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SULGEN: «Nicht alle arbeiten freiwillig im Millieu»

Der Verein Blossom bietet Prostituierten seelsorgerischen Beistand an. Mit dem neuen Secondhandladen wollen die Mitglieder die Vereinskasse aufpolstern und auf ihre Tätigkeit aufmerksam machen.
Eva und Taina Messmer vom Vorstand des Vereins Blossom stehen im neuen, in Renovation befindlichen Lokal. (Bild: Hannelore Bruderer)

Eva und Taina Messmer vom Vorstand des Vereins Blossom stehen im neuen, in Renovation befindlichen Lokal. (Bild: Hannelore Bruderer)

Anfangs Dezember eröffnet der Verein Blossom an der Kradolfstrasse 14 in Sulgen das Geschäft «2nd». «2nd» – was so viel heisst wie Zweiter/Zweite – trifft den Zweck des Geschäfts gleich doppelt. «Unser Ziel ist es, den Gedanken einer zweiten Chance zu leben, für Menschen wie auch für Kleider», sagt Taina Messmer, die zusammen mit Eva Messmer und Salome Messmer den Vorstand des Vereins Blossom bildet. Damit spricht sie die Art des neuen Geschäfts und den Zweck ihres Vereins an. Im Ladenlokal werden ausschliesslich Frauensachen – Kleider, Schuhe, Accessoires, Modeschmuck und Ähnliches – aus zweiter Hand angeboten. «Es geht manchmal vergessen, dass auch in der Schweiz einige Menschen unten durch müssen und nur ein kleines Budget zur Verfügung haben», sagt Eva Messmer. «Ihnen, aber auch allen anderen, die Freude an Secondhand-Mode haben, wollen wir in unserem stilvoll eingerichteten Laden ein tolles Shoppingerlebnis bieten.»

Doppelter Nutzen

In diesen Wochen arbeiten die zukünftigen Ladenbesitzerinnen daran, die noch leerstehenden Räumlichkeiten nach ihren Vorstellungen zu gestalten.

Der Erlös soll, nebst Spendengeldern, künftig die Arbeit der Non-Profit-Organisation Blossom mitfinanzieren. Der Verkauf von bereits getragenen Frauenkleidern und -accessoires ist für die drei Frauen nicht neu. In der noch jungen Geschichte ihres Vereins haben die Verantwortlichen schon zweimal erfolgreich einen Secondhandverkaufstag durchgeführt. «Wir haben uns überlegt, ob wir mit diesen gelegentlichen Events weiterfahren oder ein fixes Lokal mieten sollen», sagt Eva Messmer. «Da wir uns ebenfalls ein Vereinslokal wünschten, haben wir uns entschlossen, Räumlichkeiten zu mieten, die wir sowohl als Ladengeschäft als auch als Treffpunkt für unsere Vereinsmitglieder nutzen können.» Der Verein Blossom ist im April 2016 gegründet worden mit dem Ziel, Frauen, die in der Prostitution arbeiten, einen seelsorgerischen Besuchsdienst anzubieten. Die aufsuchende Sozialarbeit in Bordellen, Clubs und Salons beschränken die Vereinsmitglieder auf das Gebiet des Kantons Thurgau. Blossom ist deshalb eng mit anderen kantonalen Institutionen wie zum Beispiel der Perspektive Thurgau vernetzt.

Keine Zukunftsperspektive im Herkunftsland

Der Vorstand sieht den neuen Secondhandladen auch als Chance, über die Arbeit des Vereins zu informieren. «Bei unserer Tätigkeit bewegen wir uns in einem gesellschaftlichen Tabubereich», sagt Eva Messmer. «Es ist deshalb nicht immer leicht, deren Notwendigkeit der Öffentlichkeit und möglichen Sponsoren nahezubringen.» Gehe es um Sexarbeiterinnen, so gäbe es viele Vorurteile. «Nicht alle, die im Milieu arbeiten, tun dies freiwillig. Viele Frauen arbeiten aus finanzieller Not oder weil sie in ihrem Herkunftsland keine Zukunftsperspektiven haben.»

Das Blossom-Team bietet diesen Frauen Gespräche von Frau zu Frau an. «Wie bei der seelsorgerischen Arbeit üblich, bestimmt das Gegenüber das Thema», erklärt Eva Messmer. Gesprochen wird über alle möglichen Aspekte des Lebens, vom Behördengang bis hin zu ganz persönlichen Belangen. Als Zeichen der Wertschätzung erhalten die Frauen von den Seelsorgerinnen bei ihren Besuchen immer eine kleine Aufmerksamkeit.

Bis das «2nd» am Samstag, dem 2. Dezember, öffnet, nimmt Eva Messmer (079 203 51 20) noch einwandfreie, gereinigte Frauenkleider und -schuhe an der Weinmoosstrasse 15 in Sulgen entgegen. «Da uns Nachhaltigkeit ebenso ein grosses Anliegen ist, werden wir, was in Sulgen nicht verkauft werden kann, der Aktion Licht im Osten übergeben», sagt Taina Messmer.

Hannelore Bruderer

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

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