SULGEN: Für einen Moment glücklich

Am Mittwochabend luden die evangelische und die katholische Kirchgemeinde die Männer aus der temporären Asylunterkunft zu einer Weihnachtsfeier ein. Der Anlass fand grossen Anklang.

Monika Wick
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Das einheimische Bläser- und Gesangsquartett «Four for you» unterhält die Asylbewerber im evangelischen Kirchgemeindehaus mit seinen Liedern. (Bild: Monika Wick)

Das einheimische Bläser- und Gesangsquartett «Four for you» unterhält die Asylbewerber im evangelischen Kirchgemeindehaus mit seinen Liedern. (Bild: Monika Wick)

Monika Wick

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

Eigentlich hatten die Organisatoren der Weihnachtsfeier für die Asylsuchenden in Sulgen viel ­weniger Teilnehmer erwartet. «Heute sind 25 neue Asylsuchende in Sulgen angekommen, die auch an der Feier teilnehmen werden», erklärte Frank Sachweh, Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Sulgen, die zusammen mit der Katholischen Kirchgemeinde Sulgen zur Feier eingeladen hatte.

Das war aber ein Umstand, der die Veranstalter nicht aus der Ruhe zu bringen vermochte. Es wurden spontan ein paar Gedecke mehr aufgelegt. Dazu wurden die Tische mit grünen Tischsets, passenden Servietten, Tannenzweigen, Kerzen und goldenen Schoggitalern dekoriert.

Musik als Bindeglied zwischen den Kulturen

«Welcome to our Christmas Dinner!», begrüsste Frank Sachweh die jungen Männer und interessierte sich dafür, aus welchen Ländern sie stammen. «Aus Eritrea», antwortete die grösste Gruppe, bevor andere erklärten, dass ihr Heimatland Syrien, Irak, Afghanistan, Iran, Sri Lanka oder die Türkei sei. Momentan leben alle gemeinsam in der Anlage für Luftschutztruppen an der Auholzstrasse. «Wir sind dankbar für jede Abwechslung», sagte Mallat Naceur, der als Betreuer in der Unterkunft arbeitet.

Laut Frank Sachweh haben sich die Organisatoren für ein musikalisches Unterhaltungsprogramm entschieden. «Musik ist eine Sprache, die wir alle verstehen», stellte er in englischer Sprache fest. Dass sich die Männer darum bemühen, die deutsche Sprache zu erlernen, zeigte sich, als Urs Bösiger sein Instrument vorstellte. Mehrmals wiederholten sie die Silben «Hack» und «Brett». Auch beim anschliessenden Nachtessen, das aus Riz Casimir mit Gemüse bestand, konnte man öfters das Wort «gut» hören. «Nicht gut – sehr gut!», korrigierte ein Asylbewerber seinen Kollegen lachend.

Frank Sachweh erwähnte, dass der Anlass nicht dazu gedacht sei, um zu missionieren. «Wir möchten für euch, die ihr weit weg von zu Hause seid, die Liebe zelebrieren und die Welt für einen Moment ein bisschen glücklicher machen», erklärte er.

Offensichtlich gelang das Vorhaben. Nachdem die Asylbewerber nach dem Essen tatkräftig beim Zusammenstellen des Geschirrs geholfen hatten, wurde angeregt geplaudert und herzhaft gelacht. Oft halfen sich die Männer gegenseitig beim Übersetzen, wechselten ohne Probleme von ihrer Muttersprache ins Englische, Französische oder Deutsche. Für einen Deutschkurs der besonderen Art sorgten Four for you. Obwohl das aus Jörg Fässler, Fredy Schweizer, Richi Schöb und Peter Huser bestehende Bläser- und Gesangsquartett Lieder vortrug, die für die Ohren der Asylsuchenden ungewohnt geklungen haben mussten, zogen sie diese bald in ihren Bann. Nach anfänglichem Zögern klatschten sie im Takt mit, schnippten mit den Fingern und sangen mit beim «Hallo, hallo, ich bin dein Ohrwurm» oder «Ewigi Liebi».

Nach kurzweiligen drei Stunden kehrten die 42 Männer in ihre Unterkunft zurück. Im Gepäck ein Geschenk und Frank Sachwehs Segen: «Möge Gott, Allah oder die Kraft mit euch sein!»