Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SULGEN: Kampf um jede Stimme

CVP und SP Aach-Thur-Land luden zu einem gemeinsamen Informationsanlass ein. Im Auholzsaal war die No-Billag-Initiative zur Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren ein umstrittenes Thema.

Vielleicht hätten sie das Podium zwei Wochen früher ansetzen sollen, dann wäre das Thema noch nicht so ausführlich auf allen Kanälen diskutiert gewesen, meinte Urs Bösiger, Präsident der SP Aach-Thur-Land, bei seiner Begrüssung. Im kleinen Auholzsaal warteten dennoch rund zwei Dutzend Stimmbürger auf die Argumentationen des No-Billag-Befürworters Ramon Weber von den Jungfreisinnigen Thurgau und des Gegners der Initiative, Kommunikationsberater An- dreas Notter aus Sulgen.

Zu Beginn erläuterte Moderator Ernst Ritzi die gesetzlichen Grundlagen, die sich bei Annahme dieser Verfassungsinitiative ändern würden. Dann erhielten die beiden Podiumsteilnehmer die Möglichkeit, ihre Sicht in einem zwölfminütigen Referat darzulegen. Später stellten sie sich den Fragen des Moderators und des Publikums. Für das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) müssten alle bezahlen, egal ob sie dies gut finden würden oder nicht, sagte Ramon Weber. «In der Schweiz ist die Eigenverantwortung der Einwohner gross. Wir finden, dass sie in der Lage sind, selbst zu entscheiden, wofür sie bezahlen wollen.»

Das oft angeführte Argument, dass «No Billag» auch kein SRF heissen würde, bezeichnet Weber als linkes Dogma. «Nur weil etwas nicht in der Verfassung steht, kann man es ja trotzdem machen.» Er zeigte sich überzeugt, dass ein gutes Angebot auch weiterhin nachgefragt würde und ein Schweizer Radio und Fernsehen deshalb auch mit Werbeeinnahmen und durch Abonnemente existieren könnte.

Beide Lager argumentieren mit der Solidarität

Dass der freie Markt in diesem Bereich funktioniert, bezweifelt Andreas Notter. «Gerade junge Menschen sind durch Internet und Gratiszeitungen gewohnt, dass Informationen kostenlos erhältlich sind. Dass sie künftig dafür etwas bezahlen wollen, glaube ich nicht.» SRF biete Inhalte an, die ein gewinnorientiertes Unternehmen so nie finan- zieren würde, und dies in vier Landessprachen, sagte er.

Notter bezeichnete die Vor- lage als zutiefst undemokratisch. «Hier wird äusserst leichtfertig mit einer der wichtigsten Errungenschaften für den Zusammenhalt in unserem Land umgegangen», erklärte der Gegner der No-Billag-Initiative. Nachgehakt wurde vom Publikum beim Thema «Solidarität», die sowohl der Befürworter als auch der Gegner als Argument für ihre jeweilige Sichtweise heranzogen.

Notter machte den Vergleich mit den Schulsteuern, die auch kinderlose Personen entrichten, um so das Bildungswesen zu finanzieren. Nach diesem Prinzip funktioniere auch das Gesundheitswesen. Beides sei staatlich geregelt. «Beim Gesundheitswesen geht es um das Leben, nicht so beim SRF», konterte Weber. «Auch ohne Zwangsgebühren kann man sich solidarisch zeigen, einfach auf freiwilliger Basis. Mit freiwilligen Spenden funktionieren zum Beispiel Hilfswerke».

Qualität versus seichte Unterhaltung

Weber widersprach der Meinung Notters, dass ohne Gebühren- gelder vermehrt inhaltlich seichte Formate produziert würden, die für den Werbemarkt interessanter sind, und der Qualitätsjournalismus deshalb abnehme. Ramon Weber berief sich dabei auf eine Studie, die belege, dass rund 70 Prozent der Bevölkerung bereit wären, für Qualitätsjournalismus etwas zu bezahlen.

«Ich will weiterhin ‹Echo der Zeit› hören, die ‹Tagesschau› und Kultursendungen sehen. Können Sie mir konkret sagen, was mich das künftig kosten wird?», kam die Frage aus dem Publikum. Nein, das könne er nicht, erwiderte Weber. Er vertraue aber auf die von ihm erwähnte Studie. Bei der Kulturförderung sieht der Jungfreisinnige, dass Beiträge des Bundes und der Kantone die Ausfälle der Gebühren ausgleichen könnten.

Nach gut eineinhalb Stunden leitete Moderator Ernst Ritzi zu den Schlussworten über. «Ein Ja zu ‹No Billag› schafft die Zwangsgebühren ab und ebnet den Weg für ein befreiteres, innovatives SRF», sagte Ramon Weber. «Es ist zwar gut, hat die No-Billag- Initiative die Diskussion über den Leistungsauftrag von SRF angestossen, die Initiative schiesst aber weit über das Ziel hinaus und ist deshalb klar abzulehnen», empfahl Andreas Notter.

Regula Notter-Dürner, die Präsidentin der CVP Aach-Thur-Land, bedankte sich bei den Podiumsteilnehmern und verabschiedete sie mit einem vitaminreichen Geschenk.

Hannelore Bruderer

bischofszell

@thurgauerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.