführung veränderte sich das Dorfbild. Das Hotel Schweizerhof mitsamt den dazugehörigen Ökonomiegebäuden und ein kleines Wohnhaus mussten dem Neubau weichen. «In Zusammenarbeit mit den Schweizerischen Bundesbahnen wurde der Bauvorgang dermassen präzise geplant, dass der reguläre Bahnverkehr zu keiner Zeit gefährdet war», staunt Erich Hungerbühler. Laut dem Sulger Dorfchronisten wurde mit den eigentlichen Bauarbeiten im September 1966 begonnen. Während die Arbeiten für das Brückenprojekt anliefen, wurde auf dem nördlichen Abschnitt mit den Strassenbauarbeiten begonnen.

«Es mussten grössere Erd- mas­sen vom Einschnitt bei der ehemaligen Käserei bis zur Dammbaustelle bewegt werden», erklärt Hungerbühler. Aus diesem Grund war es notwendig, dass der Strassenbauunternehmer immer wieder bereitstand, um den Aushub auszuführen. Der relativ milde Winter 1966/67 ge­stattete es, die Bauarbeiten – wenn auch in verlangsamtem Tempo – mit wenigen Unter- brüchen weiterzuführen. Die erste Programmsitzung des Jahres 1967 zeigte, dass aller Voraussicht nach das Ziel, die wesentlichen Bauarbeiten im Laufe des Jahres vollenden zu können, erreicht werden könnte. Die Verantwortlichen sollten recht behalten: Im Mai 1967 zierte ein Aufrichtebäumchen die im Rohbau vollendete Unterführung.

Ein weiteres halbes Jahr später, am 3. November 1967, wurde das monumentale Bauwerk im Rahmen eines grossangelegten Tunnelfestes eingeweiht. «Es steht ausser Zweifel, dass mit der Eröffnung des ‹Sulger Untergrundes› ein Projekt verwirklicht wurde, von dem heute noch viele Verkehrsteilnehmer profitieren», ist sich Erich Hungerbühler sicher.

Monika Wick

bischofszell

@thurgauerzeitung.ch